Genthin l Genthin verliert wieder Einwohner. Vor vier Jahren lebten noch mehr als 15.000 Menschen in der Einheitsgemeinde, jetzt sind es ganze 600 Personen weniger. Seinerzeit war die hohe Einwohnerzahl auch durch die Flüchtlingszuzüge bedingt. Mittlerweile sind viele der damals neu hinzu Gekommenen in die Großstädte verzogen.

Abwärtstrend setzt sich fort

Der bereits vor rund zehn Jahren prognostizierte Trend der Abwanderung setzt sich damit fort. Das lasse sich auch an der Einwohnerzahl der Kernstadt belegen. Lebten hier 2016 noch 10.800 Menschen, waren es 2017 nur noch 10.595, im Jahr 2018 konnten nur noch 10.475 Menschen gezählt werden.

Neben geringen Zuzugszahlen stehen 105 Geburten (58 Jungen und 47 Mädchen) 236 Sterbefällen (121 Männer und 115 Frauen) gegenüber. Ein Trend, der nicht nur in Genthin Sorge bereitet. Die Hansestadt Stendal ist im vergangenen Jahr von 40.657 auf 40.300 Einwohner geschrumpft.

Fachkräftemangel in Firmen

Die Folgen dieses Schrumpfens für die Kommune sind immens. Abgesehen von geringeren Steuereinnahmen und geringeren Zuweisungen aus dem Finanzausgleich gerät auch die Wirtschaft unter Druck: Unbesetzte Ausbildungsstellen und Fachkräftemangel sorgen für eine Schwächung der wirtschaftlichen Lage insgesamt.

Der Fachkräftemangel wird von Firmen in Genthin bereits seit langem beklagt. Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt. Die Zahlen der gemeldeten Bewerber gehen aus demografischen Gründen immer noch zurück. Die aktuellen und folgenden Jahrgänge bringen aufgrund des Sinkens der Geburtenrate in Deutschland weniger Bewerber auf den Arbeitsmarkt.

Hoffen auf Rückkehrer

Dabei ist Genthin nicht unattraktiv. Nach seiner Wahl hat der neue Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) begonnen, für Genthin zu werben, hat sogar ein Radiointerview in Berlin gegeben.

Der Bürgermeister hat zwei Hoffnungen: die auf Großstädter, die nicht mehr bei zu teuren Mietpreisen im Trubel leben wollen, und auf Rückkehrer, die ihre Wurzeln in der Region haben, Ausbildung und Studium abgeschlossen haben und wieder in die Heimat kommen wollen. „Wir haben Arbeitsplätze, unsere Infrastruktur ist gut.“

Gestaltung der Stadt

Kitas, Schulen, Gymnasium sind vorhanden, Schwimmhalle, Bibliothek, Museum in der Nähe der Innenstadt. Mit dem Zug erreicht man in einer Stunde Berlin. In 30 Minuten ist man mit dem Auto in Burg, Stendal oder Brandenburg/Havel. Er wolle die Stadt attraktiver gestalten, so Günther.

Die Möglichkeit etwa, das Stadtkulturhaus weiter zu nutzen, habe er ausgearbeitet. Möglicherweise wird heute der Bauausschuss über neue Parkplätze am Bahnhof entscheiden, so dass Pendler bequem in die Region und wieder nach Genthin zurück könnten.

Ein weiteres Steckenpferd des Bürgermeisters ist der Kampf um die Gesundheitsversorgung. „Seit der vergangenen Woche haben wir Unterschriftenlisten ausgelegt, die uns Rückenwind aus der Bevölkerung geben sollen“, so Günther.

Im Februar stehen Gespräche mit der sachsen-anhaltischen Ministerin für Arbeit, Soziales und Integration, Petra Grimm-Benne (SPD) an, in denen sich eine Genthiner Fachgruppe für die medizinische Notversorgung stark machen wird. Vielleicht ein kleiner Hoffnungsschimmer für die Genthiner und ein Grund, um in der Stadt zu bleiben.