Genthin l Beständig zog ein Traktor in der vergangenen Woche Furchen in ein rund 1700 Quadratmeter großes Feld zwischen Lessing- und Reuterstraße. „Der Bereich wird gepflügt und für die Aussaat vorbereitet“, erklärte Nils Lichtenberg vom Verein „Bienenweide“.

Bienen von Krankheiten bedroht

Gemeinsam mit dem Altenplathower Gartentherapeuten Thomas Kostka wird der Verein die Wiese in den kommenden vier Jahren betreiben. „Wir haben die Fläche in dieser Zeit freundlicherweise von der Stadt zur Verfügung gestellt bekommen und schaffen damit ein besonderes Stück Natur. Die Fläche ist eigentlich eine Obstbaumwiese“, berichtet Kostka. Der Rasen um die Bäume werde nun zu einer trittfesten Bienenweide in Form eines Blumen- und Kräuterrasens.

Mit der Wildblumenwiese, die in etwa acht Wochen erste Formen annimmt, soll ein Lebensraum für Insekten geschaffen werden. „Wir wollen insbesondere dem Bienensterben entgegenwirken, das im vergangenen Jahr dramatisch zugenommen hat“, erläutert Nils Lichtenberg. 2017 gingen fast ein Viertel aller Bienenbestände ein. Zu den Ursachen zählen Viruskrankheiten, die schädliche Varroa-Milbe und Nahrungsmangel. „Mit den Wiesen möchten wir dem entgegenwirken.“ Bienen, Hummeln und Schmetterlinge finden dort Nahrung. „Wenn wir von Bienen reden, meinen wir Wildbienen.“

Wissensvermittlung direkt in der Natur

Das seien sogenannte solitär lebende Bienen. Sie bauen ihre Nester und versorgen ihre Brut ohne Hilfe von Artgenossen. Eine Besonderheit: Sie stechen fast nie. Honigbienen müssen ihre Vorräte gegenüber Räubern verteidigen. Deshalb kommt es vor, dass Imker bei der Arbeit gestochen werden. Die Wildbienen haben auch einen Stachel, die Gefahr eines Stiches ist gering. Denn mit einem Stich riskieren die Wildbienen nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch das ihrer Brut. „Man kann die Tiere deshalb recht gut auf einer Blühwiese beobachten“, sagt Nils Lichtenberg.

Thomas Kostka bietet Interessierten an, bei Führungen über die Wiese Wissen über die Natur zu vermitteln. „Das können Schulklassen aber auch interessierte Hobbygärtner oder Seniorengruppen sein“. Denn auch das soll eine Bienenwiese leisten: Die immense Bedeutung von natürlichen Flächen schätzen lernen. Und es soll nicht die einzige derartige Wiese in Genthin bleiben. „Eine zweite Bienenweide entsteht am ehemaligen Schulgarten an der Geschwister-Scholl-Straße“, kündigen die beiden Macher an. Dort soll eine Saatmischung namens „Bunter Saum“ auf insgesamt 1400 Quadratmetern entstehen. „Das Besondere an dieser Mischung ist, dass hier die Saat bis zu 1,20 Meter hoch wachsen kann.

Wer die Aktivitäten des Vereins unterstützen möchte, hat zudem die Möglichkeit, eine einjährige Patenschaft für eine Bienenweide zu übernehmen. Dieses Geld werde ausschließlich für die Unterhaltung der Wildfläche eingesetzt. Etwa um die Grundstückspacht zu bezahlen, Saatgut zu erwerben oder die Bienenweide zu pflegen. Weitere Informationen gibt es unter www.bienenweide.org.