Genthin/Leipzig l Eine Reihe von Glückwünschen seien ihm ausgesprochen worden. Von Mitschülern, Lehrern und Bekannten, erzählt Sebastian Witte eher zurückhaltend.

Davon, dass er im Vorfeld als Favorit für das Bundesfinale an der Uni in Leipzig gehandelt wurde, will er allerdings nicht so richtig was wissen. Er mag solche Redereien nicht, winkt er ab, zumal er im Vorfeld des Bundesfinales mit einer schweren Erkrankung gehandicapt war.

Eine Lungenentzündung fesselte ihn über mehrere Tage ans Bett.

Guter Eindruck von Leipziger Uni

„Die Vorbereitung verlief deshalb alles andere als optimal. Ich hab nicht wirklich was machen können“, so der Genthiner. Umso überraschender konnte er die Sieger-Lorbeeren entgegennehmen. „Es waren wirklich tolle Tage an der Leipziger Uni, so dass ich mich entschieden habe, dort Chemie zu studieren“, sagt der junge Genthiner.

Sebastian Witte trat beim Bundesfinale als Gewinner der Regionalrunde an, bei der er sich gegen die besten Nachwuchschemiker Sachsens, Sachsen-Anhalts, Thüringens und Baden-Württembergs durchsetzte.

Der Elftklässler hat nun bei dem ersten Bundesfinale nicht nur den ersten Platz in der Klassenstufe 11 erreicht, er war zudem auch noch Sieger in der Kategorie Praxis.

Die Aufgabe, bei der Sebastian alle anderen Mitbewerber weit hinter sicher ließ, bot ihm sein Lieblingsthema, nämlich die organische Chemie. Dabei musste Sebastian Fähigkeiten bei der Auswertung eines Massenspektrums einer organischen Verbindung unter Beweis stellen.

Der Gymnasiast erreichte in dieser Aufgabe 19 von 23 Punkten, während der Durchschnitt seiner Mitkonkurrenten für diese Aufgabe bei gerade mal bei acht Punkten lag.

„Ein Zeichen dessen, dass Sebastian seinen Konkurrenten in dieser Aufgabe weit überlegen war“, sagte Jan Bandemer vom Förderverein Chemie-Olympiade e.V. und zugleich Pressesprecher des Wettbewerbs „Chemie - die stimmt!“.

Zudem hätten sich die Schüler bei dieser Aufgabe in eine Methode, die Massenspektrometrie, einlesen müssen, die ihnen neu war.

„Offenbar hat Sebastian diese Methode schneller und besser verstanden als die Konkurrenten“, unterstreicht Bandemer die Extraklasse des jungen Genthiners.

Sebastians Sache ist es allerdings nicht, sich in diesem Topp-Ergebnis zu sonnen. „Die Aufgabe war schon cool“, sagt er nur kurz und knapp.

Durch Landesrunden und länderübergreifende Regionalrunden hatten sich die 24 besten Schülerinnen und Schüler für das Bundesfinale in Leipzig qualifiziert.

Neben Sebastian Witte kommen zwei Vierplatzierte aus Sachsen-Anhalt, beide besuchen das Werner-von-Siemens-Gymnasium in Magdeburg.

Nächstes Ziel: Internationale Olympiade

Mit dem Bundestitel in der Tasche hat das Genthiner Chemie-Ass jetzt das demnächst beginnende Auswahlverfahren zur Internationalen Chemie- Olympiade im Auge.

An diesem Auswahlverfahren beteiligen sich in der Regel Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II (ab Klasse 11) mit dem Ziel, Deutschland als einer von vier Delegierten auf den weltweit stattfindenden Wettkämpfen zu vertreten.

Sebastian Witte wird schon in diesem Jahr einen Anlauf unternehmen, um sich für die internationale Chemie-Olympiade zu qualifizieren.

Für die zweite Runde im Dezember ist er als Bundessieger bereits qualifiziert.

Neu ist ihm dieses Auswahlverfahren nicht. Mit einem sechsten Platz verfehlte er im Frühjahr bei der letzten und höchsten nationalen Qualifikationsrunde in Kiel als jüngster Teilnehmer nur denkbar knapp den Sprung in die bundesdeutsche Mannschaft.

Nur die ersten Fünf waren für das bundesdeutsche National-Team gesetzt, das seinerzeit nach Thailand reiste.