Genthin l „Das Risiko öffentlicher Veranstaltungen ist im Moment zu hoch“, machte Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) am Donnerstag im Hauptausschuss deutlich. Er sehe durch die Stadt organisierte Veranstaltungen erst dann als möglich an, wenn die Coronasituation als ungefährlich eingestuft werde, weil bei einem Großteil der Bevölkerung ein Infektionsschutz vorliege.

Damit reagierte er auf die anstehende Entscheidung zur Durchführung des Weihnachtsmarktes am dritten Dezemberwochenende und der einer geplanten Begrüßungsveranstaltung des Jubiläumsjahres 2021 im Januar. Beide Punkte wurden nicht abschließend entschieden. Das soll in der nächsten regulären Stadtratssitzung am 10. Dezember erfolgen. Allerdings wurde bereits jetzt mehr als deutlich, dass die Begrüßungsveranstaltung so gut wie vom Tisch ist. Man habe mit den Verantwortlichen des Festkomitees gesprochen und die Bedenken der Stadt vorgetragen, erläuterte der Bürgermeister. Der Vorsitzende des Festkomitees, Thilo Voigt, habe die Darlegung der Stadt zur Kenntnis genommen.

Schausteller will Risiko übernehmen

Etwas Hoffnung besteht allerdings für den Weihnachtsmarkt. Dieser soll auf keinen Fall unter der Regie der Stadt durchgeführt werden. „Sollte unser Kooperationspartner, der Schausteller Schmidt, den Markt in seiner Regie durchführen wollen, würde die Stadt dies nicht verwehren“, so Günther. Mit Schmidt seien bereits Gespräche geführt worden und er habe signalisiert, einen solchen Markt auf sein Risiko tragen zu wollen. Wie dieser am Ende aussehen könnte, ist in der Ausschusssitzung nicht deutlich geworden. Die Rede war von einem Weihnachtsmarkt in Altenplathow, das wäre dann der Volkspark, also nicht die Innenstadt. Außerdem beauftragte der Ausschuss die Stadtverwaltung bei Vereinen oder Organisationen nachzufragen, ob diese bereit wären, den Markt unter den neuen Bedingungen mitzutragen.

Bilder

Viele Akteure angemeldet

Hintergrund ist, dass in den vergangenen Jahren die Stadt Genthin den Weihnachtsmarkt federführend mit dem Schaustellerbetrieb Schmidt organisiert hat. Dabei wurden in die Durchführung des Marktes immer auch lokale Akteure wie der Stadtförder- oder der Kunstverein mit Ständen auf dem Markt eingebunden. Auch Einrichtungen wie das Genthiner Jugendhaus oder Organisationen wie die DLRG oder die Wählergemeinschaft Pro Genthin waren mit eigenen Angeboten vor Ort. Aber selbst wenn alle Akteure für einen Weihnachtsmarkt wären, müsste sich die Genthiner Stadtverwaltung ohnehin den allgemein geltenden Bestimmungen beugen, die im Dezember aktuell sind. Sollte es also ein bundesweites Verbot derartiger Veranstaltungen geben, wären alle Absprachen hinfällig.

Stadtrat Lutz Nitz (Bündnis 90/Die Grünen) verwies in diesem Zusammenhang auf die am Donnerstagnachmittag vom Landtag ausgerufene Pandemie-Lage in Sachsen-Anhalt. Damit gingen für Kreistage sowie Stadt- und Gemeinderäte höhere Eigenverantwortlichkeiten einher, die man im Detail noch nicht kenne. Nitz brachte daher einen später vom Ausschuss gebilligten Antrag ein, mit dem der Bürgermeister beauftragt wird, im nächsten Stadtrat über die Auswirkungen der aktuellen Gesetzgebung auf die Stadt Genthin zu berichten. „Ich möchte wissen, was wir als Kommunen entscheiden dürfen und was nicht.“ Ob diese Eigenverantwortlichkeit sich tatsächlich auf den Veranstaltungsbereich bezieht, wurde am Donnerstag nicht näher erörtert.

Auch Festwoche in Gefahr

Allerdings wurde die Festwoche aus Anlass der 850-Jahr-Feier thematisiert. Dieses Fest könne dann auch erst stattfinden, wenn eine Impfung der Bevölkerung erfolge, das werde aber bis März nicht erledigt sein, stellte Stadtrat Sebastian Hahn (WG Genthin-Mützel-Parchen) fest. „Welche Alternative gibt es für die Festwoche?“, wollte er vom Bürgermeister wissen. „Die Alternative wäre die Verschiebung“, machte Matthias Günther deutlich.

Genau dies sieht das Konzept des Stadtfestes in diesem besonderen Fall vor. „Sollten Verordnungen aufgrund des Infektionsschutzgesetzes die Durchführung in 2021 verbieten, wird die Veranstaltung auf das Folgejahr verschoben. Verträge sind mit einer „Corona-Klausel“ zu versehen“, heißt es dort. Das heißt: Sollte sich die Corona-Lage im kommenden Jahr nicht entspannen, könnte es passieren, dass die Genthiner ihr Jubiläumsfest erst im Jahr 2022 feiern.