Genthin/Tucheim/Parchen l Insgesamt zwar überschaubare Angebote, die aber eine unerwartet gute Besucherresonanz verzeichnen konnten: Das dürfen sich die Ehrenamtlichen, die sich zum Tag des offenen Denkmals in der Stadt Genthin in die Pflicht nehmen ließen, zugute halten.

Kurzfristige Öffnung des Wasserturms

„Was hat die Stadt Genthin zum Tag des offenen Denkmals zu bieten? Bisher liegen der Redaktion keine Angaben vor“, dieses Anliegen trug die Volksstimme im Donnerstagnachmittag telefonisch an die Genthiner Stadtverwaltung heran. Am Freitagvormittag teilte Marina Conradi daraufhin mit, dass der Wasserturm am Sonntag unter der Regie des Kunstvereins bestiegen werden könne.

Zeit blieb der Redaktion damit nur für eine einzige Meldung in der Sonnabendausgabe. Die brachte allerdings mehr als 40 Besucher auf die Beine, die bei schönstem Sonnenschein eine ideale Aussicht von der Plattform des Wasserturms genossen. „Meine Eltern haben die Zeitung gelesen und beschlossen, dass wir auf den Wasserturm gehen“, berichtet der Genthiner Henning Hoffheinz.

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Infos durch QR-Codes

Am Ende war die Familie mit drei Generationen Hoffheinz’ auf dem Turm und staunte: „Was für eine Aussicht.“ Übrigens beschäftigten sich auch einige Besucher mit der Geschichte des Turms. Das geht mittels QR-Code, der am Turm angebracht ist und mit dem Wissenswertes über das Bauwerk mit dem Smartphone abgerufen werden kann. Etwa dass der Wasserturm 1934/35 erbaut wurde, 48 Meter hoch ist und bis Mitte der 90er Jahre in Betrieb war, bevor er Standesamt und Kulturstätte wurde.

Auch Tucheim mauserte sich zum Tag des offenen Denkmals für einen Ausflug als eine gute Adresse. Dafür sorgte der Heimatverein, der in seinem Vereinshaus bei Kaffee und Kuchen Filme aus der Geschichte des Fienerdorfes zeigte, die bisher noch nicht einer breiten Öffentlichkeit zugänglich waren.

Tucheimer mit Kirchenführung

Der Verein um Joachim Böhl punktete mit einer anschließenden Kirchenführung, nicht nur bei den Tucheimern, sondern auch bei etlichen Auswärtigen, unter anderem aus Berlin, Ziesar und selbstverständlich aus Genthin. Der Heimatverein, in der vorangegangenen Woche noch Ausrichter des Backofenfestes, scheute keine Mühen, um den Tag des offenen Denkmals auch in einer ländlichen Region mit Leben zu erfüllen. Respekt.

Der Verein bediente an diesem Nachmittag sowohl den Wunsch nach Geselligkeit aber auch ein offensichtlich gewachsenes Interesse an Dorf- und Kirchengeschichte. „Ich bin überrascht, dass auch so viele Einheimische gekommen sind“, meinte Joachim Böhl in einem Resümee. Das sei in der Vergangenheit nicht immer der Fall gewesen.

Überaus kenntnisreich und durchaus unterhaltsam führte Böhl eine gute halbe Stunde durch die Tucheimer Kirche, ein im 18. Jahrhundert erbautes Gotteshaus im preußischem Rokoko. Böhl stellte sich dabei inhaltlich breit auf. Glocken, Orgel, Bau- und Kirchengschichte, Restaurierung, Patronat.

Mehr als 30 Besucher

Seine Führung hatte durchaus das Potenzial eines Geheimtipps für Touristen, die sich für Kirchen und ihre Geschichte interessieren. Für ihn persönlich fiel das allerdings weniger ins Gewicht. Er erfreute sich an den voll besetzten Kirchenbänken, auf die er während der Führung blicken konnte. Sonst seien vielleicht acht oder zehn Leute gekommen, am Sonntag waren es mehr als 30.

Der Förderverein Schloss Parchen war im Vorfeld des Tages des offenen Denkmals eher unschlüssig, das Schloss eigens aus diesem Anlass zu öffnen. So wirklich ein Extra-Angebot haben wir eigentlich nicht parat, sagte Heiko Mahrenholz vor einigen Tagen.

Parchen ist beliebt

Doch schon gut 20 Minuten vor Beginn der angekündigten Führung fanden sich Besucher ein. Heiko Mahrenholz, der die Schlossführung übernahm, sah sich zu seiner Überraschung einem aufgeschlossenen und neugierigen Publikum gegenüber, das ihn mit vielen Fragen löcherte. Nicht nur zum Schloss, sondern auch zur Geschichte des Dorfes.