Genthin/Stendal l Viel drang nach dem Besuch von Vertretern der Stadt Genthin bei den Johannitern in Stendal nicht nach außen. „Trotz teils schwieriger Ereignishistorie wie Schließung des Krankenhauses und Denkmalschutz war die Atmosphäre durchaus konstruktiv, sachlich, freundlich und lösungsorientiert“, zogen die Genthiner nach dem Gespräch ein durchaus positives Fazit.

Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) war gemeinsam mit dem Stadtratsvorsitzenden Gerd Mangelsdorf (CDU) und dem Grünen-Fraktionsvorsitzenden Lutz Nitz nach Stendal gereist. Besonders das emotionale Thema „Krankenhausschließung“, wurde erneut aufgegriffen.

Emotionen nach Krankenhausschließung

Im vergangenen Jahr war das Genthiner Krankenhaus in seinem 150. Jahr geschlossen, da das Haus laut Johannitern nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben war.

„Diese Schließung tut den Johannitern immer noch sehr weh und es tut uns für die Genthiner sehr leid, dass diese Schließung nicht abwendbar war“, betonte Franz Ceasar, Geschäftsführer der Johanniter- Krankenhaus Genthin-Stendal GmbH.

Neubau wird schwieriger

„Kein Krankenhausträger kann gegen die aktuellen Rahmenbedingungen wie Einwohnerzahl, Krankenhausplan und dem politischen Willen einen Krankenhausstandort im ländlichen Raum auf Dauer aufrechterhalten.“ Jedoch habe man mit den Seniorenhäusern eine mögliche Nachnutzung für das Areal ins Auge gefasst, die durch den Denkmalschutz massiv gefährdet würden.

Der Schutz eines Teils der historischen Gebäude war seitens des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt in Halle im Juli erlassen wurden. „Die plötzliche Unterschutzstellung der Krankenhausgebäude hat uns irritiert“, machte Franz Ceasar gegenüber der Volksstimme deutlich.

Denn der Denkmalschutz für das historische Johanniter-Gebäudeensemble durchkreuzt die bisherige Planung der Johanniter für einen Neubau.

Seniorenbetreuung bleibt in der Planung

Auf auf einem Großteil des ehemaligen Krankenhausgeländes soll ein sogenanntes Johanniter-Quartier entstehen. Die Johanniter planen die Verbindung von ambulanter und stationärer Altenpflege mit Angeboten für Tagespflege, betreutem Wohnen für Senioren.

Weder Oliver Teßmer, Prokurist der Johanniter Seniorenhäuser GmbH noch Katalin Soppart, Vorstandsmitglied des Regionalverbandes Altmark der Johanniter-Unfall-Hilfe rückten von der bisherigen Planung zu den Seniorenhäusern ab. Der Wille zur Ansiedlung sei weiterhin vorhanden.

„Wir können zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, wie es weitergeht, sondern prüfen, wie wir weiter vorgehen werden“, erläuterte Oliver Teßmer auf Volksstimme-Nachfrage. Nun müssten die Mehraufwendungen der Johanniter bei Einbeziehung des historischen Gebäudeensembles neu bewertet werden, daneben werden auch mögliche Fördermaßnahmen für Denkmalschutzobjekte geprüft. Ein endgültiges Ergebnis konnten die Gesprächsteilnehmer dabei am Ende noch nicht mitteilen.

Künftig wolle man allerdings stärker in Kontakt bleiben. „Beispielsweise wurde eine mögliche Einbeziehung der Johanniter bei einer zukünftigen Stadtratssitzung angedacht oder der geplanten Einwohnerversammlung mit Ministerin Petra Grimm-Benne im September“, kündigte Bürgermeister Günther an.

Miteinander reden

Lutz Nitz bringt es so auf den Punkt: „Wir haben uns geeinigt, künftig nicht übereinander, sondern miteinander zu reden.“ Auch sollen dabei nicht Einzelne, sondern die gesamten im Stadtrat vertretenen Fraktionen informiert werden.

„Das findet unbedingt meine Zustimmung“, bestätigt der Vorsitzende des Gremiums Gerd Mangelsdorf. Es sei gut, wenn die Johanniter das Gelände nutzen.

„Den Wunsch großer Teile der Bevölkerung, die historischen Gebäude zu erhalten, sollte man nicht ignorieren, aber die Häuser sollen auch nicht leerstehen.“