Rettungsdienst

Der Arzt kommt auch ohne Mitgliedschaft

Ohne Mitgliedschaft - kein Rettungsdienst. Mit dieser Drohung werben Mitarbeiter von Hilfsorganisationen um Mitglieder im Kreis.

Von Tobias Dachenhausen

Genthin/Parey l Ein Horrorszenario: Man ruft im Notfall die 112 und niemand kommt, weil es keine Mitgliedschaft gibt. Mit dieser Drohung versuchen momentan Mitarbeiter von Hilfsorganisationen wie dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) der Malteser Mitglieder im Kreis zu werben, vor allem im Bereich Genthin und Parey. "Das ist natürlich vollkommener Blödsinn. Jeder Notruf wird abgearbeitet und im Notfall kommt auch ein Krankenwagen, egal ob man irgendwo Mitglied ist oder nicht", betont Frank-Michael Ruth, Geschäftsführer im DRK-Regionalverband Magdeburg-Jerichower Land.

Sowohl ASB als auch Malteser distanzieren sich von diesem Vorgehen. "Wir werden den entsprechenden Anschuldigungen nachgehen und bei Bestätigung entsprechende Maßnahmen einleiten", sagt ASB-Sprecherin Alexandra Valentino. Die Organisation lehne ein solches Verhalten entschieden ab. "Eine solche Verhaltensweise widerspricht eindeutig den strikten Vorgaben des ASB", betont die Sprecherin. "So etwas ist nicht im Interesse der Malteser. Wir müssen uns davon distanzieren", ergänzt auch ihr Kollege von den Maltesern, Sebastian Stiewe.

Bei beiden Hilfsorganisationen wird die Mitgliederwerbung zum größten Teil von Werbeorganisationen übernommen. "Diese werden geschult und erhalten entsprechende Ausweise", erklärt Stiewe. So auch beim ASB. In den Schulungen wird unter anderem auch ein verbindlicher Verhaltenskodex gelehrt. Die Mitarbeiter dürften kein anstößiges oder unrechtmäßiges Verhalten zeigen. "Sollte dieser verletzt werden, müssen die Verursacher bei wiederholtem Fehlverhalten die Werbetätigkeit für den ASB einstellen", erklärt Valentino. Von den Maltesern sind fünf Werber in dieser Woche im Landkreis aktiv. "Das Verhalten ist nicht korrekt. Uns ist ein freundliches und zuverlässiges Auftreten wichtig. Sollten die Anschuldigungen zutreffen, werden auch wir Konsequenzen ziehen", sagt Malteser-Sprecher Stiewe.

Über diese Werbeaktionen habe man keine Handhabe, so DRK-Geschäftsführer Ruth. Dennoch solle man sich nicht überrollen lassen. "Natürlich kann man Mitglied in diesen Hilfsorganisationen werden. Das hat aber rein gar nichts mit der Notfallversorgung zu tun", erklärt er. Denn: Im Jerichower Land hat das Deutsche Rote Kreuz zum 1. Januar 2015 die Konzession für weitere acht Jahre erhalten. Für den Rettungsdienst des DRK sind derzeit 65 Mitarbeiter beschäftigt. Insgesamt hat das Rote Kreuz mit der neuen Konzession mehr als 700 000 Euro investiert. Mit allem Drum und Dran entstünden laut DRK-Geschäftsführer innerhalb von zwölf Monaten Kosten in Höhe von 3,5 Millionen Euro. Dabei ist das Rote Kreuz der Leistungserbringer, abgerechnet wird unter anderem mit dem Landkreis, den Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigung. Derzeit gibt es sechs Rettungsdienststandorte im Jerichower Land. Neben Burg, Genthin, Hohenseeden und Gommen wurde in Möser ein neuer eingerichtet und der Loburger Standort wechselte nach Möckern.

Bei den Vorfällen der dubiosen Mitgliederwerbung in Genthin und Parey seien die Hilfsorganisationen auch auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. "Die Leute können sich immer an uns wenden, falls ihnen etwas aufgefallen ist, so können wir besser handeln", betont der Sprecher der Malteser in Sachsen-Anhalt. Zudem seien Mitgliedsbeiträge auch nicht dazu da, um den Rettungsdienst zu finanzieren. "Diese Gelder werden vordergründig für unsere sozialen ehrenamtlichen Dienste, wie dem ambulanten Hospizdienst, verwendet. Diese bleiben eben durch Fördergelder, Mitgliedsbeiträgen oder Spenden erhalten", erklärt Stiewe.