Filmprojekt

Die Zukunft Genthins aus Schülersicht

Von Simone Pötschke

Genthin. Was lässt sich in Genthin entwickeln, damit die Stadt für dich langfristig attraktiv wird? Wie möchtest du mit anderen zusammenleben? Warum möchtest du hierbleiben? Der 15-jährige Jonas aus Genthin muss bei diesen Fragen spontan Farbe bekennen und wird beim Antworten gefilmt. Befragt wird er für ein Kunst- und Medienprojekt, das sich Mitglieder des Vereins „Tänzer ohne Grenzen“ erdacht haben.

Hinter dem Verein aus Berlin verbirgt sich Zusammenschluss von verschiedenen Kreativen, die sich im Bereich Tanz, aber auch in den Darstellenden Künsten engagieren. Mitglied dieses Teams ist Bärbel Jahn aus Paplitz, die die Interviewaktion in Genthin initiiert hat. „Projektion ins Leere“, hat sie die Idee genannt. Ins Leere sollen die Aktivitäten aber ganz und gar nicht laufen, der Projektname spielt auf etwas anderes an.

Videoinstallationen in leeren Geschäften

„Wenn man in Genthin durch die Stadt läuft, stößt man auf viele leerstehende Geschäfte, die sich gut für ein Kunstprojekt eignen, auf der anderen Seite gibt es viele Jugendliche, die sich kreativ betätigen wollen“, erzählt Bärbel Jahn. Sie stellet sich die Frage, wie beides zusammengebracht und der Öffentlichkeit präsentiert werden könnte. Mit dem Berliner Verein wurde nun ein Konzept entwickelt, bei dem Interviewpassagen, Tanzszenen und Musik zu Clips verwoben werden sollen.

Im Herbst sollen die Filme im Rahmen eines dreitägigen Lichterfestes als Installation in den leeren Geschäften zu sehen sein. „Auf diese Weise wollen wir nicht nur den Jugendlichen eine Möglichkeit geben, sich einzubringen, ihre Gedanken und Ideen vorzutragen, sondern auch die Bevölkerung für diese jugendlichen Sichtweisen sensibilisieren“, erklärt Bärbel Jahn.

Denn gezeigt werden sollen die Filme an zehn bis 15 Orten in Dauerschleife. Je nach Gegebenheiten könnten bis zu drei Filme an einem Ort laufen. Jugendliche sollen dort sein, um mit Passanten ins Gespräch zu kommen, und auch Lokalpolitiker sollen die Möglichkeit zum Austausch mit jungen Leuten bekommen. Die sollen im Vorfeld Plakate und Flyer gestalten, mit denen auf die Aktion hingewiesen wird. Auch sollen sie das Rathaus besuchen, um die städtischen Mitarbeiter über die Aktion in Kenntnis zu setzen.

Tanz und Musik reichern Interviews an

Mit rund 3000 Euro wird das Projekt vom Bundesprogramm „Demokratie leben“ gefördert. In den vergangenen Wochen haben die Vorbereitungen und erste Dreharbeiten begonnen. Die Teams werden von nun an regelmäßig in der Sekundarschule „Am Baumschulenweg“ mit jüngeren Schülern, im Jugendclub Tucheim und im Jugendhaus „Thomas Morus“ in Genthin sein. Dort gab es vor Ostern einen ersten Projekttag, bei dem sich die Schüler einem von drei Bereichen anschließen konnten.

Interview, Musikgestaltung und Tanz. Die Tanzgruppe fand schnell zusammen und übte unter der Leitung von Anja Schäplitz erste Choreografien ein. Diese sollen zwischen die Interviewaussagen geschnitten werden und für eine temporeiche Bildfolge sorgen. Auch die Musik wird unter der Leitung von Kurt König eigens für die Filme selbst zusammengestellt. Jugendliche hatten die Möglichkeit, sich auch an dieser Stelle einzubringen und quasi am Computer zu DJs zu werden, die für die spätere Klanguntermalung sorgten.

Etwas schwieriger lief die Befragung der Jugendlichen an, die Bärbel Jahn zusammen mit Annette Witt übernommen hatte. Sie gestaltete sich zunächst schleppend. Allerdings zeigte sich nach einigem Anlauf, dass die jungen Leute alles andere als eindimensional über ihre Stadt dachten. Sie wünschten sich zwar, dass es schon bald einen ansprechenden Skaterpark in Genthin geben wird oder dass sich die medizinische Versorgung verbessert, hier spielen sicherlich auch Erfahrungen der aktuellen Corona-Zeit hinein. So ist eine weitere Hoffnung, dass bald die nervige Maskenpflicht mitsamt dem Virus verschwinden möge.

Wunsch nach intakten Familien und Umweltschutz

Für sich wünschen sie sich intakte Familien und machen sich genau so deutlich Gedanken über das Zusammenleben. Friedlich und gewaltlos solle es sein. Alle, die in Genthin leben, sollen sich angenommen fühlen. Auch der Umweltschutz war ein Thema in den Interviews, die jungen Leute bemerken sehr deutlich, dass sich etwa auch die Wälder in und um Genthin verändern, dass die Winter wärmer und die Hitzetage im Sommer zahlreicher werden. So verwundert es nicht, das mehr Solaranlagen oder Elektroautos gewünscht werden.

In den kommenden Wochen wird das bereits gedrehte Material durch weitere Filme der Schüler ergänzt und mit der Musik und den Tanzszenen zusammengeschnitten. Für Elke Förste, Projektkoordinatorin des Bundesprogrammes „Demokratie leben“ in Genthin, ist die Aktion eine interessante Studie über die Sichtweisen der Jugend von heute. Sie hofft, dass es im Umfeld der Präsentation zu Gesprächen über die Ergebnisse kommen wird, und kann sich vorstellen, dass diese durch eine Art Projektmeile begleitet wird. Wie diese umgesetzt werde, könne man erst mit Blick auf die dann aktuellen Corona-Vorgaben sagen.