Parey l Mit einem anspruchsvollen Filmprojekt beschäftigen sich Jugendliche aus Elbe-Parey seit drei Jahren. Sie führten Zeitzeugengespräche mit Senioren aus dem Jerichower Land, die nach dem Zweiten Weltkrieg durch ihre Flucht in die Region kamen und sprachen außerdem mit jungen Menschen, die in den vergangenen Jahren aus Syrien und Afghanistan geflohen sind. Das war eine besondere Situation - für die Befragten, wie für die Befrager. Laura Karbe und Laura Ketzler (beide aus Güsen) gehörten zu den Jugendlichen, die beim Projekt mitmachten.

„Das Thema hat es in sich, das interessiert mich“, sagt die eine Laura. Und die andere: „Ich setze mich dafür ein, dass solche Themen besprochen werden.“ Für die Macher gab es noch weitere Aspekte: „Wir finden es spannend, die Menschen zusammenzubringen, zu erfahren, was ihre Erfahrungen sind. Vielleicht ist es lehrreich“, hatte Jugendhausleiterin Ulrike Paul seinerzeit erläutert. Zusammen mit Mitstreiter Manfred Göbel hatte sie damals das Film-Projekt entwickelt. Die Zeitzeugenaussagen wurden aufgezeichnet und in einem ersten Arbeitsschritt gegeneinander geschnitten.

Die Umsetzung war über das Bundesprogramm „Demokratie leben“ für die Region Elbe-Parey, Jerichow, Genthin gefördert worden. Allerdings nicht nur einmal. „Es ist ein dreiteiliges Projekt, dessen Weiterbearbeitung wir in diesem Jahr erneut finanziert haben, um aus dem bisher vorliegenden Material eine professionelle Dokumentation zu machen“, hatte die Genthiner Demokratie-leben-Koordinatorin Elke Förste vor einigen Wochen im öffentlichen Begleitausschuss erläutert, wo die Finanzmittel für das Bundesprogramm freigegeben worden.

Schlüsselszenen werden nachgestellt

Dort hatte auch Ulrike Paul ausgeführt, was im zweiten Schritt gemacht wird. „Es soll ein Storyboard erstellt werden, auf dessen Grundlage wir Schlüsselszenen finden wollen, die in einem weiteren Schritt für die Erweiterung der Dokumentation nachgestellt werden sollen.“

Dieses sogenannte Re-enactment, also das Nachstellen von Situation zu denen es kein historisches Filmmaterial gibt, ist ein häufig verwendetes Stilmittel in Fernseh-Dokumentarfilmen. Im Falle der Pareyer Dokumentation sollen die Situationen, in denen sich die Flüchtlinge befunden haben, nachvollziehbarer gemacht und plastischer vor Augen geführt werden.

Jugendliche sind sehr engagiert

Fachlich begleitet wird das Projekt unter anderem von Franziska Bredow vom offenen Kanal Stendal und von Lukas Richter, der den viel beachteten Imagefilm für die Genthiner Feuerwehr mitgestaltet hat. Er studiert mittlerweile an der Filmuniversität Babelsberg und sieht in den bereits gedrehten Interviews eine gute Grundlage für die nächsten Produktionsschritte: „Das bisherige Material ist auf jeden Fall für die bevorstehende Dokumentation geeignet.“

In einem Workshop im Jugendhaus waren in einer intensiven Sichtungsarbeit die nächsten Filmdrehs festgelegt worden. Es waren zwar nicht so viele jugendliche Teilnehmer dabei wie vor drei Jahren. Allerdings, hätten die, die da gewesen sind, ein großes Engagement an den Tag gelegt. Schritt für Schritt wurden Szenenfolgen besprochen, nicht nur im Hinblick auf die Notwendigkeit für den Film, sondern auch mit Blick auf die Machbarkeit. Am Ende stand eine in Wort und Bild skizzierte Szenenfolge, also das von Ulrike Paul angesprochenen Storyboard und eine klare Festlegung, dass etwa zwei Szenen pro Zeitzeuge nachgestellt werden sollen.

Wie die zeitliche Abfolge nun aussehen soll, ist noch nicht ganz klar. Filmemacher Richter weiß, es braucht weitere Absprachen. „Als Nächstes wird es nochmal ein Zusammentreffen geben, um die einzelnen Szenen noch einmal genau durchzusprechen und durchzuplanen.“ Richter wird es dann auch in der Hand haben eine grobe Kalkulation zu erstellen, um die Finanzen besser planen zu können und auch erneute Förderungen zu beantragen. Ein grundsätzliches Wohlwollen ist bereits jetzt im Genthiner Begleitausschuss zu spüren gewesen. Dort wolle man sich nach Möglichkeit auch am dritten Arbeitsschritt des Filmes beteiligen.

Schauspieler werden gesucht

Der Drehbeginn für die erweiterten Szenen steht derzeit noch nicht fest. Man müsse ohnehin noch auf Schauspieler- und Teammitgliedersuche gehen, erklärt Lukas Richter, der den professionellen Aspekt der Produktion nicht aus den Augen verliert: „Sicherlich wäre es, vor allem für mich als Regisseur schön, mit professionellen Schauspielern arbeiten zu können, nur müssen wir uns hierbei auch auf das vorhandene Budget fokussieren. Aber ich denke, dass wir da sehr gute Leute finden werden.“

Er könne sich vorstellen, auf Darsteller aus den Amateurtheatern der Region zurückzugreifen. „Dazu wird es dann auch ein großes Casting geben, denn der Unterschied theatralisch und filmisch zu spielen ist enorm.“ Wann die Dokumentation fertiggestellt und zu sehen ist, steht noch nicht fest.