Tucheim l Von einer großen Veränderung im Leben spricht Schulleiterin Cordula Schremmer, als sie die 22 neuen Erstklässler an der Tucheimer Grundschule begrüßt. Von Veränderungen an der Schule können auch viele von deren Eltern, Großeltern und Urgroßeltern berichten, haben sie doch einst selbst das Gebäude besucht.

Viel farbenfroher sei es darin geworden, stimmen die Schwestern Jenny und Maike Steinbach, deren Mutter Simone Steinbach und Oma Renate Nippold überein. Die drei Generationen haben mit Eddie Braun den jüngsten Spross der Tucheimer Familie bei seiner Einschulung begleitet und sich dabei auch ausführlich in ihrer ehemaligen Grundschule umgesehen. Relativ neu seien auch die Schließfächer, in die die Schüler ihre Bücher und anderen Materialien legen können und somit nicht die ganze Zeit mit sich herumtragen müssen.

Generell hat das Gebäude, das 68 Jahre alt ist, in all der Zeit einige Sanierungen erfahren. „Sonst ist aber vieles so geblieben. Die Fließen im Flur kenne ich beispielsweise noch aus meiner Schulzeit hier“, sagt Simone Steinbach. „Sogar die Lernplakate an den Wänden sind gleich geblieben“, erkennt Maike Steinbach und deutet auf die Poster, die beispielsweise die Wortarten wie Substantive und Verben erklären.

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Wünsche der Eltern sind gleich geblieben

So geblieben sind auch die Wünsche, die die Eltern ihren Kindern seit jeher mit auf den Weg geben. „Er soll gut aufpassen und fleißig lernen. Aber er soll auch Spaß an der Schule haben“, wünscht sich Jenny Steinbach für ihren Sohn Eddie.

Unterschiedlich sind hingegen die Lieblingsfächer der Familienmitglieder. Während sich Eddie Braun am meisten auf Deutsch freue, hat seine Mutter am liebsten Geschichte und Biologie gemacht. Seine Oma mochte Chemie, seine Uroma hingegen Mathematik besonders gern. „Nur Sport war ein Grauen“, gesteht Renate Nippold lachend. So gut durchmischt können seine Verwandten Eddie also sicherlich gut helfen, bei all den Fächern, die ihn in den nächsten Schuljahren erwarten.

Individualität im Vordergrund

Seiner Tante Maike Steinbach fällt indes noch eine Veränderung ein: „Die Unterrichtsarbeit ist selbstständiger geworden.“ Generell werde heute mehr Wert auf Individualität gelegt.

Das kann auch eine andere Mutter bestätigen, die ebenso wie nun ihr Sohn die Tucheimer Grundschule besucht hat. „Wir sind noch mit dem Fahnenappell groß geworden und standen dabei alle in Reih und Glied“, sagt Claudia Kühne, die 1987 eingeschult wurde.

Sie könne sich noch sehr gut an ihre Einschulung erinnern und wie ihnen damals feierlich das blaue Halstuch der Jungpioniere überreicht wurde. Eine ältere Freundin habe da bereits das rote Halstuch der DDR-Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ getragen. „War ich also stolz darauf, als ich endlich das blaue Halstuch tragen durfte!“

Probesitzen auf Mamas ehemaligem Platz

Ähnlich stolz zeigt sie nun ihrem Sohn Jakob den Platz, auf dem sie in der ersten Klasse gesessen hat. Der Klassenraum ist schon seit Jahrzehnten für die Erstklässler reserviert, berichtet Schulleiterin Cordula Schremmer. Und wer weiß, vielleicht nimmt Jakob Kühne den ehemaligen Sitzplatz seiner Mutter ein. Probegesessen hat er am Sonnabend auf jeden Fall schon einmal.

Passend zu den vielen Familien, die bereits in der Tucheimer Schule unterrichtet wurden, sagt auch Cordula Schremmer: „Mit den 22 neuen Schülern sind es auch 22 Familiengeschichten, die hier künftig in einem Raum sitzen.“