Genthin l „Ich bräuchte ein Geschenk für einen älteren Herrn. Etwa 30 Euro soll es kosten“. Die Kundin in der „Confiserie Christiane“ hat ihre Schritte ganz gezielt in das kleine Ladengeschäft in der Brandenburger Straße gelenkt. Sie lässt sich von Inhaberin Chistiane Ehlert ein Körbchen mit hochwertigen Leckereien – Schokolade, Likör und Kaffee – zusammenstellen und hübsch verpacken.

So oder ähnlich haben in den vergangenen 25 Jahren unzählige Kundengespräche bei Christiane Ehlert begonnen. Weitergegangen sind sie über den erlesenen Einkaufswunsch der Kunden hinaus zumeist bis in private Einzelheiten des zu Beschenkenden oder der Familie. Das bleibe nicht aus, wenn es gilt, wirklich individuelle Geschenke zusammenzustellen. Aber vor allem ist das wohl auch Christiane Ehlerts fröhlicher Natur und ihrer offensichtlichen Leidenschaft für das, was sie tut, geschuldet. So etwas erwidern Kunden gern mit Vertrauen. Und halten mit der Ladeninhaberin, die stets als Einzelkämpferin hinter ihrer Ladentheke steht, meist mehr als einfach nur leichten Smalltalk.

Sprung in das kalte Wasser

Die Gespräche mit ihren Kunden, erklärt sie, erinnern sie oft an ihre berufliche Zeit als Friseurin. 30 Jahre lang hat sie Genthiner Haarschöpfe in Form gebracht und dabei – das Klischee ist nicht umsonst entstanden – wirklich oft ganz private Dinge von den Kundinnen und Kunden erfahren. Als sich 2005 die Chance ergab, das kleine Confiserie-Lädchen zu übernehmen, sei sie, so sagt sie in einem Gespräch mit der Volksstimme, einfach ins kalte Wasser gesprungen. Sie habe schon länger Lust auf neue berufliche Wege gehabt und dann in ihrer Laden-Nach- barin, die eine Boutique führt, die beste geschäftliche Ratgeberin gehabt, die sie sich habe denken können. Auch das Technologie- und Gründerzentrum (TGZ) habe sowohl mit Unterstützungsgeldern als auch in der Vermittlung von unternehmerischem Know-How mit Rat und Tat zur Seite gestanden.

Bilder

Heute gehört Christiane Ehlert das Haus mit dem Lädchen. Und wenn sie mit leuchtenden Augen sagt „Bald ist Weihnachten, ich liebe das, wenn alles blinkt und glitzert“, dann mag man es fast nicht glauben, dass die 64-Jährige ihre Confiserie, in der es so fein nach Kaffee und Schokolade duftet, zum Jahresende zusperren und sie in Pension gehen wird. „Ich werde mit einem lachenden und einem weinenden Auge aufhören“, weiß sie, denn: „Sie werden mir schon fehlen, die Gespräche mit den Kunden und die hochwertigen Dinge, die ich immer so schön verpacken konnte.“

Das lachende Auge, das hat mit Gundula König-Parisius zu tun. Sie ist die Inhaberin des Fotostudios König schräg gegenüber – ein Familiengeschäft, das sie in dritter Generation führt. Sie wird, so ungewöhnlich das im ersten Moment klingt, einen Teil des Sortiments aus der „Confiserie Christiane“ übernehmen. „So gänzlich weit hergeholt ist das nicht“, sagt sie der Volksstimme. „Es gibt schon Schnittpunkte unserer beider Geschäftsinhalte. Schließlich ist es heutzutage möglich, Fotos auf Schokolade zu drucken.“

Sinnvolle Ergänzung

Aber das ist nicht der eigentliche Grund, warum sie sich für Christine Ehlerts Sortiment stark macht. Zum einen werde es durch den allgemeinen Trend zur Digitalisierung für sie immer schwieriger, vom Fotografengeschäft allein leben zu können. „Wenn künftig die Passfotos in den Ämtern selbst gemacht werden können“, ahnt sie, „fällt auch diese Erwerbsmöglichkeit für uns Fotografen weg“.

Zum anderen möchte sie selbst einen Beitrag dazu leisten, dass es in Genthin nach Christiane Ehlerts Pensionierung auch weiterhin die Möglichkeit gibt, individuell zusammengestellte Geschenke mit hochwertigen Leckereien zu bekommen. Gundula König-Parisius kann sich gut vorstellen, dies auf hochwertige Öle, Essige und Gewürze auszudehnen. Für die Sortimentsübernahme wird sie einen Teil ihres Ladengeschäftes umbauen. Derzeit ist sie dabei, ein neues Logo für ihr erweitertes Sortiment entwerfen zu lassen. Und einen neuen Slogan. „Irgendwas mit Genuss soll es werden“, schwebt ihr vor.

Leer stehen lassen wird Christiane Ehlert, die als Pensionärin mehr mit ihrem Mann gemeinsam unternehmen und sich um die Enkel kümmern möchte, das Geschäft nicht. Vielleicht, überlegt sie laut, lasse sie es zu einer altengerechten Wohnung umbauen.