Kade l An einem Container lehnt eine Eingangstür. „Hier müsst ihr mit der Kettensäge ansetzen“, sagt er und erklärt, „dann bleibt der Schaden an der Tür gering.“ Ortswehrleiter Sven Koch zeichnet mit schnellen Strichen rote Rechtecke auf das Türblatt und nach und nach entsteht ein „Schnittmuster“.

Das Öffnen von Haus- und Wohnungseingangstüren mit Kettensäge und Halligan-Tool, die Handhabung von Trennschleifer, Rettungsschere, Spreizer und Rettungszylinder waren die Themen der Technischen Hilfe-Ausbildung der Freiwilligen Feuerwehr Kade am vergangenen Sonnabend.

Hygienische Auflagen bei Übung

Es ist die erste technische Hilfe-Ausbildung seit der Wiederaufnahme des Übungs- und Ausbildungsdienstes im Bereich der Freiwilligen Feuerwehr und unter Einhaltung hygienischer Auflagen möglich. „Für die Stadt Jerichow haben wir Ortswehrleiter entschieden, mit Beginn des Juni wieder in den Ausbildungsbetrieb einzusteigen“, so Wehrleiter Koch.

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Jeder solle einmal im Jahr die verschiedenen Geräte und Werkzeuge, die auf den Einsatzfahrzeugen mitgeführt werden, bedienen, „um so handhabungssicher zu sein“. Im Stationsbetrieb mussten dann die Kameraden, nach einer theoretischen Unterweisung, Schritt für Schritt das Gehörte und Gesehene anwenden.

Dazu gehöre auch, mit der Kettensäge an einer Wohnungstür präzise Schnitte zu setzen. Es muss nicht immer gleich die gesamte Tür aufgehebelt werden, erklärt Koch. Oftmals sei es möglich, durch das Sägen einer kleinen Öffnung das Türschloss zu erreichen und dann könne sich durch einen Handgriff an das Schloss Zugang verschafft werden. An Hand der Schließmechanismen muss aber der Angriffspunkt für die Kettensäge festgelegt werden und die sind nach Bauart verschieden. Wichtig sei, betont Koch, dass über ein kleines Schnittfenster erst einmal gesichtet wird, „liegt da vielleicht jemand hinter der Tür“.

Wenn mit der Kettensäge einfach ein hineingeschnitten werde, richte der Kamerad vielleicht mehr Schaden als Nutzen an. Es gibt Motorketten, so Koch weiter, die hätten einen Anschlag, „doch bei uns gibt es das nicht und wir müssen mit dem auskommen, was wir haben“.

Arbeit oft unter Zeitdruck

Das sei auch ein Zweck der Ausbildung, die Werkzeuge so zu beherrschen, dass damit auch schwierige und unvorhergesehene Situationen bewältigt werden können. „Meist sind die Einsatzlagen unübersichtlich und wir müssen unter Zeitdruck helfen – da gilt es schnell die richtigen Entscheidungen zu treffen“, betont der Wehrleiter und merkt auf, „Mit Kettensäge, Trennschleifer oder Brechwerkzeugen kundig umzugehen, gehört dazu.“

An der zweiten Station übten die Kader Kameraden unter den kritischen Augen von Sebastian Wustrau das Freischneiden und Bergen von einer, in einem Pkw eingeklemmten, Person. Die Übungsbedingungen sind optimal, sagt Wustrau mit einem Augenzwinkern – schwüles, heißes Wetter verlangte den 17 Männern in ihren Feuerwehrschutzanzügen mit Helm und Handschuhen alles ab.

„Dazu kommt, dass wir im Einsatz unter den Schutzhandschuhen noch Einweghandschuhe tragen, falls wir sofort Erste Hilfe leisten müssen.“ Das Wetter können wir uns auch im Einsatz nicht aussuchen, so der Gruppenführer weiter und so seien Lage und Szenario realistisch. „Wir haben dieses Mal direkt zum Schrotthandel und Containerdienst von Ronald Dieckmann verlegt“, informiert Sebastian Wustrau.

Genthiner stellt Autos und Gelände

Bisher stellte der Genthiner Dieckmann immer alte Autos und Stahlträger zur Verfügung. Der Unternehmer lieferte an und in Kade selbst konnten die Kameraden an den Schrottkisten nach Herzenslust schneiden, spreizen und trennen. Doch damit verbunden war immer der Transport und das penible Säubern des Ausbildungsplatzes von Glasscherben und Metallresten. Diese Sorgen konnte ihnen Dieckmann auf seinem Gelände abnehmen.

An einem alten Golf setz Phil Pflaumbaum die 18 Kilogramm schwere Hydraulikschere an und zertrennt die A-Säule. Unter der Anleitung von Björn Weslin setzt er danach den Rettungszylinder auf einen vorgefertigten Anschlag und drückt damit den Motorraum des Pkw nach vorn: „Jetzt haben wir Platz geschaffen und könnten die Person aus dem Fahrzeug bergen.“

Vorsicht vor Kabeln

Wenslin weist auf die Tücken beim Freischneiden hin: in den Schweller sind oftmals Kraftstoffleitungen verlegt. Besonders kniffelig sei es, wenn an einem Elektroauto geschnitten werden muss: „Da muss der Kamerad wissen, wo die spannungsführenden Kabel verlegt sind.“

In der theoretischen Ausbildung wies Sebastian Wustrau auf den Eigenschutz beim Freischneiden hin und wie mit einer durchdachten Vorgehensweise die Gefahren für die Feuerwehrkameraden minimiert werden kann. Es sollte der Spreizer so angesetzt werden, dass keine scharfen Kanten entstehen können.

Beim Schneiden mit der Hydraulikschere ist die Position des Schneidenden entscheidend: „Steht etwas unter Spannung, muss der Kamerad sich in Sicherheit bringen könne.“

Pflicht ist Beseitigung von Scherben

Bei einer technischen Hilfeleistung an einem Pkw gehört auch das Beseitigen der Glasscherben zu den zwingenden Aufgaben. Die übernahm Maschinist Winfried Wenslau und erklärt dazu: „Schere und Spreizer bekommen durch eine Hydraulikpumpe über flexible Schläuche ihre Kraft.“

Um die Schläuche nicht zu beschädigen, muss immer darauf geachtet werden, dass diese nicht knicken oder über scharfe Gegenstände wie Glasscherben gezogen werden. „Wir sind froh, den Ausbildungsdienst wieder aufnehmen zu können“, fasst Sven Koch zusammen und betont, „nur ein gut ausgebildeter Feuerwehrkamerad kann schnell und sicher anderen helfen.“

Zudem sei Ausbildungsdienst gelebter Gemeinschaftssinn. Die Freiwillige Feuerwehr Kade besteht aus 25 Frauen und Männern.