Burg l Zwei Elbseiten, sechs Parteien an einem Tisch – das sei keine einfache Situation gewesen, schilderte Landrat Steffen Burchhardt (SPD) am Montagabend den Mitgliedern des Kreis-Ausschusses für Bau, Wirtschaft und Verkehr die Schwierigkeit, eine Lösung für die Fähre Ferchland-Grieben zu erarbeiten. Nun bekam der Ausschuss vorgelegt, was Burchhardt mit seinem Stendaler Amtskollegen Patrick Puhlmann (SPD) sowie den Bürgermeistern Nicole Golz (Elbe-Parey), Harald Bothe (Jerichow), Andreas Brohm (Tangerhütte) und Jürgen Pyrdok (Tangermünde, alle parteilos) ausgetüftelt hatte. Beim künftigen Betrieb soll das Defizit, gerechnet wird mit 40.000 Euro pro Jahr, unter den sechs Partnern aufgeteilt werden. Die beiden Landkreise steuern jeweils 10.000 Euro bei, die vier Gemeinden sind mit je 5000 Euro dabei. Im vergangenen Sommer hatte die Gemeinde Elbe-Parey als Betreiber den Fährbetrieb eingestellt, nachdem der Rat beschlossen hatte, dass das Defizit nicht mehr zu stemmen sei. Die Finanzierungsvereinbarung soll zunächst für fünf Jahre gelten.

Motorbetrieb würde Defizit erhöhen

Voraussetzung ist, dass das Land den Umbau des Fahrzeugs zur Gierseilfähre finanziert. Für die Kosten von etwa 100.000 Euro hat Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) bereits Zustimmung signalisiert. Allerdings müssen die Fähranleger auch umgebaut werden. Laut einem unverbindlichen Angebot der Firma Hydro-Wacht schlägt dies mit weiteren rund 550.000 Euro zu Buche. „Natürlich muss die Leistung dann ausgeschrieben werden“, betonte Burchhardt. Dann müsste das Land diesen Posten aber erst in seinem Haushalt für das kommende Jahr einstellen. Der Umbau der Fähranleger muss bei Niedrigwasser, also im Hochsommer, erfolgen. Damit rechnet Burchhardt für das Jahr 2023, die Fähre könnte dann Ende des Jahres wieder übersetzen. Sollte sie zwischenzeitlich nicht als Motorfähre weiterbetrieben werden, müssten sich die Fahrgäste noch fast drei Jahre gedulden. „Die Entscheidung ist noch nicht gefallen, allerdings würde der Betrieb mit einem Motor das Defizit verdoppeln“, erläuterte Burchhardt.

Neues Fährpersonal wird gebraucht

Betreiben soll die Fähre die kreiseigene Nahverkehrsgesellschaft Jerichower Land (NJL). „Als Transportunternehmen ist sie dazu in der Lage“, ist der Landrat überzeugt. Allerdings steht NJL-Geschäftsführer Thomas Schlüter vor dem Problem, Personal finden zu müssen. Die bisherigen Fährleute stehen nicht mehr zur Verfügung. Es müssten für das Fährpatent zwar bestimmte Anforderungen erfüllt werden, beispielsweise 180 Tage Deckszeit auf einem Schiff, diese seien aber auch nicht utopisch.„Das klingt doch sehr positiv, praktikabel und machbar“, meinte Mario Langer (Die Linke). Der Einschätzung schloss sich Philipp-Anders Rau (AfD/FW Endert) an. Er lobte die kostengünstige Lösung g und hielt es für eine „sehr gute Idee“, die NJL als Betreiber einzubeziehen. „Das ist ein deutliches und wichtiges Signal. Wir sind jetzt auf einem guten Weg, die Fähren im Norden Sachsen-Anhalts zu sichern“, meinte Jens Hünerbein (parteilos). Das Land habe mittlerweile auch die Bedeutung der Fähren wahrgenommen. Hünerbein zeigte sich optimistisch und wollte wissen, ob es denn bei der Zahlung von 10.000 Euro bleibe, selbst wenn das Defizit geringer ausfalle, gar ein Überschuss erzielt werde. Zunächst sollten dann Rücklagen gebildet werden, so der Landrat, letztlich bleibe aber der Impuls für die NJL, den Fährbetrieb attraktiv zu gestalten.

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