Genthin l „Der Fördermittelgeber hat kein Signal gesendet, nicht an dem Projekt festzuhalten“, machte Baufachbereichsleitern Dagmar Turian am Montag deutlich. Es bleibe beim Ziel, die Arbeiten am Turm im kommenden Jahr zu beginnen und die Sanierung nach einem Jahr abzuschließen.

Antrag auf Akteneinsicht

Damit versuchte sie, die in der öffentlichen Diskussion geschürten Zweifel an der kommenden Wasserturmsanierung zu zerstreuen. Ob es ihr mit den detaillierten, zeitweise fast emotionalen Ausführungen in der jüngsten Bauausschusssitzung gelungen ist, wird sich zeigen. Denn auch wenn die Ausschussmitglieder nahezu unisono bestätigten, immer gut informiert und einbezogen worden zu sein, scheint dies nicht bei jedem Genthiner Stadtrat der Fall zu sein.

Während seine CDU-Parteikollegen im Fachausschuss Norbert Müller und Gerd Mangelsdorf keine Kritik äußerten, pochte der CDU-Fraktionschef Klaus Voth in der vergangenen Woche auf eine Auskunftspflicht der Verwaltung und stellte einen Antrag auf Akteneinsicht zum Thema „Wasserturm“, hier insbesondere in ein kommunales Schreiben der Stadtverwaltung an das Landesverwaltungsamt vom September. Denn das hatte um eine Stellungnahme gebeten, da es eine Neuordnung von Fördermitteltöpfen gegeben hatte und davon auch die Finanzierung der Wasserturmsanierung betroffen war.

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Stadtrat recherchiert selbst

Hintergründe zu diesem Schriftverkehr hatte vor wenigen Wochen Stadtrat Alexander Otto (CDU) an seine Stadtratskollegen weitergeleitet. Er sah sich mehrfach von der Verwaltung nicht gut informiert, Fragen zum Wasserturm nicht ausreichend beantwortet, sodass er als Mitarbeiter des Bundestagsabgeordneten Manfred Behrens (CDU) selbst mit der Recherche begann.

Fakt ist: Der Stadt Genthin war im Jahr 2017 eine 100-prozentige Förderung aus dem Programm „Stadtumbau“ von Bund und Land zugesagt worden. Die Kosten waren damals mit 1,22 Millionen Euro veranschlagt worden. Im Zuge der Ausschreibungen erhöhte sich der Finanzbedarf auf 2,1 Millionen Euro. Die fehlende Summe beantragte die Stadt zusätzlich. Durch das Landesverwaltungsamt gab es Anfang dieses Jahres eine baufachliche Prüfung, in deren Ergebnis für die Sicherung und Sanierung des Wasserturms etwa 1,6 Millionen Euro als angemessen erachtet wurden.

Diese Neuberechnung geschah auch im Zuge einer Neuausrichtung der Fördertöpfe im Land. Die Stadt Genthin ist nun in das Programm „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“ überführt worden. Aus diesem werden zu 100 Prozent aber nur Sicherungsmaßnahmen an der Gebäudehülle finanziert, nicht aber eventuelle Maßnahmen im Innenbereich. Diese müssten über eine weitere Förderung, die zu je einem Drittel von Bund, Land und Kommune getragen wird, finanziert werden.

Keine Innensanierung

Diese Hintergründe erläuterte auch Dagmar Turian im Bauausschuss, wies aber darauf hin, dass man bei einer nach wie vor zugesagten 100-prozentigen Förderung auch den Innenbereich eingeschlossen sehe, denn: „Wir müssen im Zuge der Außensanierung, innen etwa Wände abschlagen oder Fußböden entfernen, um Teile der Außenhülle sanieren zu können, diese wollen wir dann auch wieder herrichten wie vorher.“

Das sei für sie keine Innensanierung, sondern eine Wiederherstellung des vorherigen Zustandes. Deutlich wies sie Hinweise des Grünen-Fraktionschefs Lutz Nitz zurück, wonach die Bauarbeiten an der B 107 zu Schäden am Wasserturm geführt hätten. Nitz hatte gesagt: „Ich bin entsetzt, wie groß der nun festgestellte Schaden am Turm ist“ und gefordert, dass geprüft werden müsse, woher diese rührten.

Starke Schäden an Bauwerk

In der vergangenen Woche hatte die Volksstimme über Arbeiten am Sicherheitsnetz am Wasserturm berichtet und dabei verdeutlicht, dass etwa einen halben Kubikmeter Beton- und Putzteilchen von Industriekletterern aus dem Auffangnetz geholt worden seien. Wobei das schwerste geborgene Teil 25 Kilogramm wog. Damit stellten sich die Abplatzungen wesentlich umfangreicher dar als bei vorangegangenen Inspektionen. „Es ist ein 85 Jahre altes Gebäude, das dringend saniert werden muss, um es als Wahrzeichen zu erhalten“, rief die Baufachbereichsleiterin in Erinnerung. „Solche Schäden treten aufgrund des Alters auf, nicht durch Abfräsarbeiten einer Straße.“

Ähnlich äußert sich auf Volksstimme-Nachfrage auch Andreas Boehle, Fachbereichsleiter Planung und Entwurf bei der Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt: „Es wurden für die Straßenbauarbeiten die üblichen Maschinen wie die Asphaltfräse und der Asphaltfertiger-Komplex eingesetzt, insoweit kam keine besonders schwere Technik zum Einsatz, die Schäden am Wasserturm nach sich ziehen könnte.“