Jerichow l Es war ein herzlicher und doch ungewöhnlicher Abschied: Christina Lehmann setzte ihre Segel in Richtung Renteneintritt in kleiner Runde. In gebührendem Abstand gratulierten Bürgermeister Harald Bothe und Cornelia Unger, verantwortlich für die Kindertagesstätten und Schulen der Einheitsgemeinde Jerichow. Gleichzeitig übernahm Yvette Marquardt den Staffelstab und damit die Leitung der Kita „Wirbelwind“.

Die neue Leiterin ist keine Unbekannte für die Jerichower. Yvette Marquardt sieht sich in ihrer Position als „erste Erzieherin“ und weniger als Chefin: „Hier möchte ich als Leiterin ansetzen, schenken und einladen.“ Es gehe ihr um das Lösen von Problemen und nicht in dem Verharren darin. Sie freue sich, wie sie sagt, auf ihr Team aus kompetenten Mitarbeitern, auf energiegeladene, neugierige Kinder und anspruchsvollen Eltern.

Am Bundesprogramm teilgenommen

Seit Januar 2014 arbeitet Marquardt bei der Einheitsgemeinde Stadt Jerichow. Erst drei Jahre als Horterzieherin in Schlagenthin, um dann im Sommer 2017 nach Jerichow in die Kita wechseln. „Dort habe ich mich ab Oktober dann über das Bundesprogramm „Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ zur Fachkraft für Sprache und Integration weitergebildet“, erzählt die neue Leiterin und führt aus, „Frau Lehmann hat mich damals gefragt, ob ich es mir vorstellen könnte die Stelle von der vorherigen Fachkraft Anja Lücke zu übernehmen.“ Und Yvette Marquardt wurde gefragt, „ob ich die Leitungsstelle übernehmen möchte“.

Das war vor zwei Jahren. Zeit genug für Ivette Marquardt, sich einzuarbeiten und über das Sprachprojekt gruppenübergreifend und sowohl teambegleitend zu arbeiten. Durch diese Aufgabe erhielt sie, wie sie sagt, jede Menge neuer Impulse, die ihr die Vorbereitung auf die anstehende Leitung leichter gemacht haben und nennt dazu die Zusammenarbeit im Team und den Eltern.

Durch das Projekt schaute Marquardt verstärkt auf die vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung als ein frühpädagogischer Ansatz, bei der es darum geht, sich der Ursachen und Wirkungen von Vorurteilen und Diskriminierung in Kita bewusst zu werden und pädagogische Praxis gezielt zu verändern. Damit gemeint sind Vorurteile und Abwertungen aller Art, die an den unterschiedlichen Merkmalen von Menschen festgemacht werden: an Hautfarbe, Herkunft, Sprache wie auch Religion, Geschlecht, sozialer Schicht, sexueller Orientierung, Alter, Behinderung, die ich anbringen und umsetzen konnte.

Zugewandte und feinfühlige Atmosphäre

Marquardt ist überzeugt davon, dass Kindertageseinrichtungen als Orte der Begegnung und Beziehung eine wohlwollende, zugewandte Atmosphäre und wertschätzende, feinfühlige Beziehungen gelebt werden soll. „Ich denke, dass diese Betonung des liebevollen Umgangs miteinander, untrennbar in der Arbeit der Kita verankert ist“, bekennt die neue Leiterin.

Blickt sie zurück, haben in den letzten 15 Jahren viele Veränderungen in den Kitas stattgefunden. Sowohl die inhaltliche Gestaltung und auch von Seiten des Teams. Hier wird mittlerweile ein hohes Maß an Veränderungsbereitschaft vorausgesetzt und das fängt bei der Kita-Leitung an. „Die stehe im Zentrum des Wandels, denn die Aufgabe ist, den Spagat zwischen Betreuung der Kinder, dem Umsetzen der Bildungsziele und den Erwartungen der Eltern in den vorgegebenen Rahmenbedingungen des Trägers zu leisten“, fasst Marquardt zusammen. Hier möchte sie den Fokus auf die Gegenwart und die Zukunft legen, ermutigen und inspirieren. „Die Voraussetzungen mit diesem Team in Jerichow sind auf jeden Fall dafür gegeben und sind eine unheimliche Bereicherung für meine Arbeit“, freut sich die Yvette Marquardt auf die kommende Zeit. Übrigens – die Abschiedsfeier soll, sobald sich die Situation wieder normalisiert, nachgeholt werden, verspricht Marquardt im Namen des Teams, denn „Träume gehen nie in Rente“. Und dazu gehört eine schöne Zeremonie zum Abschluss eines rastlosen Arbeitslebens.

Für Christina Lehmann ging hingegen ein erfüllten Arbeitsleben zu Ende, voller Umbrüche und neuer Anforderungen – auch an sich selbst. Zahlreiche Kinder begleitet sie auf ihren ersten Schritten in das Leben, abseits von Mama und Papa.

Viele ihrer einstigen Schützlinge kommen auch heute noch mit ihr ins Gespräch und erinnern sich an Tage mit viel Spiel, Freude und Abenteuer. Ein Motto hat sich die Genthinerin auf die Fahne geschrieben und das nicht erst seit kurzem: „Träume gehen nie in Rente“. Und davon habe sie noch jede Menge. Jetzt will sie erstmal den Ruhestand auf sich wirken lassen und „dann sehe sie weiter“. Auch wenn der Abschied entgegen der Planung bedeutend kleiner ausfiel, so wurde Christina Lehmann mit einem Gemeinschaftskinderwagen über die Stationen ihres jahrzehntelangen Wirkens gefahren. „Es rührt mich – doch jetzt ist Schluss“, so Lehmann und bekennt, „ich hatte eine schöne Zeit mit einem wunderbaren Team.“