Genthin l „Es kriegt Farbe“, freut sich Jürgen Wagner, Chef des Genthiner Amateurtheaters (gat), als er am Dienstag gegen 19 Uhr die Probe zum diesjährigen Weihnachtsmärchen für beendet erklärt und dabei von seinem „Regisseur-Sessel“, einem schlichten Stapelstuhl, aufspringt. Seit September wird durchgängig montags bis donnerstags ab 17 Uhr im Kreishaus an der Inszenierung gefeilt.

49. Spielzeit

Das Team um Jürgen Wagner hat sich in seiner 49. Spielzeit für „König Drosselbart“, ein Bühnenmärchen aus der Feder von Gernot Bischoff nach den Brüdern Grimm, entschieden. Die Truppe hat sich mit diesem Stück für den Favoriten von Wagner entschieden und damit auch „Dornröschen“ abgewählt. Nicht allein deshalb, weil „König Drosselbart“ vom gat bisher noch nicht auf die Bühne gebracht wurde.

Das Märchen in der Bearbeitung von Gernot Bischoff, erklärt Jürgen Wagner, hebe besonders darauf ab, dass Darsteller und Publikum in eine Art Dialog treten. Die lautstarke, spontane Reaktion der Zuschauer auf das Spiel auf der Bühne, zum Beispiel Zu- oder Zwischenrufe, ist berechnendes Kalkül des Autors. Das verlange seinen Amateurschauspielern Einiges ab, räumt Wagner ein. „Das ist auch für uns etwas Neues, an dem wir uns ausprobieren wollen.“

30 Darsteller im Einsatz

In dieser Saison könne das Ensemble ein solches Stück, bei dem 30 Darsteller zum Einsatz kommen werden, noch stemmen. In der nächsten Spielzeit, dann wird es die 50. sein, werde die Stammbesetzung durch den Weggang von Abiturienten personell geschwächt sein, gibt der Regisseur zu bedenken. Bevor sich dieses Problem erst in der Zukunft auftut, muss das Ensemble jedoch bekanntermaßen ganz alltägliche, reale Schwierigkeiten meistern.

Denn ein glückliches Happy-End, wie beim Weihnachtsmärchen obligatorisch, steht für das gat und seine Spiel- und Probenstätte Stadtkulturhaus weiterhin in den Sternen. Nach der Kündigung der Räumlichkeiten durch die QSG, als eine Reaktion darauf, dass die Stadt die übliche Bezuschussung für die Unterhaltung des Stadtkulturhaus nicht gezahlt hat, probt neben dem Genthiner Carnelvalsverein (GCC) auch das gat im Kreishaus.

Jürgen Wagner ist skeptisch, ob die Freigabe der ausstehenden Zahlung der Stadt an die QSG durch einen bestätigten Haushalt tatsächlich für die betroffenen Vereine den erhofften Befreiungsschlag bringt. Für diese Spielzeit keinesfalls.

Erstmalig wird das gat am Tag der Premiere, am Sonnabend, 30. November, auf der Bühne des Stadtkulturhauses, zunächst zur Generalprobe, stehen.

Klebestreifen fürs Bühnengefühl

Ein bisschen Bühnengefühl hat das Amateurtheater provisorisch in die Räumlichkeiten des ehemaligen griechischen Restaurants zaubern können, indem die Fläche der Bühne durch Klebestreifen auf den Parkettfußboden übertragen wurde, um zumindest eine räumliche Vorstellung bei den Darstellern für die Spielfläche zu erzeugen.

Sämtliche Kulissen wurden für die Proben ins Kreishaus geräumt. Das Ausweichen in das Kreishaus als Probenstätte würde vor allem für die Techniker einen enormen Mehraufwand mit sich bringen, meint Jürgen Wagner. Problematisch sei auch die Bereitstellung von Kostümen, die zwischen dem Fundus im Stadtkulturhaus und der Probenstätte im Kreishaus hin- und her transportiert werden müssten, erklärt der Regisseur. Da einige Darsteller zum Teil auch mehrere Rollen übernehmen, werde allein schon das Umziehen im Kreishaus zu einer logistischen Herausforderung. „Die Proben im Kreishaus sind für uns deshalb sehr aufwändig“, sagt der Ensemble-Chef, der trotzdem das Angebot des Landkreises, das Kreishaus zu nutzen, zu schätzen weiß.

Kosten werden sich erhöhen

Unterm Strich, deutet er an, werden sich die Kosten für die diesjährige gat-Märchenproduktion nach der Kündigung durch die QSG wesentlich erhöhen. Die Einmietung des gat in das Stadtkulturhaus sei für das Amateurtheater teuer gegenüber den bisher üblichen Konditionen geworden. Jürgen Wagner schließt die Erhöhung der Ticketpreise, die derzeit mit fünf Euro für Erwachsene und 2,50 Euro für Kinder moderat sind, nicht mehr aus.