Städte Jerichow und Genthin wollen den Landesbetrieb Bau unterstützen, damit der Radweg schneller kommt

"Geben Sie uns das Geld, und wir machen es!"

Von Sigrun Tausche 25.10.2013, 03:13

Nächstes Jahr soll es losgehen mit dem Radwegbau zwischen Jerichow und Genthin, und es soll möglichst auch die gesamte Strecke geschafft werden - das ist das Ziel der beiden Kommunen. Um dieses Ziel zu erreichen, fand gestern in Jerichow noch einmal ein Treffen aller Beteiligten statt.

Jerichow/Genthin l "Für uns ist dieser Weg sehr wichtig, und wir haben jetzt das große Glück, dass wir dafür ein zusammenhängendes Grundstück erwerben können, wo auch der Schotter von den Bahngleisen noch drin ist", eröffnete Jerichows Bürgermeister Harald Bothe die Gesprächsrunde.

Für den Abschnitt zwischen Genthin und Redekin sei auch alles schon soweit klar, betonte Lothar Krause, Fachgruppenleiter Planung beim Landesbetrieb Bau (LBB). Zwischen Redekin und Jerichow allerdings führt die alte Bahntrasse nur teilweise neben der Bundesstraße 107 entlang und biegt dann in den Wald ab.

Gebaut werden soll aber weiter neben der Straße bis etwa Höhe Ortseingang, wie die schmale Straße "Am Friedhof" in die B 107 mündet, erklärte Bothe. Dort können Radfahrer dann rechts in die Stadt abbiegen oder links Richtung Alte Elbe, wo ein asphaltierter Weg um die Stadt herum bis zum Kloster führt.

Hier tut sich schon eine bürokratische Hürde auf: "Das Land darf nur Flächen kaufen, die es für Baumaßnahmen braucht, keine anderen", sagte Marita Schiller, Fachbereichsleiterin für Grundstücksangelegenheiten beim LBB. Das heißt, dass nach dieser Regelung der komplette Abkauf der alten Bahntrasse durch das Land mit anschließendem Flächentausch eines Teilstücks nicht möglich wäre. Die Kommune, in diesem Fall Jerichow, müsste einspringen und dann die entsprechende Fläche an das Land weiterverkaufen.

Harald Bothe signalisierte, alles tun zu wollen, was nötig ist, um den Radwegbau ohne weitere Verzögerung voranzubringen, auch wenn er eine solche Regelung nicht verstehen könne. Thomas Barz reagierte schärfer: "Für die Kommune würden unnötig doppelte Notarkosten und Grunderwerbssteuer anfallen. Das kann nicht wirtschaftlich sein. Da würden wir in Erklärungsnot gegenüber dem Rechnungsprüfungsamt kommen!" Umso mehr wäre das der Fall, als es sich nur um einen kleinen Teil der Strecke handelt und somit auch nur um maximal 1 000 Euro Kostenanteil.

Marita Schilling konnte sich diesen Argumenten nicht verschließen, betonte aber, dass sie an die Dienstanweisung gebunden sei. Jedoch werde sie beim Land an der zuständigen Stelle Rücksprache nehmen und versuchen, bis Ende nächster Woche eine Klärung im für die Kommunen positiven Sinne zu erreichen.

Schotterflächen: Baugrund oder "ökologisch wertvoll"?

Eine nächste Hürde scheint sich bezüglich der naturschutzrechtlichen Genehmigung aufzutun. Lothar Krause teilte mit, dass er eine Mitteilung von der Umweltbehörde bekommen habe, dass die Schotterflächen der ehemaligen Bahntrasse ökologisch wertvoll seien, weil sich hier Kleintiere verkriechen können. Sie dürften deshalb nicht ohne weiteres versiegelt werden. Mindestens seien Flächen für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen erforderlich, und solche seien kaum noch zu finden.

Diese Aussage traf auf mindestens genauso viel Unverständnis bei den Vertretern der Kommunen. "Das ist doch Irrsinn! Wenn ich Schotter wegnehme, gilt das als Entsiegelung, und es gibt Öko-Punkte dafür!" Außerdem habe er diesbezüglich schon Gespräche mit zuständigen Mitarbeitern der Kreisverwaltung gehabt, von denen es positive Signale gab.

Bleibt noch ein letztes Problem: "Wir haben nächstes Jahr nur die Kraft, den Abschnitt zwischen Genthin und Redekin zu bauen", erklärte Hartmut Pöhlert, beauftragter Regionalbereichsleiter beim LBB. Soll heißen, dass nicht unbedingt das Geld, sondern vor allem auch fehlende Leute der Hinderungsgrund sind.

Das trifft weder bei Bothe noch bei Barz auf Zustimmung. "Geben Sie uns das Geld und wir machen es", sagte Barz, und Bothe fügte an: "Wir wollen Sie gerne unterstützen, denn wir wollen den Radweg!" Die Bürgermeister wären bereit, als Kommune die Planung zu beauftragen, damit zügig und möglichst in einem Stück gebaut werden könnte.

Radweg ist für Anwohner und Tourismus dringend notwendig

Thomas Barz unterstrich die regionale und touristische Bedeutung dieses Wegs, der durchaus nicht nur für direkte Anlieger von Interesse sei. "Wir hätten damit vom Bahnhof Genthin eine durchgängige Verbindung zum Kloster Jerichow und zum Elberadweg. Das ist besonders im Hinblick auf die BUGA im Jahr 2015 wichtig."

Und es wäre wünschenswert, wenn der Weg bereits im Herbst 2014 komplett fertig wäre, weil dann anlässlich der Landesliteraturtage in Genthin Literaturreisen auf dieser Trasse auch per Fahrrad angeboten werden könnten, mit Lesungen in Genthin und Jerichow.

Ein großes Dankeschön sprachen beide Bürgermeister dem Verkäufer des größten Teils der ehemaligen Gleisflächen, Frank Groschupff von der Eisenbahn-Handelsgesellschaft, aus. Schließlich hätte er Teilflächen auch an jemand anders verkaufen können - Interessenten gab es wohl. Zudem würden die Flächen für einen relativ geringen Preis abgegeben, und das sei wirklich ein Glück für das Radweg-Projekt.