360 Unterschriften nötig

Genthiner Vereine und Veranstalter starten Protestaktion gegen Mehrzweckhallen-Beschluss

Genthiner Vereine wollen den Beschluss zur Finanzierung des Umbaus der Sporthalle Berliner Chaussee zur Mehrzweck-Arena kippen. Deshalb starten sie heute eine groß angelegte Protestaktion. Allein 360 Unterschriften brauchen sie, um mit einem Einwohnerantrag den Beschluss auf den Prüfstand stellen zu können.

Von Susanne Christmann
Genthins Vereine wollen keine Mehrzweckhalle. Sie wollen, dass das Stadtkulturhaus als Veranstaltungsort wie gehabt für sie erhalten bleibt.
Genthins Vereine wollen keine Mehrzweckhalle. Sie wollen, dass das Stadtkulturhaus als Veranstaltungsort wie gehabt für sie erhalten bleibt. Foto: Susanne Christmann

Genthin - Das Ziel der in einer Initiative zusammengeschlossenen Genthiner Vereine und Veranstalter ist klar. Sie wollen den jüngsten Beschluss des Stadtrates, den Umbau der Sporthalle an der Berliner Chaussee zur Sport- und Kulturarena zu finanzieren, zu Fall bringen. Unabhängig davon, was bei dem für den nach Redaktionsschluss anberaumten Gesprächstermin mit dem Bürgermeister am gestrigen Abend im Lindenhof herausgekommen ist. Denn die „Folgen des Beschlusses des Stadtrats vom 20. Mai zur weiteren Nutzung des Stadtkulturhauses bringen die Kulturszene der Stadt und der Region Genthin in arge Bedrängnis“, heißt es in einem Schreiben der Initiative.

Das Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt böte nämlich die Möglichkeit, Einwohneranträge für oder gegen Beschlüsse des Stadtrates zu stellen. Also werden die Vereine der Initiative diese Möglichkeit nutzen, damit das Thema Stadtkulturhaus im Stadtrat schnellstmöglich noch einmal beraten wird. Den Mitgliedern der Initiative ist bewusst, dass die Zeit drängt. Immerhin gilt es, 360 Unterschriften für das Anliegen zusammen zu bekommen, und zwar bis Mitte Juni. Dann sollen die Unterschriften an die Kommune übergeben werden.

Heute und auch noch am Sonnabend sind deshalb Mitglieder der Vereine in Genthin auf dem Marktplatz und vor den Lebensmittelmärkten unterwegs, um Unterschriften zu sammeln. Danach soll die Unterschriftenaktion individuell und über einige Einzelhändler in der Innenstadt auch in der kommenden Woche fortgeführt werden. Die Unterschriftenaktion wird flankiert von Protestkarten. Hier können sich Genthiner, die die Vereine unterstützen wollen, zu dem Satz bekennen „Ich bin für den Erhalt des Stadthauses und gegen die Finanzierung einer Mehrzweckhalle“. Diese Karten liegen an verschiedenen Stellen in der Innenstadt aus, werden gesammelt und dann dem Bürgermeister und dem Stadtrat übergeben. Schließlich werden auch (analoge) Banner und Plakate in der Innenstadt auf die Protestaktion aufmerksam machen.

Ihrer Not sind sich die Vereine und Veranstalter bewusst geworden, als Lars Bonitz, Geschäftsführer der das Stadtkulturhaus betreibenden Qualifizierungs- und Strukturförderungsgesellschaft (QSG), kurz nach dem Mehrzweckhallenbeschluss signalisiert hatte, dass er den Betrieb des Stadtkulturhauses zum 31. Dezember 2021 einstellen werde. Das wäre für die Vereine nur dann akzeptabel, wenn wie eigentlich beabsichtigt, die Stadt das Haus ab dem 1. Januar 2022 wieder selbst hätte betreiben wollen.

Mit der vom Stadtrat beschlossenen Variante aber würden den Vereinen und Veranstaltern ab dem 1. Januar 2022 notwendige Räume für größere Veranstaltungen wie Jugendweihefeiern, Karnevalsveranstaltungen, Märchenaufführungen, Veranstaltungen von Sportvereinen und Konzerte fehlen. Räume für Garderoben, Küche und Catering, Kulissen, Kostüme und Instrumente, heißt es in dem Schreiben der Initiative, stünden woanders nicht zur Verfügung. Nur das Stadtkulturhaus erfülle alle Anforderungen, die an eine Kulturstätte gestellt würden - mit Zugangs- und Fluchtwegen, sanitären Anlagen, Lager- und Nebenräumen, Küche und Catering-Bereich und nicht zuletzt mit einer nutzbaren Bühne für Veranstaltungen jeglicher Art.

Die Vereine und Veranstalter sehen bei dem angestrebten Umbau der Sporthalle an der Berliner Chaussee zudem zu hohe Investitions- und Folgekosten. Wobei sie davon ausgehen, dass in dieser Halle nicht annähernd ähnliche Bedingungen wie im Stadtkulturhaus geschaffen werden könnten. Schließlich wäre ein kulturelles Leben nach dieser beschlossenen Variante in hohem Maße abhängig von wirtschaftlichen Interessen privatwirtschaftlich geführter Einrichtungen, die nach Beschlusslage von den Vereinen mit genutzt werden sollten.

Wer die Genthiner Vereine und Veranstalter unterstützen will, schickt solch' eine Protestkarkte an den Bürgermeister und den Stadtrat.
Wer die Genthiner Vereine und Veranstalter unterstützen will, schickt solch' eine Protestkarkte an den Bürgermeister und den Stadtrat.
Foto: Christian Greuel