Genthin l Nach der Gesprächsrunde mit Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) und Vertretern der Johanniter ziehen die Fraktionsvorsitzenden der im Stadtrat vertretenen Parteien Bilanz und sagen, auf welchem Weg sie Genthin in der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung sehen und wie sie den Verlauf der Veranstaltung bewerten. „Ich hatte den Eindruck, dass die Genthiner mehr von der Gesprächsrunde erwartet haben“, meint etwa Klaus Voth, Fraktionsvorsitzender der CDU im Stadtrat.

Vorsichtig optimistisch

Er sieht es als positives Signal, dass die Fraktionen mit Stadtverwaltung und Johannitern im Gespräch bleiben wollen. „Es ist gut, wenn man nun nach einer Lösung im Hinblick auf die Angebote zur Gesundheitsversorgung sucht.“

Nicht zufrieden zeigte sich Lutz Nitz, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen: „Die Gesprächsrunde hat meine Erwartungen nicht erfüllt, dennoch bin ich vorsichtig optimistisch.“

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Notversorgung gewünscht

Nitz bewertet es positiv, dass Johanniter und Ministerium Gesprächsbereitschaft signalisiert haben, um gemeinsam mit Stadtrat und Stadtverwaltung nach Lösungen zu suchen. Der Grüne weist aber auch darauf hin, dass man die Kassenärztliche Vereinigung und die Krankenkassen nicht vergessen solle. Sie seien ein weiterer wichtiger Faktor bei einer möglichen Entscheidung.

Deutlich wurde während der Einwohnerversammlung, dass in der Bevölkerung der Wunsch nach einer ortsnahen medizinischen Notversorgung besteht.

Konzepte entwickeln

Darauf zielt auch SPD-Fraktionschef Horst Leiste ab: „Ich konnte bei der Versammlung nicht dabei sein, halte es aber für gut, dass weitere Gespräche vereinbart wurden.“ Er selbst habe sich immer für eine Notfallversorgung eingesetzt. „Ich denke nicht, dass man bei dem stetig zunehmenden Verkehr die viel zitierten 30 Minuten Fahrt bis zum nächsten Krankenhaus einhalten kann“, sagt Leiste. „Gerade bei Schlaganfällen kommt es auf jede Minute an.“

Ein Ansatz, den auch Wilmut Pflaumbaum, Fraktionsvorsitzender der Gemeinschaft Pro Genthin/FDP/WG Mützel, aufnimmt: „Ich komme aus dem Bereich Arbeitsschutz und weiß, dass eine schnelle medizinische Versorgung wichtig ist.“ Es sei positiv zu bewerten, dass während der Versammlung darauf gedrungen wurde, nach vorn zu schauen.

„Bei allen berechtigten Vorwürfen, die man zu den Entscheidungen der Vergangenheit machen kann, halte ich es für richtig, Konzepte für die Zukunft zu entwickeln.“ Es sei gut, wenn eine gemeinsame Lösung gesucht werde. „Wir sollen mit Unterstützung von Land und Johannitern etwas machen.“

In der Einwohnerversammlung war die Frage aufgeworfen worden, ob eine von den Genthinern seit Monaten geforderte Notfallversorgung in das mögliche Seniorenzentrum (Johanniterquartier), das auf dem ehemaligen Krankenhausgelände entstehen soll, integriert werden könne.

Zustimmung erforderlich

Johanniter-Geschäftsführer Franz Caesar sperrte sich nicht gegen den Vorschlag, machte aber geltend, dass ein solches Modell die Zustimmung der Kassenärztlichen Vereinigung und der Kassen bedürfe.

Daraufhin hatte Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) angeregt, gemeinsam mit Johannitern, Stadträten und auch interessierten Bürgern ein entsprechendes Konzept in Angriff zu nehmen.

Franz Ceasar wies aber auch darauf hin, dass dabei genau definiert werden müsse, was in solch einem Konzept der Begriff „Notfallversorgung“ bedeuten solle.