Klimawandel

Hitzestress lässt Bäume in der „Baum-des-Jahres“-Allee in Jerichow nach und nach vertrocknen

Die Allee „Baum des Jahres“ bereitet den Jerichowern Sorgen. Nicht alle Bäume finden hier ideale Wachtumsbedingungen. Auch der Hitzestress bereitet den Bäumen Probleme.

Von Thomas Skiba
Der Weinberg bei Klietznick mit der Allee Baum des Jahres ist für viele Touristen ein gern besuchtes Ausflugsziel. Familie Stein aus Wolfsburg erkundete vor kurzem die Region: „Wir kommen garantiert wieder.“
Der Weinberg bei Klietznick mit der Allee Baum des Jahres ist für viele Touristen ein gern besuchtes Ausflugsziel. Familie Stein aus Wolfsburg erkundete vor kurzem die Region: „Wir kommen garantiert wieder.“ Foto: Th. Skiba

Klietznick/Jerichow - Auf die traditionelle Baumpflanzung in der Allee „Baum des Jahres“ wird in diesem Jahr verzichtet, sagte vor kurzem Andreas Dertz, Ortsbürgermeister von Jerichow, und geht es nach ihm, war die Ess-Kastanie, der Jahresbaum 2018, auch der letzte in der Reihe. Warum wollen die Jerichower mit diesem Ritual brechen? „Davon kann keine Rede sein“, sagt Dertz und stellt fest, „nach und nach vertrocknen uns die Bäume.“ Das führe dazu, dass die Allee löchrig wirkt, zumal Nachpflanzungen nicht dieselbe Größe wie die abgestorbenen Bäume hätten. Das letzte Wort sei aber noch nicht gesprochen, so Dertz weiter.

Gründe für die sich lichtenden Baumreihen gibt es mehrere. Einer davon scheint den Hauptausschlag zu geben: der Boden. Die Allee wurde auf einem mit Mutterboden aufgefüllten Sander, einem Schwemmkegel aus Sand und Kies, angelegt und nicht jede Baumart kommt damit klar. So wächst die Sandbirke ohne Unterlass, gilt sie doch als Pionierbaum, der späteren Edelhölzern den Weg bereitet. Nicht umsonst wird sie auch „Unkraut des Waldes“ genannt.

Nicht jder Boden findet optimale Wachstumsbefindungen

Anders hingegen der Berg-Ahorn oder die Rosskastanie, der eine Baum des Jahres 2009 und der andere 2005. Beide besitzen tiefgreifende Wurzeln, was sie einerseits sturmfest macht, andererseits kommen sie mit unterschiedlichen Bodenqualitäten nicht gut zurecht. Andreas Dertz machte sich in Baumschulen über die unterschiedlichen Wachstumsanforderungen schlau und stellte letztendlich fest: „Nicht jeder Baum findet bei uns optimale Bedingungen.“

Solange die Mutterbodenschicht die Bäume versorgt, ist alles in Ordnung und Wachstum war garantiert. Doch, sobald die Wurzeln diese Schicht durchstoßen, finden sie nicht mehr genug Nährstoffe, um eben solch anspruchsvolle Bäume wie Berg-Ahorn oder Lärche zu versorgen. Konsequenz – die Stämme gehen ein, bevor sie ihr volles Alter erreicht haben.

Wurzeln ziehen sich zusammen

Einen weiteren Grund sehen Baumexperten in dem Hitzestress der letzten Jahre, verbunden mit einem abnehmenden Grundwasserspiegel. „Steht ein Laubbaum eine Zeit lang trocken, ziehen sich die Wurzeln zusammen und sie nehmen nie wieder Wasser auf – auch wenn es wieder regnet“, erklärte der Wilhelmstaler Waldbesitzer und Naturfreund Enno von Katte. Mit der Erde würden auch die darin verwachsenen Feinwurzeln reißen. Dadurch hätten viele Bäume einen Teil ihres Wurzelwerkes unwiederbringlich verloren. Das wiederum mache sie anfälliger für Krankheiten. Das zeigt sich auch in der „Baum des Jahres“-Allee.

Die alljährliche Wahl des „Baumes des Jahres“ durch das Kuratorium Baum des Jahres hat das Ziel, den Wert des Baumes in der Gesellschaft hervorzuheben. In Deutschland wird der „Baum des Jahres“ seit 1989 gewählt. Laut der Internet-Enzyklopädie Wikipedia spielen für die Auswahl zwar auch die ökologische Bedeutung sowie die Seltenheit und Bedrohtheit der Baumart eine Rolle. Fokussiert wird aber mehr die Aufklärung der Bevölkerung über die Eigenarten der jeweils ausgewählten Bäume. Vielerorts wird mit Pflanzaktionen für die jeweiligen Baumarten geworben.

Inspiration für Projekt vom Verschönerungsverein

Gestartet wurde das Projekt, wie Andreas Dertz sagt, einst nach einer Idee des Klietznicker Verschönerungsvereins. Das war eine Möglichkeit, das Gelände um den frisch angelegten Weinberg noch mehr aufzuwerten.

Der zur Stadt Jerichow gehörende Ortsteil Klietznick kann für seine Größe mit einer Vielzahl an Festen, touristischen Attraktionen und einem alten Dorfkern aufwarten. Unter anderem gehören das Dorfgemeinschaftshaus „Heydebleck“ mit Naturspielpark, Naturbühne und altem Backhaus dazu, aber auch der Aussichtsturm und die dorthin führende Baumallee Der Ortentwickelte sich gleich nach der Wiedervereinigung im Rahmen der Dorferneuerung zu einem der schönsten Dörfer in der Region und ist zum Anziehungspunkt vieler Besucher geworden. Im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden - unser Dorf hat Zukunft“ erhielt der 150-Seelenort für seine bürgerschaftlichen Aktivitäten bei der Dorferneuerung 1996 auf Landesebene eine Auszeichnung in Gold und im Bundeswettbewerb eine Silberplakette. Des Weiteren wurde Klietznick 1998 in Luxemburg mit einem „Europäischen Dorferneuerungspreis“ und im Jahre 2000 mit dem „Umweltpreis des Landes Sachsen-Anhalt“ ausgezeichnet.

Die Jahresbaumallee macht den Jerichowern Sorgen, nicht alle Bäume finden hier optimale Wachstumsbedingungen.
Die Jahresbaumallee macht den Jerichowern Sorgen, nicht alle Bäume finden hier optimale Wachstumsbedingungen.
Foto: Thomas Skiba