Genthin l Die Elbeflut 2013 hat besonders in den Orten zwischen Jerichow und Schönhausen ihre Spuren hinterlassen. Die materiellen Schäden, etwa an Straßen, Plätzen und Gebäuden wurden beseitigt, die Deiche erneuert, erhöht und gesichert. Was oft in der öffentlichen Wahrnehmung zu kurz kam, waren die Auswirkungen der Naturkatastrophe auf die Menschen.

Auswirkungen auf das Zusammenleben

Damit haben sich Wissenschaftler der Freien Universität Berlin (FU) beschäftigt. „Wir haben uns dafür interessiert, wie die Menschen die Situation nach der Flut verarbeitet haben“, erläutert Daniel Lorenz von der Katastrophenforschungsstelle der Universität. „Wir sind Sozialwissenschaftler und beschäftigen uns daher im Schwerpunkt mit dem gesellschaftlichen Zusammenleben.“ Vor zwei Jahren haben zwölf Studierende und wissenschaftliche Mitarbeiter im Elbe-Havel-Land rund 80 Personen persönlich und im Internet zu ihren Erfahrungen und Folgen des Hochwassers 2013 befragt.

Dort gab es bereits einen interessanten Fakt, der die Folgen des Hochwassers deutlich macht. „Viele der Menschen waren zum Zeitpunkt der Befragung noch so von der Verarbeitung der Geschehnisse in Anspruch genommen, dass ihnen eine Teilnahme an der Erhebung nicht möglich gewesen ist“, erläutert Lorenz.

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Auswirkungen auf die Psyche

Dennoch kamen ausreichend Daten zusammen, um eine wissenschaftliche Auswertung zu gewährleisten. Die Ergebnisse wurden gemeinsam mit Antonia Beran, Leiterin des Kreismuseums Jerichower Land, zu einer Ausstellung verarbeitet. Entstanden ist die Schau „(Was)ser bleibt - Die Flut 2013 im Elbe-Havel-Land aus lokaler und wissenschaftlicher Perspektive“, die am 10. Juni um 14 Uhr eröffnet wird. „Die Idee ist im vergangenen Jahr entstanden, auch mit Blick auf den fünften Jahrestag des Hochwassers“, berichtet Antonia Beran.

Gezeigt werden die Auswirkungen etwa auf die Persönlichkeit der Menschen. „Wenn jemand während eines Hochwassers sein Hab und Gut verliert, hat das nicht nur finanzielle Folgen, sondern auch Auswirkungen auf die Psyche“, erklärt Cordula Dittmer, Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Freien Universität. Die Angst schwinge immer mit, dass eine solche Katastrophe wieder geschehe.

Immer wieder Hochwasser

„Man muss ganz deutlich machen, dass es Hochwasser seit Jahrhunderten immer wieder gegeben hat und irgendwann das Wasser auch wieder zurückkommt.“ Über die Hoffnungen und Ängste der Menschen haben die Wissenschaftler ebenfalls mit den Teilnehmern der Befragung gesprochen. Auswirkungen gibt es auch auf andere Weise.

„Viele Menschen, die von der Flut betroffen waren, mussten ihr Wohnumfeld wieder herrichten, sich mit der Neubeschaffung von Einrichtung, Sanierung von Häusern und Entschädigungen auseinandersetzen, da blieb oft wenig Zeit für andere Dinge.“ Mancher Ehrenamtliche habe seine Tätigkeiten zurückgefahren oder stand beispielsweise für Vorstandsarbeit nicht mehr zur Verfügung. „Das ist aber eine Regel, sondern ein Teil der Ergebnisse.“ Aber es zeige, dass es besonders im ländlichen Raum Auswirkungen auf das Miteinander gibt, wenn die Folgen einer Katastrophe bewältigt werden müssen.

Hilfsbereitschaft ist positiver Effekt

Jedoch gibt es auch positive Aspekte. „Die Hilfsbereitschaft der Menschen wird deutlich spürbar“, meint Daniel Lorenz. Auch diesem Bereich widmen sich die Wissenschaftler und betrachten dabei die Hilfe von Institutionen und Organisationen sowie die im privaten Bereich. So gab es viele Helfer, die im Sommer 2013 bei der Sicherung der Deiche mitwirkten. Auch stieg die Spendenbereitschaft enorm an. In finanzieller wie materieller Hinsicht. Ungewöhnlich sei dabei gewesen, dass neben vielen Vereinen, Unternehmen auch Schulklassen, bis hin zu Kitas sowohl die Helfer, als auch die Flutopfer unterstützten.

Die Ausstellung wird vier Wochen in Genthin zu sehen sein. „Danach wandert die Schau nach Schönhausen in die Sommerschule“, kündigt Antonia Beran an.