Genthin/Burg/Jerichow l Ob historische Modenschauen, Forschungsergebnisse zu Glockenstühlen oder Taschenlampenführung, der Internationale Museumstag war in den vergangenen Jahren ein willkommener Anlass, die Arbeit und die Sammlungen der Museen der Region vorzustellen. In diesem Jahr fällt der Vor-Ort-Besuch aus, da viele Einrichtungen aufgrund der Corona-Pandemie noch geschlossen sind. „Zum Internationalen Museumstag wird keine Veranstaltung vor Ort durchgeführt, aber alle Interessierten zu einem digitalen Museumsbesuch eingeladen“, macht Kreissprecherin Claudia Hopf-Koßmann aufmerksam.

Auf der Internetseite „st.museum-digital.de“ präsentieren Museen der Region Sammlungsauszüge. So erläutert etwa das Kreismuseum Genthin nicht nur seine eigene Geschichte, die 1886 mit der Gründung durch den „Verein der Alterthumsfreunde“ begann, sondern auch 25 Sammlungen mit 445 Exponaten. Mehr als 100 Objekte gibt es allein im Bereich „historische Bekleidung“. Wer möchte, kann also dem Museum „an die Wäsche gehen“ und sich mit so illustren Modeerscheinungen wie Warprock (Faltenrock), Reformbeinkleid (Baumwollsatinhose) oder Passementeriekragen (Zierkragen) beschäftigen. Interessant ist auch die Sammlung von 56 Holzschnittdruckstöcken für Illustrationen und kleine Drucksachen aus der ehemaligen Druckerei von Friedrich Wilhelm Colbatzky in Burg. Die Motive reichen von biblischen Szenen, Alltags- und Berufssituationen und Militärdarstellungen und werden nicht nur mit Begleittexten erläutert, sondern auch im Positiv gezeigt. Umfangreich ist auch die Sammlung von Abbildungen historischer Buttermodeln. Die hölzernen Formen dienten dazu, der Butter nach ihrer Herstellung eine schöne Form zu geben und diese mit Naturmotiven oder Mustern zu verzieren.

Sammlung historischer Backsteine

Geöffnet ist das Klostergelände nebst Café und Museum in Jerichow. „Wir versuchen wieder in den Alltag zurückzukehren und unser übliches Angebot bereitzustellen“, sagt Stiftungschef Bernd Witt. Nichtsdestotrotz, gibt es auch dort ein Online-Angebot von Museums-Exponaten. Dort sind 25 Objekte eingestellt, zu denen in erster Linie die Sammlung historischer Backsteine gehört. Zu finden ist auch sakrale Kunst, etwa eine Marienplastik aus Lindenholz, die einst Teil eines spätgotischen Schnitzaltars gewesen ist. Der Heimatverein Burg hingegen erinnert mit seinen digitalen Exponaten an die Geschichte der Schuhherstellung der Stadt, die eng mit dem Namen Conrad Tack verknüpft ist. Arbeitsutensilien, Reklameschilder aber vor allem unterschiedliche Schuhmodelle sind in der Sammlung zu finden. Etwa ein Zugschlupfstiefel aus dem Jahr 1886 oder ein Brautschuh aus dem Jahr 1900. Der Heimatverein bietet übrigens ab sofort immer mittwochs Öffnungszeiten in seinen Räumen an, die nach Anmeldung zu besichtigen sind.

Bilder

Geschlossen bleibt in diesem Jahr das Waschmittelmuseum in Genthin. „Wir können die derzeit auferlegten Bedingungen zu Hygiene- und Abstandsmaßnahmen nicht einhalten“, sagt Christa Wolf, die das Museum mit anderen Ehrenamtlichen betreut. Ein digitales Angebot habe das Museum nicht. Da aber die Geschichte der Waschmittelproduktion über Jahrzehnte mit der Firma Henkel verbunden ist, lohnt sich ein Blick in deren digitales Archiv. Unter der Internetadresse „t1p.de/3uh9“ geben die Düsseldorfer Archive mit Texten und kurzen Filmen Einblick in ihre Arbeit, zeigen kuriose Bestände und erläutern, wie man zu Haus geschickt archiviert.