Mützel l Es sei gar nicht so selbstverständlich gewesen, dass im Jahr 1767 eine Kirche in Mützel errichtet wurde. „In dieser Zeit war der Ort ein Dorf ohne Tradition, ohne Bauern und Gutsherrschaft“, berichtete Ortschronist Wolfgang Ermisch während des Festgottesdienstes aus der Geschichte. Dass die arme Siedlung mit ihren 30 Familien eine Kirche bekam, lag daran, dass Mützel im Herrschaftsbereich der preußischen Provinz Sachsen lag. 1717 hatte der Soldatenkönig Wilhelm I. die allgemeine Schulpflicht eingeführt.

Friedrich II. war Patron

Friedrich II. übernahm als König das Patronat über Kirche und Schule. Er ließ im ganzen Königreich Kollekten für den Bau der Mützeler Kirche und Schule sammeln. „So entstand 1767 trotz Siebenjährigen Krieges die Fachwerkkirche mit Schulhaus, Scheune und Stallungen.“ Heute ist die Kirche ein Schmuckstück der Ortschaft. Besonders zu den Feiertagen stiftet es dabei eine Gemeinschaft. Pfarrerin Magdalene Wohlfarth stellte ihre Predigt in den Zusammenhang 2000 Jahre Pfingstfest, 500 Jahre Reformation und 250 Jahre Kirche in Mützel.

An Pfingsten sei der Heilige Geist auf die Apostel und Jünger herabgefahren und sie hätten flammende Reden gehalten, die von allen verstanden wurden, nahm Pfarrerin Wohlfahrt Bezug auf das biblische Pfingstwunder. Diese im Kapitel 2 in der Apostelgeschichte zu findende Erzählung hatten zuvor Teilnehmerinnen des Gemeindekreises verlesen. Die Geschichte sei der Beginn der Kirche Jesus Christus.

Bilder

„Dann wurde die Kirche älter und es wurden große Fehler gemacht.“ Martin Luther habe die Kirche erneuern, aber nicht spalten wollen. Und doch entstanden zwei Konfessionen. „Heute rücken wir wieder dichter zusammen.“ Die Kirche in Mützel sei seinerzeit ein Ort gewesen, an dem sich die Siedler versammeln konnten. Im Laufe der 250 Jahre habe die Kirche die Menschen begleitet. In der Trauer um Verstorbene und Gefallene.

Aber auch in der Freude bei Taufen und Hochzeiten. „Die Kirche ist mehr als ein Gebäude, sie ist Ausdruck einer lebendigen Gemeinschaft.“ So seien beim Festgottesdienst nicht nur Besucher aus Mützel, sondern auch aus Hüttermühle, Genthin, Kade oder Karow zu Gast.

Orgelmusik und Gesang

Den Gottesdienst umrahmten Kantor Gottfried Spiegel an der Orgel und der Genthiner Männerchor „Liedertafel 1845“. Der Chor sang Schillers „Ode an die Freude“ in der Vertonung von Ludwig van Beethoven. Auch den Gefangenenchor aus Verdis Oper „Nabucco“ und „Ich hatt’ einen Kameraden“, brachte der Chor zu Gehör. Beethoven sei zum einen gewählt worden, um der Freude über 250 Jahre Kirche Ausdruck zu verleihen.