Mützel l Ein großer Tag im Hause Oswald in Mützel: Elvira (85) und Werner (88) Oswald feierten am Mittwoch das Fest ihrer Eisernen Hochzeit. Zahlreiche Gratulanten, darunter Bekannte, Verwandte und Offizielle, gaben sich in den heimischen vier Wänden des Ehepaares ein Stelldichein. Wo sonst, sagt die eiserne Braut Elvira Oswald. Bei den vorangegangenen Ehejubiläen wurde in Gaststätten auf das Wohl des Paares angestoßen. Diesmal zu Hause.

Neue Heimat Mützel

„Wir sind ja auch älter geworden“, scherzt Werner Oswald, der Mützel von Geburt an treu geblieben ist. Mit der Heirat vor 65 Jahren fand auch seine Frau Elvira, die es als zwölfjähriges Flüchtlingskind aus dem Sudetenland nach Mützel verschlagen hat, endgültig eine neue Heimat.

Die Mützeler, weiß sie als eine der letzten noch lebenden Zeitzeugen zu berichten, hätten sie und ihre Familie ohne jegliche Vorurteile aufgenommen. Das sei durchaus nicht selbstverständlich gewesen. Heute, Generationen später, gehört Elvira Oswald, obwohl nicht im Preußendorf geboren, wie ihr Mann Werner, längst zum Mützeler Urgestein. Das räumt Ortsbürgermeister Rüdiger Feuerherdt durchaus anerkennend ein. „Wir sind gern Mützeler“, bekennen auch die Oswalds.

Bei Sonnenschein geheiratet

Auf den Tag genau vor 65 Jahren wechselte das Paar nach der standesamtlichen Trauung in der Mützeler Fachwerkkirche die Eheringe. Es sei ein sonniger und schöner Tag gewesen, erinnert sich die eiserne Braut. Seinerzeit wurde die Straße am Haus der Oswalds gebaut.

„Mein weißes Brautkleid war kniehoch verdreckt, nachdem wir den aus der Kirche daheim angekommen waren, kann sich Elvira Oswald heute noch amüsieren. Üppig fiel die Feier zur grünen Hochzeit nicht aus - schließlich habe es seinerzeit noch Lebensmittelkarten gegeben, ergänzt Werner Oswald.

Dankbar für 65 Jahre

Heute kann das Paar in Dankbarkeit auf die gemeinsamen 65 Jahre zurückblicken. „Wenn jeder vernünftig ist und nicht jeder Streit hoch angehangen wird, klappt das schon“, macht das Paar kein großes Geheimnis um sein Rezept für eine lange Ehe. Arbeit, Berufstätigkeit und Familienleben miteinander in Einklang zu bringen, war dabei für beide stets eine Selbstverständlichkeit.

Elvira Oswald war lange Jahre im Mützeler Kindergarten unter anderem als Reinigungskraft tätig und hat als solche viele junge Mützeler aufwachsen sehen. Ehemann Werner erzählt mit spürbarer Begeisterung von seiner über 45-jährigen Arbeit als Maurer, die letzten Jahre seiner Berufstätigkeit mauerte er in der LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft). „Die schwere Arbeit hat ihre Spuren hinterlassen, doch ich habe sie gern getan“, sagt der 88-Jährige. Viele Jahre engagierte sich Werner Oswald darüber hinaus in der örtlichen Feuerwehr.

Begeisterung für Feuerwehr

„Wir haben arme Anfangszeiten gemeinsam gemeistert und haben zugepackt, dass es uns mit den Jahren besser ging“. Einen Sohn hat das Paar in das Leben hinausbegleitet. „Er ist inzwischen auch schon Rentner“, sagt die Jubilarin. Vater Werner hat Sohn Klaus-Peter die Begeisterung für die Feuerwehr vorgelebt und weitergeben können. Erst aktiver Feuerwehrmann, steht dieser heute dem Förderverein der Feuerwehr vor.

Das eiserne Paar hat sich in liebevoller Weise seine gegenseitige Wertschätzung bewahrt. Der Alltag ist für die Oswalds, die sich selbständig um Hof, Haus und Haushalt kümmern, überschaubar geworden. Trotzdem: „Mein Mann hilft, wo er nur kann“, sagt Elvira Oswald. Der eiserne Bräutigam muss seine Frau in ihrem Arbeitseifer schon hin und wieder bremsen. „Renn doch nicht so, morgen ist auch noch ein Tag“, sei ein Spruch ihres Mannes, den sie häufig zu hören bekomme, gesteht die 85-Jährige.