Genthin l „Karneval macht Spaß, wenn die Sonne nicht mehr scheint“, bayerisch zünftig mit einem Tanz im Dirndl startete der GCC im Genthiner Stadtkulturhaus in seine 43. Saison – vor nahezu ausverkauftem Haus. Frei nach dem diesjährigen Motto „Helden und Legenden“. Die Moderation des Abends teilten sich mit Hartmut Nothe und Christian Granitzki zwei Legenden des Vereins.

Frotzeleien der Moderatoren

Das sorgte für Abwechslung und bot Anlass zu Frotzeleien zwischen den beiden, etwa zum Thema Digitalisierung. „Ich wäre dafür, dass der FC Magdeburg digitalisiert wird, dass Stadion müsste nicht zur Hopsburg umgebaut werden und die Polizei müsste keine Überstunden schieben“, meinte Granitzki.

Noch mehr Boshaftigkeiten hatte Bernhard Horn parat, natürlich ist der Regisseur ein Held des GCC, und kritisierte die um sich greifende Expertenseuche. „Überall, in den Talkshows, Sportsendungen und Nachrichtensendungen gibt es heute Experten.“ Da sei er lieber Laie. Warum erklärte Horn auch gleich: „Laien haben die Arche Noah gebaut, Experten die Titanic.“

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Müder Bürgermeister

Zum ersten Mal vor Ort war Bürgermeister Matthias Günther und bekam genau so sein Fett ab wie seine Stellvertreterin Alexandra Adel. „Wollen Sie in der Mittagspause nicht mit zum Imbiss kommen“, fragte die Bühnen-Adel den am Tisch schlafenden Bühnen-Günther. „Nein“, sagte der, „ich arbeite heute durch“ und legte sich wieder hin.

Noch mehr Bürgermeister-Persiflage präsentierte GCC-Alls-Star Manfred Göbel gemeinsam mit den Chordamen Birgit Heinzelmann, Ulrike Paul und Ivonne Brien. Die Damen steckten den angeblich viel zu leger gekleideten Stadtchef in ein grünes Jacket, der kündigte an: „Bürgermeister sein, gnadenlos bin ich bereit, sieben Jahre weit.“ Begleitet wurde die Nummer gekonnt von der Live-Band „Luxusrausch“, die an diesem Abend mit Witz und Spielfreude manche Darbietung sowie die zahlreichen Ein- und Ausmärsche untermalten.

Abba-Revival mit Plateauschuhen

Noch ein Sänger sorgte für Furore. GCC-Legende Achim Ryssmann kehrte nach dreijähriger Bühnenabstinenz wieder zurück ins Rampenlicht und intonierte die GCC-Hymne „Wir tanzen bis die Füße qualmen“. Da kochte die Stimmung im Saal so richtig und es wurde geschunkelt, was das Zeug hielt. Beste Stimmung kam auch bei den schwungvollen Tänzen der Breakdance und Showdance-Girlies und der Gruppe Delicous aus Parey auf, die zu modernen Poptiteln eine wahrlich schweißtreibende Choreografie auf die Bühnenbretter brachten.

Aber die reifen Damen der „Schweiß-Girls“ stahlen dem Nachwuchs beinahe die Schau, als sie mit Glitter, Schlaghosen und Plateauschuhen die 70er Jahre hochleben ließen. Ihre mitreißende ABBA-Tänze zu Titeln wie „Gimme gimme gimme“ oder „Voulez Vous“ sind in Zeiten den Kino-Abba-Revivals Top aktuell. Auch die Wortdarbeitungen kamen nicht zu kurz.

Sprüche aus den Mülltonnen

Neben den Sketchen zu alltäglichen Erlebnissen gab es auch die Sprüche aus den Mülltonnen. Dass die Tonnen vom neuen Beauftragen des Landkreises für die Müllabfuhr, Thomas Barz, gesponsert worden seien, ist ein Gerücht, das die Narren streuten. Sie machten auch keinen Halt vor dem Hausherrn des Stadtkulturhauses QSG-Chef Lars Bonitz: „Herr Bonitz, ich habe vor einer Stunde ein Bier bestellt“, hieß es unter dem Johlen des Publikums. „Da können Sie mal sehen, wie die Zeit vergeht.“

Pikant: Zu Beginn des Abends funktionierte die Getränkeversorgung tatsächlich nicht reibungslos. Später waren die QSG-Mitarbeiter aber fleißig unterwegs und versorgten auch die hintersten Zuschauerreihen mit kühlen Erfrischungen. Das letzte Lied war fast das Fazit des schmissigen Abends: „Was für eine geile Zeit, das sind unsere Tage.“