Genthin l Viel zu tun hatten die Genthiner CCW-Narren in der Aufarbeitung der Genthiner Ereignisse 2019. Das Ergebnis war ein fast dreistündiges Programm mit Bütten, Sketchen, Gesang und Tanz. Es gab viele Spitzen gegen das lokale politische Geschehen – moralische Entgleisungen nicht.

„Nach einem turbulenten Jahr, freuen wir uns wieder im Stadtkulturhaus zu sein“, spielte Vereins-Präsident Fritz Mund gleich zu Beginn auf die Querelen um die angestammte Auftrittsstätte seiner Truppe an. Weil es keinen Haushalt gab, gab es auch keine Zahlung an den Kulturhausbetreiber QSG, was die Folge der Kündigung aller im Haus tätigen Vereine zu Folge hatte.

Jetzt gibt es wieder einen Haushalt, die Vereine kehren zurück, vergessen ist aber nichts. Das machte gleich mal CCW-Urgestein Burgi Koch als Marktfrau a. D. deutlich: „Vorerst haben die Vereine wieder eine Heimstatt und die ist hier.“ Auch der Umgang mit dem Genthiner SPD-Urgestein Horst Leiste, ließ die Marktfrau nicht kalt, denn seine Partei sei ihm nicht hold: „Horst, mach dir nichts draus“, rief sie dem im Saal anwesenden Stadtrat zu: „Komm zum CCW.“ Lob gab es für Bürgermeister Matthias Günther, der ebenfalls anwesend war. Nach seiner Initiative zur Wiedereröffnung des Waschmuseums meint sie: „Er kanns also doch, wie ich das jetzt so seh, also mach weiter, deine Marktfrau a.D.“

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Erste Einträge im Schwarzbuch

Während die Marktfrau versöhnliche Töne anschlug, waren Jan Jeschinski und Jonas Hahm wesentlich ungnädiger mit Stadtchef Günther und dem Chef der QSG, Lars Bonitz. Kurzerhand erfanden sie ein „Schwarzbuch Genthin“ unter dem Titel „Schämt euch, ihr habt Genthin geschadet“, in das die einstigen Kontrahenten um das Bürgermeisteramt als Erste eingetragen werden sollen. „Gestrichen werden sie nur, wenn sie sich an die Spitze des Festkomitees setzen und eine schöne 850-Jahr-Feier für Genthin ausrichten.“ Mal gucken, ob das klappt.

Die beiden Jungspunde hatten auch eine Bitte an Horst Leiste: „Bringen Sie ein Brandenburg-Ticket für die Bahn auf den Weg - für Berliner und Genthiner.“ Man wird sehen, ob der frühere Brandenburger Leiste diesen Auftrag annimmt. Später wurde es sogar noch richtig märchenhaft: Rita Wagner befragte nämlich einen allwissenden Spiegel in der Gestalt von Programmchefin Angela Engel. Wer der Sparsamste im Land sei, wollte sie wissen und der Spiegel sagte: „Der Genthiner Bürgermeister ist tausendmal sparsamer als ihr, denn ohne Haushalt braucht er auch keine Investitionen zu tätigen“. Der Vielseitigste im Land sei übrigens Landrat Steffen Burchhardt, er könne backen, schauspielern, Reden halten und mache bei Sportvereinen eine gute Figur.

Lokaler Bezug zu Genthin

Aber nicht nur in den Wortbeiträgen, bezogen sich die Narren auf das lokale Geschehen, auch im Gesang ging’s zur Sache. „Unser Stadtrat ist schon da“, sangen Alicia Haak, Martin Müller, Christiane und Karsten Schwarz und fragten unverblümt: „Warum habt ihr nicht nein gesagt?“

Dass der Karneval beim CCW auch diesmal die Generationen umspann, zeigte sich an Hedi Matthies und Lana Nerling in der Bütt, die über ihre turbulente Schulzeit berichteten: „Ich sollte im Unterricht etwas über das Tote Meer sagen, dabei wusste ich nicht mal, dass es krank war“, erzählten sie, dennoch kann man von mangelhafter Bildung der jungen Damen nicht sprechen, schließlich kannten sie sogar die Eisheiligen: „Langnese, Schöller und Dr. Oetker.“

Für Begeisterung sorgte eine Siebenjährige. Frida Lorenz machte mit einem formvollendeten Stepptanz den laufenden Titel wahr: „There is no Business, like Showbusiness“. Getanzt wurde auch in diesem Jahr viel und schwungvoll: Die CCW-Krümel kamen als Cheerleader zu Technoklängen. Die Deliciousmädchen im Militärlook und mit einer selbstgestalteten Regenschirmchoreografie und dann waren da auch die Männer: Das CCW-Männerballet begeisterte das Publikum mit einer Hartrocktanznummer zu Status Quos „Whatever you want“ mit selbstgebastelten Pappgitarren.

Darbietung wie bei Grease

Später gab es eine fast Grease-mäßige Darbietung mit den Tänzerinnen. Die Tanzensembles mussten fast obligatorisch in die Zugabenrunden, abwechslungsreich war das Programm zwischen Wort, Musik und Tanz gestaltet. Rita und Jürgen Wagner steuerten Couplets bei und Gotthard Wienmeister das Klavierspiel. Bemerkenswert auch diesmal: Die flinken Helfer des Umbaus. Alles in allem also: Gelungen. Im kommenden Jahr wird Jubiläum gefeiert: dann steigt die 50. Festsitzung.