Genthin l Bürgerproteste, Unterschriftensammlung und zu guter Letzt eine Verkehrszählung und -messung: Die Anlieger der Karower Straße haben ihren Widerstand gegen die Verkehrsregelungen, die seit dem Ausbau der innerörtlichen Bundesstraße gelten, nicht aufgegeben. Mittlerweile liegen die Ergebnisse einer Verkehrsstudie vor. Zu welchen Konsequenzen sie die Verwaltung veranlassen, hinterfragte Stadtrat Andy Martius (CDU-Fraktion) bei der jüngsten Stadtratssitzung.

Zur Vorgeschichte: Vor dem Beginn des innerörtlichen Ausbaus der Bundesstraße 1 war die Straße ab der Zufahrt Ärztehaus bis zur Einmündung Breitscheidstraße als verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen. Seit den Bauarbeiten ist die Straße in beiden Richtungen mit Tempo 30 befahrbar.

Druck der Anlieger

Auf Druck der Anlieger kam im vergangenen Jahr noch einmal eine Diskussion im Bauausschuss in Gang, um an der bestehenden Verkehrsregelung zu rütteln. Ergebnislos, an der bisherigen Regelung wurde festgehalten, allerdings mit der Option, aktuelle Verkehrszählungen und Tempo-Messungen durchzuführen. Ihre Ergebnisse sollten Klarheit darüber bringen, ob die Klagen der Anlieger, unter anderem über eine hohe Lärmbelästigung und über eine erhöhte Verkehrsbelastung, berechtigt sind.

Die Stadt informierte die Stadträte bereits in einer Tischvorlage über die Ergebnisse der Zählungen, die ohne die aktuelle Nachfrage von Martius vermutlich keine größere Aufmerksamkeit erfahren hätten.

Um 76 Prozent gesunken

Über 28 Tage wurde der Verkehr entlang der Karower Straße unter die Lupe genommen. 15.386 Fahrzeuge passierten die Karower Straße in diesem Zeitraum, wovon die meisten Fahrzeuge stadtauswärts unterwegs waren. Deutlich weniger als in einem vergleichbaren Zeitraum des Jahres 2015, als 65.048 Fahrzeuge die Straße nutzten, deren Öffnung seinerzeit im Zusammenhang mit den Bauarbeiten an der B 1 stand. Im Vergleich zu 2015 sank das Verkehrsaufkommen damit um 76 Prozent.

In Spitzenzeiten, das belegen die Zählergebnisse, sei mit einem Aufkommen von etwa 190 Fahrzeugen pro Stunde zu rechnen, wobei sich die Hauptverkehrszeiten stadtauswärts auf 6 bis 9 Uhr und stadteinwärts auf 9 bis 11 Uhr und 14 bis 15 Uhr beschränkten.

Durchschnittlich 10 bis 15 Fahrzeuge

An den Wochenenden nutzten stündlich durchschnittlich 10 bis 15 Fahrzeuge die Karower Straße. Die Stadt hat auf der Grundlage dieser Zahlen diesen Bereich nach einer Richtlinie für die Anlage von Stadtstraßen in die unterste Verkehrsstärkenklasse mit weniger als 400 Kraftfahrzeuge in der Stunde eingeordnet.

Dass allerdings die Beschwerden der Anlieger zumindest teilweise berechtigt sind, belegen die vorliegenden Ergebnisse auch: So kommt die Studie zu dem Schluss, dass sich 49 Prozent, also knapp die Hälfte der Verkehrsteilnehmer, nicht an die angeordnete Geschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde halten und schneller unterwegs sind. Ihre Geschwindigkeiten pegeln sich zum Großteil zwischen 40 und 50 Kilometern in der Stunde ein. Die Verwaltung kündigte deshalb im Frühjahr an, darüber mit der Polizei ins Gespräch zu kommen und Tempo-Kontrollen anregen zu wollen.

In der Warteschleife

Die Ankündigung, dass auf den Tisch des Bau- und Vergabeausschusses eine Beschlussvorlage kommen werde, die eine dauerhafte Verkehrsgestaltung für die Karower Straße aufzeigt, wurde bisher noch nicht eingelöst. Auch Andy Martius musste sich auf der jüngsten Stadtratssitzung mit dieser Information, die der Bürgermeister gab, vorerst zufrieden geben.

Es gebe unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten, die darzustellen und abzuwägen seien, gab am Montag Fachbereichsleiterin Dagmar Turian auf Volksstimme-Anfrage zur Auskunft. Sie räumte ein, dass auf Grund von aktuellen, unabweisbaren Arbeitsanforderungen noch kein konkreter Arbeitsplan für die Karower Straße bestünde. Sie kündigte eine Bearbeitung im dritten Quartal an.