Steinitz l Kirchengemeinderätin Claudia Braunschweig hat es mit ihrem Team geschafft: Über die Benefizveranstaltungen und über die Mitfinanzierung durch die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Sparkasse wird es nun möglich, dass die Restaurierung der historischen Glocke finanziert wird. Der Kostenpunkt dafür nach aktueller Abwägung: 12.000 Euro. Es wurde zugesagt, die Restaurierung nach den Benefizaktionen nun möglich zu machen. „Das jahrelange große Engagement der Steinitzer ist für uns ein guter Grund, dabei zu sein. Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Sparkasse Jerichower Land sind froh, ein Projekt zu unterstützen, mit dem sich ein ganzer Ort identifiziert“, sagt Norbert Dierkes, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Jerichower Land.

Freude über das Projekt

Besonders erfreut zeigte sich auch die zuständige Pfarrerin Friederike Bracht über das Engagement der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Sparkasse. Das bekräftigte auch der Jerichower Bürgermeister Harald Bothe. Er unterstrich, dass er froh sei, dass es in dem kleinen Ort weitergeht.

Ausgegangen war die Initiative von einer Begehung des Glockenturms gemeinsam mit Landrat Steffen Burchhardt (SPD) im Rahmen des Dorffestes im vergangenen Jahr. Claudia Braunschweig zeigte dem Landrat den Schaden. Dieser machte damals schon deutlich, dass er sich für die Restaurierung der Glocke einsetzen werde. Bereits damals zog er eine Mitfinanzierung über die Sparkassenstiftung in Betracht.

Dankeschön der Gemeinde

Auch ein kleines Geschenk als Dankeschön hatte die Kirchengemeinde mitgebracht. Die Keramikerin Claudia Welsch aus Fischbeck hatte Glöckchen aus Ton angefertigt, als Dankeschön für das Engagement. Die Gäste bekamen alle eine kleine Tonglocke mit auf den Weg.

Die Kirchenglocke wird nun als weiterer Schritt ausgebaut und der Schaden begutachtet. Ein Unternehmen, das sich auf Glockenschweißen spezialisiert hat, wurde gefunden, ein Kostenvoranschlag schon eingeholt. Wie Pfarrerin Bracht ausführt, soll die Krone geschweißt werden. Zudem soll es einen neuen Klöppel geben. Das Joch der Glocke muss ausgetauscht werden.

Großes Engagement

Mit zu denjenigen, die sich für die Glocke sehr engagiert haben, gehört Christine Liebsch. „Der liebe Gott zeigt sich an diesem Tag von seiner guten Seite“, sagte sie. Damit nahm sie Bezug zum schönen Wetter bei dem Treffen und zum Erfolg der gesamten Benefizaktion, unter anderem auch mit einer Lesung in der sich entwickelnden Kulturscheune.

Zum letzten Mal erklang die Glocke im Turm der Steinitzer Kirche am 17. März. Der Klang wurde während einer Trauerfeier unterbrochen, weil die Verbindung zwischen Krone und Glocke gerissen ist.

Laut einer historischen Darstellung des Loburger Oberpfarrers Ernst Wernicke aus dem Jahr 1898 wurde die Glocke mit dem Durchmesser von 92 Zentimetern im Jahr 1677 von Jakob Wentzel in Magdeburg gegossen, sicherlich kein Unbekannter unter den Glockengießern. Wentzel war Brauer und Glockengießer. Wenige Jahre nach der Steinitzer Glocke produzierte seine Werkstatt die Glocke „Apostolica“, die ihren Platz im Geläut des Magdeburger Doms bekam. Zehn Jahre nach dem Steinitzer Glockenguss fertigte der Meister einen Klangkörper für den Berliner Dom, heute die Zentralkirche der Evangelischen Kirche in Deutschland. Vergleichbar mit anderen Glocken befindet sich auf dieser die lateinische Aufschrift „Ad pompas, ad sacra preces, ad funera cives voce sua Christus quos ipsa vocu.“ Übersetzt: „Zur Hochzeit, zur heiligen Anbetung, zum Begräbnis rufe ich die Bürger, die Christi Stimme ruft.“

Nach der Glocke wird nun in dem 35-Seelendorf Steinitz die Orgel in Angriff genommen. Das Instrument soll wieder spielbar werden.