Genthin l „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut!“ Sprüche wie dieser sind Freitagvormittag in vielen Städten Deutschlands und anderen Länder zu hören. Sie stammen von den Schülern, die zu Hunderten auf die Straßen anstatt in den Unterricht gehen, um für eine bessere Klimapolitik zu demonstrieren.

In Genthin war dies bislang nicht der Fall. „Unseres Wissens nach haben sich keine Schüler daran beteiligt“, sagt Monika Reinhold, Schulleiterin der Genthiner Sekundarschule. Auch die Brettiner Sekundarschule verneint eine Teilnahme ihrer Schüler an den Demonstrationen. Seitens des Genthiner Bismarck-Gymnasiums möchte man keine Auskunft geben und verweist an das Landesschulamt.

„Alle Schulen des Landes Sachsen-Anhalt haben den Auftrag, die Namen der Schüler festzuhalten, die dem Unterricht ferngeblieben sind, um an Versammlungen zum Thema ´Fridays for Future´ teilzunehmen. Die Anzahl ist ohne Namensangabe an das Landesschulamt zu melden“, teilt Saskia Born vom Landesschulamt mit und fügt hinzu: „Von Schulen aus Genthin liegt dem Landesschulamt keine solcher Meldungen vor.“

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Zumindest eine Genthiner Gymnasiastin hat jedoch bereits an einer Fridays for Future-Demonstration teilgenommen. Die Zehntklässlerin Enie Marlen Wagner war vor Kurzem bei der Fridays for Future-Demonstration in Berlin, bei der auch die Initiatorin der Bewegung, die Schwedin Greta Thunberg, zu Gast war. „Es war beeindruckend, mit so vielen Leuten für etwas einzustehen“, sagt die 15-Jährige. Mit rund 25.000 Teilnehmern sind dort mehr als doppelt so viele Menschen zusammengekommen wie die Kernstadt Genthin Einwohner hat.

Für die Teilnahme an der Demo hat sich Enie Marlen Wagner eine Freistellung besorgt. „Bei einem Tag genügt es, wenn die Lehrer zustimmen“, sagt die Parchenerin. Und das haben sie getan. „Ich habe das auch mit meinen Eltern besprochen. Meine Mutter findet es gut, dass sich die Schüler engagieren“, führt Enie Marlen Wagner weiter aus.

Lehrer halten sich zurück

„Ich finde es gut, dass die Jugend für mehr Klimaschutz auf die Straße geht und unterstütze das Anliegen“, sagt auch Viola Neumann. Laut der Schülersprecherin geht es dabei auch um weniger Umweltverschmutzung, mehr Nachhaltigkeit und das Tierwohl. Allesamt Punkte, die den beiden Gymnasiastinnen am Herzen liegen, aber seitens der Politik zu wenig Beachtung fänden.

Die Fridays for Future-Demonstrationen seien auch von Viola Neumanns Chemielehrer thematisiert worden. „Wir haben Gruppen gebildet, uns Fragen zu dem Thema ausgedacht und sind gerade dabei, zu recherchieren“, sagt die Elftklässlerin und fügt hinzu: „Am Ende könnte eine Dokumentation entstehen, die wir beispielsweise beim Tag der offenen Tür vorstellen könnten.“

Ansonsten würden sich die Lehrer jedoch sehr zurückhalten, was diese Thematik anbelangt. „Sie dürfen die Schüler ja nicht politisch beeinflussen“, wird dies von der 17-jährigen Pareyerin begründet.

Das Interesse ihrer Mitschüler bezeichnen die Gymnasiastinnen als „teils, teils“. „Einige sind überzeugt von den Zielen der Klimaschutz-Demonstranten. Viele sind aber auch unschlüssig oder kennen sich nicht gut genug aus mit der Problematik“, sagt Viola Neumann.

Dies würde auch erklären, warum in Genthin keine Fridays for Future-Demonstrationen stattfinden. „Hier ist es schwierig. Es sind zu wenig Schüler, die sich beteiligen würden. Dazu braucht man eine bessere Organisation“, erklärt Viola Neumann und nennt einen weiteren Grund, warum sich keine Elf- und Zwölftklässler daran beteiligen würden: „Wenn man in der Oberstufe fehlt, kann es mal schnell null Punkte geben ...“