Kulturstätte

Kloster Jerichow wird Teil der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt

Die Landesregierung von Sachsen-Anhalt machte den Weg frei, um die Stiftung Kloster Jerichow bis Ende des Jahres finanziell zu stabilisieren und dann 2022 in die Kulturstiftung des Landes Sachsen-Anhalt zu überführen. Dafür werden 400.000 Euro an Landesmitteln bereitgestellt.

Von Thomas Skiba
Vorstandsvorsitzender der Stiftung Kloster Jerichow Roland Maiwald (v.l.n.r) traf sich  mit Christian Philipsen, Generaldirektor der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt,  Staats- und Kulturminister  Rainer Robra (CDU), Landrat Steffen Burchhardt und Bürgermeister Harald Bothe.
Vorstandsvorsitzender der Stiftung Kloster Jerichow Roland Maiwald (v.l.n.r) traf sich mit Christian Philipsen, Generaldirektor der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Staats- und Kulturminister Rainer Robra (CDU), Landrat Steffen Burchhardt und Bürgermeister Harald Bothe. Foto: Thomas Skiba

Jerichow - Diese Botschaft teilte Staats- und Kulturminister Rainer Robra (CDU) dem Kuratorium der Klosterstiftung in einem Arbeitsbesuch persönlich mit. „Die Klosteranlage in ihrer Einmaligkeit und Historie hat gesamtstaatliche Bedeutung“, sagt der Minister in einem Pressegespräch mit der Volksstimme und betont: „Es ist als langjährige Museums-, Veranstaltungs- und Kulturinstitution für das Land Sachsen-Anhalt unverzichtbar.“ Vor diesem Hintergrund musste die Insolvenz abgewendet, wie auch der Erhalt der Arbeitsplätze gesichert werden.

„Das Kloster mit seinen engagierten Mitarbeitern sind ein großer Schatz und deswegen braucht es hier eine verlässliche Perspektive für den Weiterbetrieb der Anlage, wenn auch in einer anderen Trägerschaft“, so Robra weiter. Die Entscheidung der Überführung in die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt sei einstimmig erfolgt und wird durch den Landeshaushalt mit rund 400 000 Euro finanziell unterfüttert. Die Zulegung soll zum Ende des Geschäftsjahres 2021 starten, bis dahin unterstützt das Land den laufenden Betrieb des Klosters mit einem einmaligen Zuschuss von 80 000 Euro, „damit sie wirtschaftlich aufgefangen werden kann und den Kulturbetrieb weiter aufrecht hält“.

Besonders erwähnt Robra hier den parlamentarischen Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion, Markus Kurze, der für die Zustimmung im Finanzausschuss sorgte und auch den Prozess der Zulegung eng begleiten will. Robra sieht das „Juwel Kloster Jerichow“ in der Kulturstiftung des Landes gut aufgehoben: „Diese Stiftung ist genau für solche Aufgaben geschaffen – sie bewahrt unsere wichtigsten Kulturdenkmäler.“ Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Kloster Jerichow, Roland Maiwald, bringt es in einem Dreiklang zum Ausdruck: „Es ist ein wunderbarer Tag für Sachsen-Anhalt, ein Juwel wird den anderen bestehenden 18 Kulturstandorten der Landesstiftung hinzugefügt. Es ist auch ein wunderbarer Tag für die 23 Mitarbeiter, diese haben nun wieder die Sicherheit, dass es weitergeht. Einzig für den Vorstand ist dies ein schlechter Tag, denn er wird zum Ende des Jahres seine Arbeit einstellen.“

Beteiligte stehen hinter Entscheidung

Und doch sei die Entscheidung die einzig richtige, „will man die Perle in der altmärkischen Kulturlandschaft auf solide Füße stellen“. Der Generaldirektor der Kulturstiftung, Christian Philipsen sieht die Entscheidung der Zulegung in der Konsequenz vielfältiger Anknüpfungspunkte mit dem Standort Jerichow. Dieser passe in den Kontext der Landesstiftung, das kulturelle Erbe an vielen Orten und in seiner ganzen Breite zu unterhalten, wissenschaftlich zu betreuen und öffentlich zugänglich zu machen. „Unsere Standorte erstrecken sich von Havelberg im Norden bis zur Eckhartsburg im Süden und da gehört Jerichow mit hinein.“

Die Klosteranlage sei seiner Ansicht nach von europäischer Bedeutung und die museale wie kulturelle Praxis entspreche dem Ansatz der Kulturstiftung. Jerichow sei ein Ort, der funktioniert, der etabliert sei und der über engagierte Haupt- wie ehrenamtliche Mitarbeiter verfügt. „Wir werden als Landesstiftung von Jerichow profitieren“, fasst Christian Philipsen zusammen. Das Handeln der Stiftung Kloster Jerichow sehe er als wegweisend, die touristische Angebotspalette über Veranstaltungen aller Art bis hin zum Museumsbetrieb solle auch unter dem Dach der Kulturstiftung weitergeführt und als Marke für das Land gefestigt werden.

Für das Kuratorium sprachen Landrat Steffen Burchhardt (SPD) und Jerichows Bürgermeister Harald Bothe: „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht.“ Beide betonten das in Art und Ausrichtung gefestigte Fundament der Klosteranlage. „Hier wurde immer viel investiert und der gute Name zieht mittlerweile tausende Besucher an.“ Hintergrund: Das Kuratorium der Stiftung Kloster Jerichow hatte im letzten Jahr seinen Vorstand beauftragt, eine Zusammenlegung oder Auflösung der Stiftung Kloster Jerichow zu prüfen. Grund war unter anderem die schwierige finanzielle Situation der Stiftung, die schon seit Jahren besteht und nur durch Zuschüsse von Land, Kreis und Kirche zu tragen ist.

Eigenständigkeit keine Alternative

Vonseiten des Kuratoriums der Stiftung Kloster Jerichow hieß es im Vorfeld, dass die Kuratoren gerne an der Eigenständigkeit festgehalten hätten, sahen aber keine dauerhafte Alternative, um den Betrieb finanziell zu stabilisieren. In den vergangenen Jahren haben alle Stifter – die evangelische Kirche, das Land, die Stadt Jerichow und der Landkreis – regelmäßig finanzielle Mittel in erheblichen Größenordnungen für den Weiterbetrieb bereitgestellt. Auf Vorstands- und Verwaltungsebene gab es zwischen beiden Stiftungen bereits enge Kontakte, um einen möglichen Betriebsübergang der Klosterstiftung in die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt auszuloten. Dazu musste jedoch von Stiftungsbehörde und Land die rechtlichen Voraussetzungen für eine Zulegung zur Kulturstiftung geschaffen werden. Das sei jetzt erfolgt.

Die Eigenständigkeit in der inhaltlichen Ausgestaltung der Stiftungsarbeit vor Ort soll mit der Zulegung weiter gegeben sein. „Es ist übliche Praxis, dass die betriebliche und inhaltliche Grundverantwortung im satzungsgemäßen und selbstverständlich im zur Verfügung stehenden Budget dezentral durch eine Leitung (Museumsdirektoren) vor Ort wahrgenommen wird“, bestätigt Pressesprecherin Eta Erlhofer-Helten. Damit stünden Jazz-Festival, Klostergartenfest oder die Sommermusiken nicht in Frage, sondern weiterhin auf dem Programm.