Super Future kid

Knallbuntes für den Kunstmarkt - vom Genthiner Wintergarten zum Atelier

In ihrer früheren Heimat malt Stephanie Homa alias Super Future Kid neue Werke, die in renommierten Galerien gezeigt werden. Demnächst steht der Umzug in die USA an.

Von Mike Fleske
Künstlerin Super Future Kid hat einen Wintergarten in Genthin zu einem Atelier umgewandelt. Foto: Stephanie Homa

Genthin. Ein Wintergarten in Genthin, ist in den vergangenen Monaten zu einem waschechten Atelier geworden. Unzählige Farbtöpfe, Pinsel und Leinwände zeugen von einer kreativen Arbeit. Hier entstehen moderne Bilder, die in renommierten Galerien in aller Welt zu sehen sind. Unter dem Namen Super Future Kid, ist die 39-Jährige Stephanie Homa in der internationalen Kunstszene eine gefragte Künstlerin. Das ausgerechnet Genthin zur Keimzelle neuer langerwarteter Werke für Ausstellungen geworden ist - der pure Zufall.

Denn die in Genthin geborene und aufgewachsene Künstlerin hatte ihren Lebensmittelpunkt nach Studium und ersten Erfolgen nach Großbritannien verlegt, wo sie einen ganz eigenen unverwechselbaren Stil kreierte.  Zwischendurch auch immer wieder in die alte Heimat, so auch im vergangenen Jahr. Vor Weihnachten kam sie zurück zu ihrer Familie in Genthin. Eigentlich sollte es im neuen Jahr weitergehen in Richtung USA. Dort möchte die Künstlerin mit Ehemann Marcus Laqua, übrigens auch ein Genthiner, in den kommenden Jahren leben. „Ich war jetzt zwölf Jahre in London, jetzt wird es Zeit für etwas neues“, begründet die Künstlerin.

Corona verzögert die Ausstellung des Visums

Doch dann der Schreck: durch die Corona-Pandemie verzögerte sich die Prüfung der Papiere bei der Botschaft und die Ausstellung des für die Einreise notwendigen Künstlervisums. Der Aufenthalt in Genthin wurde länger als zunächst geplant. So entstanden in der Zwischenstation eine Reihe von neuen Werken. Etwa für die kommende Schau "Fairyland" (Märchenland) in der "Mindy Solomon Gallery" in Miami (USA), wo Bilder von Super Future Kid neben weiteren Künstlern ihrer Generation zu sehen sind.  Auch nach Hongkong in die Galerie „Over the Influence“ (OTI) sind Bilder gegangen. Und in Kopenhagen (Dänemark) waren Super Future Kid’s Werke im Herbst 2020 bei Gallery Poulsen zu sehen.

Und auch die Bilder sind anders als früher: Waren es einst Collagen, die den Zeitgeist und die Popkultur künstlerisch karikierten und kommentierten, sind es jetzt leuchtende Werke, in denen starke, verträumte und oft auch schwebende Figuren im Vordergrund sind. „Mein Stil wandelt sich im laufe der Zeit“, bekennt Super Future Kid. Sie habe  einen neuen eigenen Ausdruck, eine ganz neue Welt entstehen lassen wollen. Doch immer noch seien es Bilder voller Lebensfreude und Hintersinn, voller Emotionalität. Es sind Bilder, die Alltägliches und Traumhaftes vermischen und den Betrachter so zum Nachdenken anregen.

Damit bleibt sie ungebrochen erfolgreich. Mittlerweile werden für die Bilder der Künstlerin fünfstellige Beträge gezahlt. Ihre Bilder sind in Asien und auf dem US-Markt äußerst gefragt. Auch das ist ein Grund für den Umzug, denn die neue Wahlheimat New York ist der Mittelpunkt des internationalen  Kunstmarktes. Ein Vorteil. In den vergangenen Jahren gestaltete sie nicht nur eigene Schauen in Berlin, New York oder Tokio, sondern teilte sich auch Ausstellungen  mit Kollegen der heutigen Kunstszene etwa in Amsterdam, Los Angeles oder Seattle. Hierzulande ist noch eine Ausstellung in Dresden in guter Erinnerung, wo die Werke der Genthinerin neben so namhaften Kollegen der Pop-Art wie  Warhol, Lichtenstein, Koons oder Banksy zu sehen waren. Selbst während der Corona-Pandemie riss die Fülle der Ausstellungen nicht ab.

Fast atemlos waren die vergangenen Jahre zwischen dem Schaffen neuer Kunstwerke und deren Präsentation. Vielleicht ist der unfreiwillige Zwischenstopp im kleinen Genthin auch ein Moment des Durchatmens der Entschleunigung. Das gehe tatsächlich ganz gut in der kleinen beschaulichen Stadt am Elbe-Havel-Kanal. Hier sind alte Schulfreunde, die nicht Super Future Kid, sondern Steffi begrüßen, hier erdet Mutter Marion Homa. Etwa mit Radtouren in die Genthiner Region. „Sie hat mir gezeigt, wie grün das Umland der Stadt ist, etwas was ich gar nicht mehr im Sinn hatte, das war für mich ganz faszinierend“, bekennt die Künstlerin.

Ihre Mutter staunt immer noch über die Karriere ihrer Tochter. „Es gab in der Familie zu Anfang Skepsis“, berichtet sie. Aber ihre Tochter habe mit Kunststudium, mit ihrer Kreativität und ihrem Durchhaltewillen allen gezeigt, dass sie ihren Weg mache. In den vergangenen Jahren hatte  Marion Homa mit einem treuen   Freundeskreis aus Genthin immer wieder an Ausstellungseröffnungen teilgenommen. Durch Corona sei dies im vergangenen Jahr nicht mehr gegangen.

Genthin verändert sich und bleibt sich treu

Dafür verbringen Mutter und Tochter viel gemeinsame Zeit in Genthin. „Es ist interessant zu sehen, wie sich die Stadt verändert.“ Wenn es einige Dinge nicht mehr gäbe, so entstünde doch auch viel neues. So findet es Stephanie Homa sehr spannend, dass die heutigen Schüler ein neues Schulgebäude bekommen. „Ich erinnere mich noch, wie zu meiner Schulzeit das Haus I des Gymnasiums noch recht neu saniert war, dass ist für Schüler eine tolle Sache.“ Und manche Dinge wie der Wasserturm bleiben auch und sind unverwechselbar.

Als Künstlerin weiß die 39-Jährige um die Verantwortung für Andere. Jüngst hat sie sich an einer Aktion beteiligt, bei der Künstler Gesichtsmasken in ihrem ganz eigenen Stil gestaltet haben und diese für einen guten Zweck veräußert wurden. „Das Geld der Aktion 'Migrate Art“, geht zu 100 Prozent an die Hilfe für obdachlose Menschen in Großbritannien“, erzählt sie. Es sei ihr ein Anliegen anderen zu helfen, denen es nicht so gut geht. Zumal auf die Weise, die sie am besten beherrscht - mit der Kunst.

Für Stephanie Homa gibt es noch ein paar ruhige Wochen, dann wird es aufregend. Denn das Visum ist da und bald ist auch ein Atelier mit Wohnung in den USA gefunden und der Umzug beginnt. Dann heißt es hinein in ein pulsierendes Leben und eine neue Zukunft. Aber das gehört einfach dazu, bei einem Super Future Kid.