Roßdorf l Möhren schälen, Kartoffeln stampfen, Kräuter hacken: Für die meisten Menschen ist das Zubereiten von gesunden Mahlzeiten aus frischen Zutaten wichtig, und gerade Kinder sind Feuer und Flamme beim Zusammenstellen von leckeren Mahlzeiten – wenn man sie lässt. In der Corona-Krise bekomme Kochen, und das zudem gemeinsam, einen ganz neuen Stellenwert, zumal frische Lebensmittel überall zu haben sind. Doch viele Kinder ernähren sich oft nicht ausgewogen und wissen nur noch wenig darüber, wie aus unbehandelten, also frischen Zutaten leckere Mahlzeiten werden. Darum kann man ab sofort Hilfe finden, und zwar online bei der Ernährungsinitiative „Ich kann kochen!“. Das wussten auch die Mitarbeiter der Roßdorfer Kita. Schon im vorigen Jahr meldete sich Manuela Rose, Erzieherin im Roßdorfer Kindergarten „Stremmestrolche“, bei der Initiative „Ich kann kochen!“ der Sarah-Wiener Stiftung, die dazu mit der Krankenkasse Barmer-GEK kooperiert, an und bekam dafür von deren Regionalgeschäftsführerin in Genthin, Cynthia Pietsch-Stein, eine Starthilfe von 500 Euro. „Davon können die Kita-Mitarbeiter Lebensmittel erwerben und gemeinsam mit den Kindern leckere Mahlzeiten zubereiten“, erklärte daraufhin Projektinitiatorin Manuela Rose. Dabei gebe die Krankenkasse nichts vor, die Kita allein entscheidet, „ob regionale Obst- und Gemüsesorten genutzt werden oder auch exotische Früchte.“ Jetzt gebe es laut Initiatoren ein Online-Fortbildungsangebot für pädagogische Fach- und Lehrkräfte, die Barmer und die Sarah-Wiener-Stiftung, und diese bieten ab sofort für Eltern und Kinder auf ihren Onlineportalen Rezepte, Videos und Tipps rund um das Kochen für die Familienküche.

Kinder kochen gern mit

Die Rezepte helfen dabei, leckere, abwechslungsreiche und ausgewogene Mahlzeiten auf den Tisch zu bringen. Das Zubereiten von Mahlzeiten kann ein kleiner Beitrag dazu sein, die Corona-Krise gemeinsam durchzustehen, sind sich die Anbieter sicher. Je nach Rezept und Familiengröße schafft man so für längere Zeiträume eine schmackhafte und gesundheitsfördernde Abwechslung, so die Ideengeber. Bei den Kindern selbst wird die Einladung zum gemeinsamen Kochen zumeist sehr gern angenommen, allein schon, weil sie neugierig auf das Abenteuer Küche sind. Wenn man sehe, wie konzentriert und umsichtig Kinder Äpfel schneiden, Möhren raspeln und Kräuter in einen Quark rühren, dann sei das für die Kleinen ein Erlebnis, das präge. Ziel des neuen Angebots sei es, Kindern und Familien Ernährungswissen schmackhaft und erlebbar zu vermitteln, betont Pietsch-Stein und weist hin, dass man so viel besser motiviert sei, „sich ausgewogener und abwechslungsreicher zu ernähren.“

„Ich kann kochen!“ ist die größte bundesweite Initiative für praktische Ernährungsbildung von Kita- und Grundschulkindern. Dafür werden pädagogische Fach- und Lehrkräfte qualifiziert, mit Kindern in ihren Einrichtungen zu kochen. Ziel der Präventionsarbeit ist es, Kinder frühestmöglich für eine vielseitige Ernährung zu begeistern und wirkungsvoll ihre Gesundheit zu fördern.

Ernährungskurse vor Ort nach Corona

Regionalgeschäftsführerin Pietsch-Stein bedauert, dass aufgrund der Corona-Krise alle Fortbildungen für pädagogische Mitarbeiter bis Ende Juni abgesagt wurden: „Sobald die Betreuungs- und Bildungsinstitutionen wieder öffnen, werden die Pädagoginnen und Pädagogen ihre Arbeit als sogenannte Genussbotschafter fortsetzen.“ Dann gibt es zu der Online-Initiative auch wieder Ernährungskurse vor Ort.

In Sachsen-Anhalt wurden in den vergangenen zwei Jahren bereits mehr als 670 Mitarbeiter aus mehr als 380 Kitas, Schulen und Horten im pädagogischen Kochen ausgebildet. Mit der Anschubförderung sollen die Inhalte von „Ich kann kochen!“ nachhaltig in den Einrichtungen etabliert werden. Schulen und Kitas mit ausgebildeten Genussbotschaftern können je bis zu 500 Euro beantragen. Die Mittel sind ausschließlich für den Einkauf von Lebensmitteln bestimmt. „Ich kann kochen!“ will bundesweit 50.000 pädagogische Fach- und Lehrkräfte fortbilden und so mehr als eine Million Kinder erreichen.