Genthin l Die Stadt Genthin reagiert mit einem offenen Brief an die Johanniter auf die bevorstehende Schließung des Krankenhauses und verfolgt damit die weitere Nutzung der Immobilie für die medizinische Versorgung.

Bisher, betonte Bürgermeister Thomas Barz in einem Gespräch mit der Volksstimme, sei nicht bekannt, ob sich die Johanniter weiterhin in Genthin engagieren werden. Da die Auswirkungen der Krankenhausschließung immens seien, habe die Stadt Kontakt zu verschiedensten Trägern und Anbietern gesucht.

Gespräche geführt

In dem offenem Brief setzt die Stadt die Johanniter davon in Kenntnis, dass sie in den letzten Wochen Gespräche mit verschiedensten Institutionen und potentiellen Partnern geführt habe. Dabei habe sich herauskristallisiert, dass neben dem Sudenburger Operationszentrum (SOZ) Magdeburg auch ein weiterer Klinikbetreiber starkes Interesse hätte, sich in der Region niederzulassen.

Grundsätzlich bestünde Interesse, das Gebäude, in dem die Notaufnahme untergebracht ist, weiter zu führen, insbesondere um eine große Lücke in der ärztlichen Versorgung zu schließen.

Zuschuss für Abriss?

Vom Hörensagen, heißt es in dem offenen Brief, sollen die Johanniter bereits einen Fördermittelbescheid erhalten haben, der den Abriss des Komplexes vorsieht. Sollte dies der Fall sein, bitten die Unterzeichner die Johanniter von diesem Vorhaben abzusehen, um mit den potentiellen Interessenten Gespräche zur weiteren Nutzung sowie eines Erwerbs des Komplexes führen zu können.

Neben Bürgermeister Thomas Barz und dem Vorsitzenden des Genthiner Stadtrates, Gerd Mangelsdorf, setzten Landrat Steffen Burchhardt (SPD), die Bürgermeisterin von Elbe-Parey, Nicole Golz, und der Bürgermeister der Einheitsgemeinde Jerichow, Harald Bothe, ihre Unterschriften unter den offenen Brief.

„Mit diesem offenen Brief wollen wir an die Genthiner die Botschaft senden, dass es für das traditionsreiche Haus Interessenten gibt, deren Angebote dem Krankenhausstandort wieder eine Zukunft geben, wenn es auch kein Krankenhaus im herkömmlichen Sinn mehr geben wird“, sagt Barz.

Johanniter am Zuge

Noch allerdings, betonte der Bürgermeister, sei nichts „in Blei gegossen“. Die Johanniter seien nun am Zuge.

Einer der beiden Interessenten, so Barz, sei das Sudenburger Operationszentrum (SOZ), das an der Karower Straße ein ambulantes Operations- und Kompetenzzentrum mit stationsergänzenden Leistungen aufbauen will.

Für ein künftiges Genthiner Operationszentrum sind ambulante und stationsersetzende Leistungen in den Fachrichtungen Augenheilkunde, allgemeine Chirurgie, plastische Chirurgie, Kinderchirurgie, Gynäkologie, Urologie und HNO geplant. Die SOZ strebt ausdrücklich eine Vernetzung mit den in Genthin niedergelassenen Ärzten an, unterstrich der Bürgermeister. Auch die künftige Anwesenheit eines so genannten Durchgangsarztes würde geprüft.

Die Geschäftsführung des Johanniter-Krankenhauses Genthin-Stendal hält sich bei Auskünften zur Zukunft der Immobilie an der Karower Straße bisher sehr bedeckt. Die Johanniter waren am Montag allerdings noch nicht über den offenen Brief der Stadt Genthin in Kenntnis gesetzt.

Prüfung zugesagt

Die Johanniter Seniorenhäuser würden prüfen, ob eine Nachnutzung im Bereich der Pflege möglich sei, hieß es. Aber: Noch sei zur zukünftigen Nutzung des Areals nichts entschieden. Die Verhandlungen dazu liefen.

Auch Nachfragen zur Zukunft der rund 60 Mitarbeiter des Krankenhauses beantwortete die Geschäftsleitung nur allgemein gehalten. Die Mitarbeitervertretung und Geschäftsführung hätten in den letzten Wochen gemeinsam einen Sozialplan für die betroffenen Mitarbeiter erarbeitet. „Die Verhandlungen verliefen sehr konstruktiv“, gab der Geschäftsführer des Johanniterkrankenhauses Genthin-Stendal, Franz Caesar, zur Auskunft. „Im Ergebnis haben wir für die Kollegen ein sehr gutes Ergebnis erarbeitet“, resümierte er. Den meisten Mitarbeitern hätten Angebote unterbreitet werden können, am Stendaler Krankenhaus ihre Arbeit weiter auszuüben. Franz Caesar sagte gegenüber der Volksstimme, dass nur wenige Mitarbeiter davon Gebrauch gemacht hätten. Konkrete Zahlen nannte er allerdings nicht.

Caesar brachte sein Bedauern darüber zum Ausdruck, dass offensichtlich nur wenige Mitarbeiter ein Job-Angebot in Stendal angenommen haben. „Wir hätten gerne viel mehr in Stendal gesehen“, sagte er.