Genthin l Alles ging überraschend schnell. Jetzt steht fest: Die Abrissbirne wird mit großer Sicherheit einen Bogen um den historischen Teil des Krankenhauses schlagen müssen.

Denkmalwürdigkeit prüfen

Zur Vorgeschichte: Wie angekündigt setzte sich Olaf Meister, Landtagsabgeordneter der Grünen, nach seinem Besuch in Genthin Anfang vergangener Woche mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt in Halle in Verbindung, um die Denkmalwürdigkeit der alten Gebäude des geschlossenen Johanniter-Krankenhauses prüfen zu lassen.

Von der Öffentlichkeit unbeachtet kam auf sein Bitten Landeskonservatorin Dr. Ulrike Wendland am Montagnachmittag nach Genthin, um sich vor Ort ein Bild von den Gegebenheiten zu machen. Eine offizielle Mitteilung des Landesamtes zu den Ergebnissen ihres Besuches liegt zur Zeit noch nicht vor.

Begründung muss vorgelegt werden

Doch wie Genthins Bürgermeister Matthias Günther auf Anfrage der Volksstimme bestätigte, habe die Landeskonservatorin dem Altbau mit seinen Erweiterungen, sie sind datiert aus den Jahren 1908 bis 1926, dem Pförtnerhaus und der ehemaligen Wäscherei, historische, kulturell-künstlerische und städtebauliche Denkmalwerte bescheinigt.

Die Landeskonservatorin beabsichtige, die Krankenhausgebäude in die Denkmalliste des Landes Sachsen-Anhalt aufzunehmen. Dafür muss zunächst eine Denkmalschutzbegründung erarbeitet und vorgelegt werden.

150. Jahrestag der Gründung

Ironie der Geschichte: Die Entscheidung bahnte sich fast auf den Tag genau zum 150. Eröffnungs-Jubiläum des einstigen Krankenhauses am 15. Juli 1868 an.

Schon jetzt gilt für den Eigentümer: Für allen baulichen Eingriffe muss von nun an eine Genehmigung der Unteren Denkmalschutzbehörde, also des Landkreises, eingeholt werden.

Verärgerung bei den Johannitern

Die Johanniter sind erwartungsgemäß alles andere als erfreut über die Entwicklung. Franz Caesar, Geschäftsführer des Johanniter-Krankenhauses Genthin-Stendal, sieht die Nachnutzungspläne der Johanniter durch den Denkmalschutz „massiv gefährdet“. Das habe man auch Bürgermeister Günther zu verstehen gegeben.

Ende April gaben die Johanniter bekannt, dass auf einem Großteil des ehemaligen Krankenhausgeländes ein sogenanntes Johanniter-Quartier entstehen soll. Die Johanniter beabsichtigen dort die Verbindung ambulanter und stationärer Altenpflege mit Angeboten für Tagespflege, betreutes Wohnen und Wohngemeinschaften für Senioren. „Die Johanniter haben sich fest vorgenommen, für Genthin etwas Gutes zu tun, dies wird jetzt in Frage gestellt“, sagte Franz Caesar.

Olaf Meister, der den Stein auf Drängen der Grünen-Stadtratsfraktion ins Rollen gebracht hatte, sieht das freilich ganz anders: „Wir sind erst einmal froh, dass das Krankenhaus als Denkmal anerkannt wird. Städtebaulich ist damit für Genthin ein wichtiger Komplex gesichert worden. Für die Zukunft sind damit alle Optionen der Nachnutzung offen.“