Baumfällung in Genthin

Landesforstbetrieb Sachsen-Anhalt fällt Kiefern in Genthin

Letzter Ausweg: Fällung. Von Trockenheit, Pilzbefall und Schmarotzern sind nahezu 100 Prozent des Kiefernbestandes auf 6,5 Hektar Landeswaldflächen in Genthin betroffen. Im September rückt erstmals der Harvester an.

Von Natalie Preißler 10.08.2021, 20:00
Alexander Strebe, Funktionsingenieur beim Landesforstbetrieb, sichtet den Zustand des Waldes am Eichenweg in Genthin.
Alexander Strebe, Funktionsingenieur beim Landesforstbetrieb, sichtet den Zustand des Waldes am Eichenweg in Genthin. Natalie Preißler

Genthin - Im Genthiner Forstrevier Meierei am Eichenweg rückt im September der Harvester an, um auf 1,5 Hektar die Kiefern zu ernten. In den vergangenen drei Jahren setzten Trockenheit, Diplodia-Pilz und Mistelbefall den Bäumen der Landeswaldfläche so stark zu, dass nur noch die Fällung in Frage kommt. Annähernd 100 Prozent des Kiefernbestandes vor Ort sind betroffen, so die fachliche Einschätzung.

Trockenheit durch sinkenden Grundwasserspiegel

„Man sieht den Befall erst, wenn es zu spät ist“, sagt Alexander Strebe, zuständiger Funktionsingenieur im Forstbetrieb Altmark des Landesforstbetriebes Sachsen-Anhalt und stellvertretender Revierleiter für die insgesamt rund 6,5 Hektar Wald am Ortsausgang Genthin an der Bundesstraße 107 in Richtung Jerichow.

„Eigentlich sind Kiefern Kummer gewöhnt, denn sie wachsen auch auf kargen Sandböden“, so Strebe. Doch die vergangenen Jahre waren einfach zu viel für die Bäume. Der 28-Jährige spricht von einem ganzen Schadkomplex, der nun das Absterben der Nadelbäume bedingt.

Diplodia-Pilz verhindert Nährstoffaufnahme

Der Diplodia-Pilz findet in der Kiefer seinen Hauptwirt, dringt zum Beispiel durch Hagelschäden über die Baumrinde ein und verstopft die Leitungsbahnen, die den Nadelbaum mit Nährstoffen aus dem Boden versorgen. Die Mistel kommt als Halbschmarotzer erschwerend hinzu. Sie betreibt zwar selbst auch Photosynthese, dennoch entzieht sie dem Baum Nährstoffe. Bei dem betroffenen Bestand handelt es sich um Kiefern mit einem Alter von etwa 70 Jahren aufwärts.

„Junge Bäume kommen mit der Trockenheit besser zurecht, da ihr Wurzelwerk nicht so tief reicht und sie das Regenwasser in den oberen Schichten aufnehmen können“, erklärt Strebe. Oft erreichen die Wurzeln älterer Exemplare nicht den durch Trockenheit ohnehin gesunkenen Grundwasserspiegel. Wertschöpferisch gesehen liege das so genannte Endnutzungsalter der Kiefern aus forstwirtschaftlicher Sicht zwischen 120 und 160 Jahren.

Auf rund 1,5 Hektar fallen im Landeswald am Eichenweg in Genthin die von Trockenheit und Diplodia-Pilz befallenen Kiefern.
Auf rund 1,5 Hektar fallen im Landeswald am Eichenweg in Genthin die von Trockenheit und Diplodia-Pilz befallenen Kiefern.
Natalie Preißler

Rund eine Woche lang wird der Harvester nahe dem Wohngebiet an der Hasenholztrift beschäftigt sein, um die Kiefern zu entnehmen. Dabei haben die Zuständigen auch die Erhaltung des Waldbildes im Blick. Der „Kahlschlag“ wird einige Meter fernab des genutzten Weges starten.

Saatgut aus dem Wald nebenan

Für die Aufforstung auf der rund 15 000 Quadratmeter großen Landeswaldfläche sind Laubhölzer wie Roteichen vorgesehen. „Was die Kiefern in 50 Jahren an Höhe schaffen, schafft die Roteiche bereits in 30“, sagt Funktionsingenieur Strebe. Aber sie braucht gute Startbedingungen, die durchs Mulchen, also die Bedeckung des Waldbodens mit organischen Materialien, geschaffen werden. Das Saatgut kommt aus heimischen Wäldern und wird einige Kilometer weiter eingesammelt.

Auch liegen die Hoffnungen auf einer natürlichen Verjüngung durch herabgefallene oder angeflogene Samen von umstehenden Bäumen oder ungeschlechtliche Vermehrung durch tierische Lebewesen. Die umgewandelten Flächen, auf denen schon Laubbaumarten wie Eiche, Ahorn und Kirsche wachsen, sollen anschließend eingezäunt werden, um unter anderem Wildverbiss im Frühjahr, wenn die ersten Triebe hochwachsen, zu verhindern.

Rund 150 Festmeter Holz von Fällung betroffen

Auf den gesamten 6,5 Hektar rechnet Funktionsingenieur Strebe mit Fällungen von rund 150 Festmetern Kiefernholz. Um die Bäume optimal zu verwerten, werden sie in Bau- und Sägeindustrie weiterverarbeitet. Unter anderem entstehen Europaletten oder Spanplatten.

Der Harvester rückt voraussichtlich Anfang September an. Bis Ende des Jahres soll die erste Fläche forstwirtschaftlich bearbeitet sein. „Wir sind optimistisch, dass es im Anschluss einen guten Baumbestand mit neuer Artenvielfalt geben wird“, sagt Strebe.

Auf rund 1,5 Hektar fallen im Landeswald am Eichenweg in Genthin die von Trockenheit und Diplodia-Pilz befallenen Kiefern.
Auf rund 1,5 Hektar fallen im Landeswald am Eichenweg in Genthin die von Trockenheit und Diplodia-Pilz befallenen Kiefern.
Natalie Preißler