Projekttag

Lieber klarer Kopf als berauschte Sinne bei Genthiner Schülern

Um vor den Folgen von Drogen- und Alkoholkonsum zu warnen, setzt das Bismarck-Gymnasium am Aktionstag für 9. Klassen auf spielerische Stationen und Informationen aus dem Unterricht.

Von Mike Fleske 15.07.2021, 18:13
Der Fahrsimulator der Verkehrswacht Jerichower Land zeigte die Gefahren von Alkohol im Straßenverkehr auf.
Der Fahrsimulator der Verkehrswacht Jerichower Land zeigte die Gefahren von Alkohol im Straßenverkehr auf. Foto: Mike Fleske

Genthin - Noch ein unsicherer Schritt und Marcella Engel ist am Türschloss. Mit der Alkoholbrille, die einen Rausch von 1,5 Promille simuliert, ist das Öffnen eines Türschlosses nicht so einfach. „Entfernungen sind verzerrt und man sieht alles doppelt“, beschreibt sie die Sicht durch die Brille. Dass sich ein Alkoholrausch wirklich so anfühlt, wie es die Brille vorgaukelt, glaubt sie nicht. Eine gute Warnung sei es dennoch.

Das findet auch Marc Laven, der mit einer Drogenbrille auf einen Hindernisparcours geschickt wird. „Ganz so wird ein Drogenrausch nicht sein.“ Er habe Doppelbilder gesehen und sein Gleichgewichtssinn sei aus dem Takt geraten.

Die beiden Simulationsbrillen waren nur ein Bestandteil des Drogenpräventionstags der drei 9. Klassen des Bismarck-Gymnasiums, der am Donnerstag stattfand. Das Thema wurde unter verschiedenen Gesichtspunkten umfänglich beleuchtet.

Fahrsimulatoren zeigen die Gefahr von Reaktionsverzögerungen nach Alkoholkonsum

Die Verkehrswacht Jerichower Land, hatte neben den Rauschbrillen auch verschiedene Fahrsimulatoren im Betrieb, so dass sich zeigen ließ, welche Einschränkungen in Sicht und Reaktion Rauschmittel bewirken. Beeindruckt zeigten sich die Schüler, wie stark verzögert etwa eine Reaktion erfolgt, wenn im Straßenverkehr ein plötzliches Hindernis auftaucht.

Unterstützt wurde das Projekt zudem von der Suchtberatungsstelle Jerichower Land, die etwa Suchtverläufe und Wege aus der Sucht thematisierte. „Auch Fragen danach, wie man eine Abhängigkeit erkennt, waren Bestandteil dieser Runden“, berichtete Diana Grothe von der Suchtberatung.

Sie zeigte sich überrascht, wie gut der Themenbereich bereits im Unterricht vorbereitet worden war. „Die Schüler haben ein umfangreiches Hintergrundwissen zum Thema 'Drogen-Prävention' mitgebracht.“

Heilkräuter aus dem Garten im Tee statt illegaler Substanzen

Der Aktionstag wurde nicht nur im Unterricht vorbereitet, sondern auch durch passende Inhalte begleitet. Aus dem Biologieunterricht kam eine Station, in der sich die Schüler mit Heilkräutern beschäftigten. „Hier stand die Frage im Raum, wie kann man beispielsweise ohne Drogen zur Ruhe kommen“, erläuterte Biologielehrerin Astrid Hilke, die den Tag koordinierte und gemeinsam mit ihrer Kollegin Aune Chu, verschiedene Teesorten vorstellte.

So lernten die Schüler etwas Tee aus Johanniskraut kennen, der gut gegen Müdigkeit, Trägheit und trübe Stimmung hilft. Zitronenmelisse wirke hingegen beruhigend und helle die Stimmung auf. Auch Lavendeltee habe eine entspannende und beruhigende Wirkung.

Die Schüler durften sich an dieser Stelle selbst Tee zubereiten und probieren, ob die zugesprochenen Wirkungen tatsächlich eintreten. Auch das Fach Chemie wurde in den Thementag eingebunden. Die Chemielehrer Andreas Hirnet und Artem Kamaev hatten dabei prägnante Experimente, die sich mit dem Alkohol beschäftigten.

Alkohol als medizinisches Hilfsmittel gegen Bakterien

Hirnet zeigte die desinfizierende Wirkung von Alkohol bei Bakterien. „Wobei wir damit nicht sagen wollen, dass Alkohol trinken, gut gegen Krankheiten ist, sondern dass sich mittels Alkohol bestimmte Bakterien abtöten lassen.“ Lehrer Kamaev erklärte, wie sich die sehr ähnlich aussehenden Flüssigkeiten Methanol und Ethanol unterscheiden lassen.

Die Unterscheidung dieser beiden Stoffe ist elementar wichtig: Ethanol ist der rauschfördernde Stoff in Trinkalkohol wie Wein und Schnaps. Methanol ist eine Chemikalie, die der menschliche Körper zu giftigen Stoffen abbaut. Und bereits geringe Mengen können zur Erblindung oder zum Tod führen.

Eine besondere Aufgabe hatte Musiklehrerin Anke Held für die Schüler: Sie sollten sich damit beschäftigen, warum insbesondere Rockstars oft exzessiv zu Drogen greifen und gerade in früheren Zeiten oft früh den Tod fanden. So gab es auch eine Beschäftigung mit dem „Klub 27“, also Musikern wie Jimi Hendrix, Kurt Cobain, Janis Joplin oder Amy Winehouse, die mit 27 Jahren durch Drogenkonsum gestorben sind.

Rockstars im Sog von Erfolg und Drogen

Wobei den heutigen Schülern besonders Letztere noch bekannt war. Anhand des Beispiels des Musikers Freddy Mercury erklärte Anke Held, wie ein Künstler in die Spirale von Erfolg und Drogen kommen kann.

„Er war ein Sänger, der zehntausende Menschen dirigieren und begeistern konnte, aber nach dem Konzert kamen Leere, Einsamkeit und ein zeitweise massives Drogenproblem.“ Auch wenn er nicht an den Drogen gestorben sei, könne man gut bestimmte Mechanismen des Rockgeschäftes an ihm festmachen.

Für die Schüler waren die Musiker oder auch der erste deutsche Drogenschlager „Am Tag als Conny Kramer starb“ etwas von ihrem Lebensumfeld entfernt, dennoch waren die Beispiele lehrerreich: „Ich kann mir schon vorstellen, dass auch die heutigen Musiker Drogen nehmen, denn der Erfolg-und Erwartungsdruck ist heute genau so da“, meinte etwa Marvin Schaumburg.

Präventationstag mit langer Tradition

Einen gemütlichen Abschluss fand der Aktionstag mit einer gemeinsamen Verkostung von alkoholfreien Fruchtcocktails, deren Rezepte die Schüler selbst zusammengetragen haben. Die Zutaten besorgten sie ebenfalls selbst, hier half die finanzielle Unterstützung des Bismarck-Fördervereins.

„Der Drogen-Präventionstag hat eine lange Tradition, und ich denke, wir fördern damit das Nachdenken über Drogen- und Alkoholkonsum“, resümierte Schulleiter Volker Schütte. Er ist sich sicher, dass die Teilnehmer einiges an Wissen über die Gefahren mitgenommen haben.

Mit der Alkoholrauschbrille vor den Augen, ist das Aufschließen eines Türschlosses eine Herausforderung.
Mit der Alkoholrauschbrille vor den Augen, ist das Aufschließen eines Türschlosses eine Herausforderung.
Foto: Mike Fleske