Maibaum

Maibaum in Jerichow darf nicht geklaut werden

Traditionelles Maibaumaufstellen in Jerichow in diesem Jahr nur mit Einschränkungen.

Von Thomas Skiba
Der Maibaum steht: Zum sechsten Mal in Folge kündigt der verzierte Telegrafenmast die grüne Jahreszeit an. Foto: Thomas Skiba

Jerichow

Corona macht auch 2021 den Mai-Jungen und -Mädchen einen Strich durch die Rechnung: Kein Tanz in den Mai, keine fröhlichen Feste, Umzüge finden nicht statt, ebenso findet das „Baumsetzen“ allerhöchstens in abgespecktem Rahmen statt. Wer trotz Ausgangssperre dann noch der Tradition des Maibaumentführens folgen will, riskiert Ärger mit Polizei und Ordnungsamt und ein saftiges Bußgeld.

Erst sollte es ausfallen, doch dann entschlossen sich die Einwohner in Kade, Karow und Jerichow, den Maibaum auf dem Topfmarkt in Jerichow doch aufzustellen. „Wir einigten uns darauf, das Maibaumaufstellen im kleinen Kreis und Fest durchzuführen“, sagt Ortsbürgermeister Andreas Dertz.

Damit jährt sich die Tradition des Maibaumaufstellen zum sechsten Mal und in Zeiten vor dem Virus hätten zahlreiche Jerichower das Ereignis als zweites Frühlingsfest gefeiert. Ortsbürgermeister Andreas Dertz freute sich darüber, dass die Gärtnerei des Awo-Fachkrankenhauses beim Kranzflechten und Schmücken aushalf: „Sonst kümmern sich die Damen der Volkssolidarität darum.“ Doch die gehören, trotz Impfung derzeit zur Risikogruppe und mussten die Aufgabe schweren Herzens abgeben.

Ein Maibaum auch in Kade aufgestellt

Auch in Kade stellten Mitglieder der Ortswehr einen Maibaum auf, „aber in der abgespeckten Version“. Die Kader Einwohner waren sich einig, betont Ortsbürgermeister Holger Wenslau, dass die Tradition nicht unterbrochen werden sollte.

Besonders weil gerade viele ältere Bürger mit diesem Ereignis so manche Jugenderinnerung verbinden, die ihnen in diesen an Ereignissen armen Zeiten ein wenig Zuversicht gibt. Die geschmückte Birke die ganz in der Tradition mit einem Schutz gegen das Absägen gesichert ist, weckte heute wie damals Begehrlichkeiten. Auf den Dörfern, erzählt Rentnerin Hannelore Wenslau, sei es immer noch üblich, aus dem Nachbardorf den Maibaum zu stehlen. Darum werde der Brauchtumsbaum auch die ganze Nacht bewacht und wenn es gelinge, ihn zu entwenden, müsse er durch reichlich Bier und Gegrilltem wieder ausgelöst werden. Speziell mit den Jugendlichen aus dem fünf Kilometer entfernten Karow entwickelte sich darum so manche Rangelei.

Übrigens gibt es auch in diesem Jahr eine noch kleinere Maibaum-Variante auf dem Pflaumbaum-Hof zu erblicken.

Woher kommt dieser Brauch? Der Maibaum wird hauptsächlich in Süddeutschland und hier vor allem in Bayern aufgestellt. Diese Zeremonie findet am letzten Tag des April, am 1. Mai oder an Pfingsten statt.

Langjährige Tradition im Elbe-Havel-Land

In der Altmark und im Elbe-Havel-Land wurde der Brauch erst später übernommen, hier ranken sich vielmehr zahlreiche Bräuche um das Pfingstfest.

Das Maibaumstellen war im Christentum lange Zeit verboten. In vorchristlicher Zeit wurden Bäume ausgesucht, um die die Menschen dann tanzten und Feiern veranstalteten. Sie dienten als Zeichen des wiederkehrenden Frühlings, waren aber auch Symbol für Fruchtbarkeit. Als heidnischer Kult stand dies dann im Christentum unter Strafe.

Der Brauch, einen geschälten und mit Kränzen und Bändern geschmückten Baum zum 1. Mai aufzustellen, entwickelte sich wieder im 16. Jahrhundert in Deutschland und seitdem steht der Maibaum für Gedeihen und Wachstum sowie für Glück und Segen.

Feiern und Tanzen gehören untrennbar zum Aufstellen des Maibaums. Das war der weltlichen und der kirchlichen Obrigkeit im 18. Jahrhundert ein Dorn im Auge und man versuchte, den Maibaum erneut zu verbieten – allerdings ohne Erfolg.

Kleine Tafeln am Baum haben Tradition

Ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert stammt die Tradition, neben Kränzen und Bändern auch kleine Tafeln an Querbalken am Maibaum anzubringen. Darauf sind nicht nur Handwerk und Gewerbe des Ortes vertreten.

Auch die Kirche, das Rathaus und die Schule haben eine eigene Tafel am Maibaum. An dem Maibaum auf dem Topfmarkt in Jerichow sind Tafeln mit den einzelnen Ortsteilen angebracht. Ortschef Andreas Dertz zum Abschluss des Maibaum-Setzens: „Wir sind froh, gemeinsam mit der Stadt ein Zeichen der Hoffnung zu setzen.“

Unterstützt von der Firma Metallbau-Höhne stellten die Gemeindearbeiter den Maibaum auf.
Foto: Thomas Skiba
Carsten Schröder und Ralf Braunschweig (re.) beim "Stecken" des Maibaumes.
Foto: Thomas Skiba