Jerichow l Die Fachabteilung für Psychiatrie des Jerichower Fachkrankenhauses suchte alternative Wege zur Behandlung von Depressionen. „Mit dem Therapietag wollen wir ein Forum bieten, um relevante Themen aus der Psychiatrie vorzustellen und zu diskutieren“, sagte Martin Häring, Ärztlicher Leiter am Krankenhaus.

Das Team vor Ort sei interessiert an den Entwicklungen des Faches, die unmittelbaren Bezug zur Praxis hätten. „Das Symposium ist immer auch ein Forum für Gedankenaustausch, Diskussion und Anregungen“, stellte der Ärztliche Leiter fest.

Depressionen nehmen zu

Auf den Sinn der Veranstaltung in Zusammenhang mit der Arbeit im Fachkrankenhaus ging Oliver Lindner, Vorsitzender der Awo im Jerichower Land und Präsidiumsmitglied des Landesverbandes Sachsen-Anhalt, ein. „Weltweit leiden laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation 700 Millionen Menschen an psychischen Krankheiten. Zwei Formen, die Depression und die Angstzustände, haben zwischen 1990 und der Gegenwart um 54 und 42 Prozent zugenommen“, stellte Lindner dabei fest. Im Awo-Fachkrankenhaus Jerichow stehe der selbstbestimmte Mensch im Mittelpunkt. Hier werde, so Lindner, ganz praktische Hilfe zur Selbsthilfe geleistet, auf fachlich sehr hohem Niveau, um die Behandlungsziele im Sinne der Förderung einer toleranten Gesellschaftsstruktur langfristig und nachhaltig gewährleisten zu können.

Bilder

Praktisch stellte Martin Häring die Methode „rTMS“ vor. Bei der Methode können mit Hilfe von außen angebrachter starker Magnetfelder Bereiche des Gehirns stimuliert oder auch gehemmt werden. Seit eineinhalb Jahren wird diese Technik im Jerichower Krankenhaus praktiziert. Simone Voigt präsentierte die Behandlungsangebote der Krankenhaus-Abteilung für affektive Störungen.

Sylvia Kirchhauer legte den Fokus auf das Psychodrama beziehungsweise das Märchen. Beispielhaft wurde dies an dem Märchen „Frau Holle“ deutlich gemacht. Die in Jerichow bekannte Oberärztin Claudia Glöckner ging darauf ein, wie der Klang emotionale Blockaden lösen kann. Das zeigte sie unter anderem unter Verwendung von Klangschalen. Die Gongklänge versetzten den ganzen Raum in Schwingung, die die Teilnehmer spüren konnten.

Leiden mit Musik verarbeiten

Der Höhepunkt des Tages war ein Klaviervortrag mit dem Titel „Depression in der Musik“, gespielt von Gerhard Zegowitz. Er ist Neurologe, Psychiater und Musiker. Musik studierte er in Lübeck, Medizin in Heidelberg. Er zeichnete mit seinem Vortrag einer Reise durch die Musikgeschichte vor dem Hintergrund des Einflusses von Emotionen wie der Depression. Beispielhaft ist hier Robert Schumann zu nennen. Seine Liedkompositionen unterstreichen sein seelisches Leiden. In der Korrespondenz, dem Tagebuch sowie den Rechnungsbüchern ist weiterhin von einem „schrecklichen nervösen Leiden“ die Rede. Schumann klagte über Singen und Brausen im Ohr. 1849 schien eine Besserung einzutreten. Doch die seelischen Schwankungen blieben.

Zegowitz rückte den Klavierzyklus „Auf verwachsenem Pfade“ von Leoš Janáček in den Mittelpunkt. Das Werk unterstrich das seelische Leiden des Komponisten, der seine 20-jährige Tochter verloren hatte, was er in seiner Musik verarbeitete. Zegowitz spielte den Zyklus ohne Noten und erntete mit seiner Interpretation viel Beifall.