Jerichow l Die Angler Bernd Döring und Mario Witte hatten die Demonstration angemeldet. Das zusammenhängende Netz von Schutzgebieten in der Europäischen Union mit dem Namen „Natura 2000“ bewegt die Gemüter der Angler, Jäger, aber auch die Mitarbeiter von Werften.

Es waren 450 Interessierte, die in einem Bereich des Jerichower Klosters standen und ihren Unmut zum Ausdruck brachten. „Ich wohne schon so lange hier, die Elbe, das ist unsere Heimat“ sagte Döring am Rande der Demo. Wie gerne geht er mit seiner Enkelin Charlotte an den Elbstrand.

„Das soll auch in Zukunft mit der bestehenden Gesetzeslage ohne weitere Einschränkungen so bleiben“, sagt Döring. Warum er gemeinsam mit Witte die Demo angemeldet hat: „Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren“, so Döring. Er moniert, dass mit Umsetzung von „Natura 2000 an vielen Stellen es verboten sei, die ausgewiesenen Schutzgebiete und sensible Uferzonen zu betreten. „Und das betrifft vor allem unsere Region“, so Döring.

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Mehr Einschränkungen?

„Ich bin nicht nur Angler, sondern auch Familienvater. Und ich gehe gerne mit meinen Freunden angeln“, ergänzt Mario Witte. Er lehnt weitere Einschränkungen dabei durch Natura 2000 ab. Mit dem Fischereigesetz, mit dem Jagdgesetz, mit dem Naturschutzgesetz gäbe es genügend Regelungen. „Wir wollen nicht noch mehr Einschränkungen“, sagt er. Mit vor Ort auch der Landtagsabgeordnete Detlef Radke. Bereits bei seinem letzten Besuch im Kloster Jerichow hatte er sich mit Klosterverwaltungsleiter Bernd Witt und dem Jerichower Bürgermeister Harald Bothe zu dem Thema intensiv ausgetauscht und wiederholte nun seine Meinung: „Eigentlich brauchen wir Natura 2000 nicht.

Naturschutz ist über Gesetze in Land und Bund ausreichend geregelt“, so Radke. Er initiierte auch ein Gespräch bei der Derbener Werft, die besonders von „Natura 2000“ betroffen ist, vor allem, wenn es um Ausbau und Innovationen geht. Aus Halle kam damals zu dem Gesprächstermin Gert Zender. Zender ist Leiter der Abteilung Landwirtschaft und Umwelt beim Landesverwaltungsamt. Er zeigte im Gespräch Bereitschaft, der Werft in dieser Notlage zu helfen.

Und auch dieses Mal reiste er an. Denn die friedliche Demo zeigte Früchte.

Gemeinsam mit Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert setzte man sich nach der Einweihung des fertig gestellten Deichabschnitts von Jerichow bis Fischbeck im Jerichower Bürgerhaus zusammen, um mit Betroffenen über Natura 2000 zu reden. Dabei handelte es sich um ein internes Gespräch.

Gemeinsames Gespräch

Wie der Jerichower Ortsbürgermeister Andreas Dertz mitteilte, war es eine Runde von rund 20 Betroffenen. Der Jerchower Bürgermeister Harald Bothe erklärte als Gesprächsteilnehmer, dass Mitglieder der Angelvereine aus Klietznick, Derben und Schönhausen am Tisch Platz genommen hätten. Eine Stunde habe man sich Zeit genommen.

Zu den Gesprächsteilnehmern gehörte neben Radke auch Klosterverwaltungschef Bernd Witt, und er machte Hoffnung. „Die Verordnungsvorschriften sind noch nicht in Sack und Tüten. Ich bin froh, dass sich die Ministerin und das Landesverwaltungsamt den Sorgen öffnen“, so Witt. Ende September oder Anfang Oktober seien weitere Gespräche geplant, um einen Konsens zu erzielen.

Auf Nachfrage äußerte sich auch Ministerpräsident Reiner Haseloff zu dem Thema. „Wir nehmen diese Sache sehr ernst“, sagte er. Naturschutz und die Lebensqualität der Menschen müssten vereinbar sein. „Die Menschen sollen sich in ihrer Heimat wohlfühlen“, so Haseloff im Gespräch. Es müsse deutlich sein, dass wir hier in demokratischen Strukturen leben.