Heimatgeschichte

Orgel in Altenklitsche mit langjähriger Geschichte

Bedeutender Orgelbaumeister Gottlieb Scholtze erschuf die Orgel der Altenklitscher Dorfkirche im Jahr 1780

Die Altenklitscher Scholtze-Orgel, erbaut 1780 ? so schön wie eh und je.
Die Altenklitscher Scholtze-Orgel, erbaut 1780 ? so schön wie eh und je. Foto: Katrin Hertwig

Altenklitsche

Thomas Skiba

Die Orgel gilt als Königin der Instrumente und ist das größte Musikinstrument der Welt, außerdem sind Orgeln, neben den Glocken die einzigen Klangzeugnisse der damaligen Zeit. In den Gotteshäusern des Kirchspiels Klitsche seien es vier Kirchen, die es wert sind, „gehört und gesehen zu werden“, wie es Friederike von Katte, Mitglied des Kirchspiels, sagt.

Von Katte beschäftigt sich schon des längeren mit den Ausstattungen der kirchlichen Bauten im Stremme-Land und kennt jede ihrer Besonderheiten. Die Orgel in Altenklitsche ist eine davon.

Seit ihrer Restaurierung im Jahr 2010 thront sie wieder wie eine kleine „Königin“ im weiß-goldenen Kleid auf der Empore gegenüber des Kanzelaltars. Sie gilt als das letzte große Werk des bedeutenden märkischen Orgelbaumeisters Gottlieb Scholtze (1713-1783).

Scholtze war ein Schüler von Joachim Wagner, einem bekannten brandenburgischen Orgelbaumeister, und hatte seit 1740 seine eigene Werkstatt in Ruppin. Die Orgel wurde im Jahr 1780 in der Dorfkirche Altenklitsche installiert, also 86 Jahre nach der 1714 geweihten Barockkirche. Bis dahin hallten nur Glockentöne der ehemals drei vorhandenen Glocken über den Ort.

Aufwendige barocke Ausgestaltung

Die Orgel ist in der Gestalt ein Kind ihrer Zeit - äußerlich wie innerlich. Eine aufwendige Gestaltung des Orgelprospekts (Gesicht) mit aufgelegten Schnitzereien und ornamentreichen Schleierbrettern entsprach der barocken Ausstattung des Gotteshauses. Kleine Sonnen, Wolken, Blüten, Blätter und das Auge Gottes als Bekrönung des Mittelturmes zeugen davon.

Das Instrument - eine mechanische Schleifladenorgel - verfügt über zwölf Register (Klangfarben) verteilt auf ein Manual- und ein Pedalwerk. Ein kleines Orchester kommt da zusammen. Der Blasebalg wird inzwischen elektrisch betrieben, aber manch einer erinnert sich noch an Zeiten, in denen die Luftzufuhr mit dem Fuß betätigt werden musste.

Ob in Gottesdiensten oder Konzerten: Es ist eine Freude, laut Friederike von Katte, wenn Heike Ballerstädt, Andreas Plancke, Gottfried Spiegel oder auch Jule Rosner und Wieland Meinhold die Dorfkirchenorgel zum Brausen bringen. „Zu Gottes Ruhm und Ehre.“ Übrigens hat die Altenklitscher Scholtze-Orgel eine „Schwester“ in der benachbarten Zollchower Dorfkirche.

Der Erbauer Scholtze war in der Elbe-Havel-Region sehr aktiv, unter anderem stehen weitere Orgeln aus seiner Hand in Schmetzdorf, Schönhausen, Lenzen und Havelberg.

Orgelmusik als immaterielles Kulturerbe anerkannt

Seit 2017 sind Orgelmusik und Orgelbau durch die Unesco als immaterielles Kulturerbe anerkannt. „Jede Orgel ist ein Unikat, weil sie einzig für den architektonischen Raum erbaut wird, in dem sie erklingen soll.

Das für den Orgelbau und die Orgelmusik notwendige hoch spezialisierte Wissen und die besonderen Fertigkeiten wurden von Handwerkern, Komponisten und Musikern über Jahrtausende entwickelt“, wie es bei Prof. Dr. Christoph Wulf von der deutschen Unesco-Kommission heißt.