Genthin l Welche Anlagen werden in welchem Umfang zukünftig in der Schweinezuchtanlage Gladau betrieben? Wieviele Tiere dürfen am Standort gehalten werden? Das ist der Gegenstand eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes für die Anlage, der gegenwärtig erarbeitet wird.

Der Genthiner Stadtrat hatte im Mai vergangenen Jahres dafür mehrheitlich nach langen Diskussionen grünes Licht gegeben. Gegen den Willen des Gladauer Ortschaftsrates, der sich vom Genthiner Stadtrat in seiner Entscheidung nicht vertreten sieht.

Aktueller Stand

Die Betreiberin der Anlage, die LFD Holding, nutzte die jüngste Sitzung des Wirtschafts- und Umweltausschusses am Dienstag, um den Ausschussmitgliedern den aktuellen Stand der Planung für die zukünftige Bebauung vorzustellen. Einer Einladung der Verwaltung waren auch Mitglieder des Gladauer Ortschaftsrates gefolgt.

LFD-Geschäftsführer Jörn Göbert hielt erwartungsgemäß an der bereits im vergangenen Jahr angekündigten Absicht der Betreiberin fest, auf der Grundlage des Bebauungsplanes die bisher genehmigten Tierplatzzahlen zu steigern.

Konkret: Erlangt das Papier Rechtskraft, kann die Zahl der Tierplätze von bisher 27,233, darunter 7000 Sauen, auf 42.784 Tierplätze, davon 9750 Sauen, aufgestockt werden.

Millionen-Investition

Göbert sicherte dem Ausschuss zu, dass die LFD Holding beabsichtige, gleichzeitig etwa 3 bis 3,5 Millionen Euro in immissionssenkende Maßnahmen, zum Beispiel in eine komplette Ausstattung der Ställe mit modernen Abluftreinigungsanlagen, zu investieren. Somit würde sich die Situation für die angrenzenden Anwohner deutlich verbessern, sagte Göbert.

Er kündigte unter anderem an, dass das Unternehmen plane, die Erschließung zu ändern, und den Kreuzweg, bisher ein Plattenweg, als Straße auf einer Breite von 4,50 Metern mit vier Ausweichbuchten auszubauen.

Einblicke in verschiedene Gutachten

Die von der LFD beauftragten Ingenieurbüros machten vor dem Ausschuss in einem insgesamt zweistündigen Vortrag detaillierte Ausführungen zur Beschreibung der Anlage, gaben aber auch Einblicke in die verschiedenen Gutachten zu den zu erwartenden Immissionen, wie beispielsweise Geruch und Lärm. Nach den vorgelegten Gutachten, das machten die anwesenden Fachleute deutlich, bewegten sich alle ermittelten Werte innerhalb der gesetzlich geforderten Vorgaben.

Gladaus Ortsbürgermeister Klaus Voth reagierte aus den Zuschauerreihen heraus beherrscht. „Das wundert uns nicht, bei solchen Verfahren kommen die Unternehmen immer gut weg. Das war schon immer so.“

Zweifel an Tierplatzzahlen

Bei den Transporten könnte es nach Angaben der Betreiberin allerdings zu einer Steigerung kommen. Göbert schätzt sie als geringfügig ein. Diese würde aus seiner Sicht vor allem durch zusätzliche Einkäufe bei lokalen landwirtschaftlichen Betrieben der Region zu Gute kommen.

Von den Ausschussmitgliedern meldete allein Nils Rosenthal von den Grünen Zweifel speziell an der Darstellung der Tierplatzzahlen an.

Die Erweiterung entspricht seiner Meinung nach einer tatsächlichen Aufstockung um rund 40 Prozent im Verhältnis zu den derzeit genehmigten Tierzahlen, die auf einem noch wirksamen Bescheid von 2003 beruhten. Dass durch die Aufstockung alles besser werden solle, halte er trotz der Beteuerungen der LFD Holding für zweifelhaft, sagte Nils Rosenthal.

Gutachter: Grenzwerte werden eingehalten

Die Ausführungen der LFD Holding sind von den Gladauern und ihrem Ortsbürgermeister Klaus Voth mit gemischten Gefühlen und Skepsis aufgenommen worden. „Wir wollten die Erweiterung der Anlage, die jetzt konkrete Formen annimmt, nicht. Die Anlage sollte nach unserem Dafürhalten zwar weiter bestehen, aber nicht erweitert werden. Die Gutachter sagen nun, alle Grenzwerte werden eingehalten. Wie es wirklich wird, werden die Anwohner zu spüren bekommen“, sagte Klaus Voth bei der Ortschaftsratssitzung am Mittwoch.

Er appellierte an die Gladauer, den weiteren Fortgang des Verfahrens aufmerksam zu verfolgen. Als nächster Planungsschritt erfolgt nun die erste Beteiligung der Öffentlichkeit und der Träger öffentlicher Belange. Ihre Stellungnahmen fließen in die weitere Erstellung des Bebauungsplans ein.