Brettin l Radfahren wird immer beliebter. Es ist zudem umweltfreundlich und hält fit. Nur ist bei weitem nicht überall das Fahren mit dem Drahtesel auf den Straßen gefahrlos möglich. Der Radweg und die Straße zwischen Genthin und Brettin sprechen hier Bände. Zum einen bringt die Fahrt mit dem Rad auf der Straße innerorts Brettin Gefahr für Leib und Leben. Zum anderen kommt die Nutzung des knapp zwei Kilometer langen Radweges zwischen den beiden Ortschaften einer Folter gleich. „Dabei gilt der Radweg als Schulweg – sowohl zur Sekundarschule in Brettin und zum Genthiner Gymnasium“, stellen die Brettiner Ortschaftsratsmitglieder fest. Da müsse doch schon zur Sicherheit unserer Kinder etwas passieren, so ein Mandatsträger weiter.

Auf der letzten Sitzung des Ortschaftsrates brachten Bürger und Ortschaftsräte den Zustand des Radweges zur Sprache und verwiesen auf die insgesamt missliche Situation für die Radfahrenden Bürger.

Wurzeln drücken Boden hoch

Der eigentliche Radweg an der Kreisstraße 1199 wurde vor Jahren asphaltiert und galt damit als gut befahrbar. Doch mittlerweile haben Wurzeln von am Wegesrand stehenden Bäumen den Straßenbelag hochgedrückt, Querrinnen entstanden und teilweise gucken die Wurzeln schon aus dem Boden. „Anfangs war es nur wenig störend“, sagt Bernhard Mewes vom Brettiner Ortschaftsrat. Doch mit den Querrinnen werde der Asphalt locker, Wind und Regen tragen ihn ab, so dass sich Vertiefungen bilden. „Hier kann ein ungeübter Fahrer schon mal die Kontrolle über sein Rad verlieren“, ärgert sich Mewes und hat dabei besonders Schulkinder und ältere Menschen im Blick.

Zu den Vertiefungen kommen noch Wurzelstränge dazu, die den Belag zu zentimeterhohen Kanten aufwerfen und ein gefährliches Hemmnis darstellen. „So haben wir sozusagen abwechselnd Schlaglöcher und Buckel auf dem Radweg“, benennt Ortsbürgermeister Torsten Schmidt diese chaotische Situation.

Straße ist keine Alternative

Er fügt hinzu, dass die fehlende Straßenbeleuchtung den Sachverhalt nochmals verschärfe, „da in der Dunkelheit ein vorrausschauendes Fahren kaum möglich ist“. Das Ausweichen auf die parallellaufende Kreisstraße hat schon so manchen Radfahrer dort in Bedrängnis gebracht. Der LKW-Verkehr dort ist enorm. Keine Seltenheit, dass gleich sechs, sieben LKW hintereinanderfahren.

Der Grund für das hohe Verkehrsaufkommen, gerade an LKWs, ist der Erneuerung der Bundesstraßen 1 und 107 geschuldet. Hier wurde der Verkehr durch die Ortschaften Roßdorf und Brettin umgeleitet. „Die LKW-Fahrer merken sich die ehemals notwendige Umleitung und umgehen so den Stadtverkehr in Genthin“, erklärt Ortschef Torsten Schmidt.

Große Laster unterwegs

Nun rollen jeden Tag große Laster über die Kreisstraße und durch die Ortschaft. „Da ist Radfahren unmöglich.“ Der Brettiner Ortschaftsrat hat schon in der vorigen Legislaturperiode, die grundhafte Sanierung und Beleuchtung des Radweges gefordert. Jetzt wurde durch die Bürgervertretung das Verlangen erneuert und Schmidt will über die Stadtverwaltung in Jerichow beim Landkreis anstoßen, „dass sich endlich um den Radweg gekümmert wird“.

Die Forderungen nach dem Ausbau von Radwegen, vor allem begleitend an Bundes- und Landes- und Kreisstraßen, gibt es schon seit Jahren. Immer mal wieder gibt es dazu auch Diskussionen in der Kommunalpolitik. Beim bisherigen Stand der Dinge wird sich allerdings in den nächsten Jahren nicht viel tun.

Förderung des Radverkehrs

Es sei denn, die neue Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Sachsen-Anhalt leistet tatsächlich das, was von ihr erhofft wird. „Zweck der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Sachsen-Anhalt ist die systematische Förderung des Radverkehrs, um den Radverkehrsanteil im Alltags- und Freizeitradverkehr zur Förderung des Umweltschutzes und der Gesundheit zu erhöhen, die Verkehrssicherheit für Radfahrende zu verbessern und den Fahrradtourismus als einen wichtigen Wirtschaftsfaktor zu stärken“, heißt es von der Landesregierung.

Die Gründung einer solchen Arbeitsgemeinschaft wurde vom Landeskabinett am 20. März 2018 beschlossen. In vielen Bundesländern gebe es bereits solche Arbeitsgemeinschaften. Das Land trägt die Kosten für eine Geschäftsstelle mit einer Personalstelle.

Unter anderem soll die Geschäftsstelle für Öffentlichkeits-, Koordinierungs- und Netzwerkarbeit, Veranstaltungsmanagement und Fördermittelberatung zuständig sein. Um in den Genuss dieser Möglichkeiten zu kommen, müssen die Kommunen Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft sein. Seit der Gründung sind mit Stand Januar 2020 insgesamt 42 Städte und Gemeinden beigetreten, die knapp 25 Prozent der Bevölkerung repräsentieren. Die Städte und Einheitsgemeinden des Jerichower Landes sind in diesem Gremium nicht vertreten.