Parchen l „Von diesem Abend werden wir in 50 Jahren noch sprechen“, verlor Veranstalter Hartmut Gentz auch nach einer zweieinhalbstündigen Unterbrechung der diesjährigen Rocknacht seinen Humor nicht. Der Sonnabendabend stand wettermäßig unter keinen guten Vorzeichen. „Angesagt ist Windstärke 8“, ahnte Ralf Ballerstein, Moderator und Mitarbeiter des Genthiner Veranstaltungsservice, schon früh Böses.

Auftritt abgebrochen

Aber zunächst gingen die Damen der AC/DC-Coverband „Black/Rosie“ gegen 19.45 Uhr auf die Open-Air-Bühne und sorgten vom Start weg für echtes Hard-Rock-Feeling. Titel wie „Dirty deeds, done dirt cheap“, „It‘s A Long Way To The Top“ oder „Shoot to thrill“ hauten die Damenriege um Sängerin Karo Blasek in schönster Heavy-Manier raus und wussten, das Publikum zu unterhalten. Etwa mit Regeln für ein Rockkonzert. „Eine Regel: Wir machen weiter, egal wie das Wetter wird“ und mit Humor: „Der nächste Titel heißt zwar ‚Sin City‘, sündige Stadt, damit sind aber nicht Genthin und Parchen gemeint.“

Doch am Ende nutzte alles nichts. Aufgrund der Sturmböen und der aufziehenden Gewitterfront musste die Band um 20.30 Uhr abbrechen. „Die Sicherheit geht vor.“ Zunächst wurden die Planen an der Bühne entfernt und dann die Dekoration und Technik für den „Völkerball“-Auftritt abgebaut. Das Publikum verschwand nach und nach in die geöffneten Hallen des Geflügelhofes.

Bilder

Selfies mit Sängerin

„Das ist für uns jetzt genauso blöd wie für die Zuschauer“, meinte Karo Blasek und sorgte für Kurzweil, da sie für Selfies mit den Zuschauern posierte und mit ihren Kolleginnen Autogramme gab. Die Zuschauer vertrieben sich die Zeit mit Singen und Plaudereien. „Ich hoffe, wir sind nicht umsonst von Magdeburg nach Parchen gekommen“, sagte Jürgen Steiner, der mit einer mehrköpfigen „Völkerball“-Fangruppe vor Ort war.

Gegen 22 Uhr dann die erlösende Nachricht von Ralf Ballerstein: „Wir machen in der Halle weiter.“ Es sei ein echtes Novum. „Ich bin 45 Jahre in dem Geschäft und habe es noch nicht erlebt, dass Bands in dieser Situation spielen wollen.“ Beide Gruppen wären noch einmal bereit gewesen. Allerdings konnte dann nur „Völkerball“ antreten, aber ohne Feuershow und nur mit wenig Lichttechnik und etwas Bühnennebel.

Zum Anfassen nahe

So waren die Parchener so dicht wie noch nie an der Gruppe „Völkerball“, im wahrsten Sinne des Wortes zum Anfassen nahe. Trotz des nun fast kuscheligen Ambientes bot die Band den erwarteten brachialen Rammstein-Sound. Titel wie „Sonne“, „Du riechst so gut“ oder „Feuer frei“ wurden von der Menge mitgesungen. Auch Titel des neuen Rammstein-Albums wie „Radio“, fügten sich nahtlos in das Repertoire.

Fans und Band hatten Spaß an dem Abend: „ Geilerweise haben alle Beteiligten es möglich gemacht, das Konzert, wenn auch in abgespeckter Form, schnellstmöglich in den Hühnerstall nebenan zu verlegen“, schrieb die Gruppe nach dem Konzert auf ihrer Facebookseite. Und Catrin Hanke kommentierte: „Es war wieder hammergeil mit euch und die Verlegung von draußen nach ‚hautnah‘ drin war absolut professionell.“

Neuer Termin für Black/Rosie

Das meinte auch Veranstalterin Heike Gentz: „Bands, Fans und auch Bühnenarbeiter und Techniker haben den Abend trotz allem zu einem Erfolg gemacht, denn Aufgeben kam für uns nicht in Frage.“ Sie hatte noch eine gute Nachricht: „Die Gruppe ‚Black/Rosie‘ kommt im Herbst noch mal und spielt bei Steinbrück.“ Der Termin werde natürlich rechtzeitig bekannt gegeben.

Ähnlich hatte es übrigens im vergangenen Jahr die Band „Berlin Beat Club“ gemacht, die ihren Auftritt 2018 ebenfalls nicht zu Ende bringen konnte. In diesem Jahr eröffnete die Band die Rocknacht am Freitag bei schönem Sommerwetter. Ganz im Zeichen des Jahres 1969, das nicht nur Mondlandung und Große Koalition mit sich brachte, sondern mit „Woodstock“ auch ein legendäres Musikfestival, über das Moderator Ralf Ballerstein in den Auftrittspausen der Berliner plauderte.