Genthin l Das zu Ende gehende Jahr war für die Mitglieder der Genthiner Feuerwehr aus mehreren Gründen ungewöhnlich. Da waren zum einen die Bestimmungen der Corona-Pandemie und zum anderen der Umstand, dass eine Vielzahl von Einsätzen im ersten Halbjahr lag. Denn 86 der bis jetzt 124 Alarmierungen gab es bis Ende Juli. „Dadurch ist das Jahr tatsächlich besonders“, meint Feuerwehrsprecher Michael Voth mit Blick auf die Einsatzstatistik.

Eine Ballung der Alarmierung gehe aber auch einher mit einer deutlichen Belastung der Feuerwehrleute. „Da braucht man zum einen eine verständnisvolle Familie und zum anderen einen verständnisvollen Arbeitgeber“, fügt der stellvertretende Genthiner Ortswehrleiter Tobias Dürpisch hinzu. Denn alle Mitglieder der Feuerwehr gehen einem Beruf nach. So hieß es Anfang des Jahres oft: Nachts raus zum Feuerwehreinsatz, am Tage raus zur Arbeit.

Zwei bis drei Einsätze in der Woche

Das wiederholte sich zu manchen Zeiten oft zwei bis dreimal die Woche. „Wir nehmen alle Einsätze ernst und sind konzentriert bei der Sache, aber wenn man nicht nur statistisch, sondern ganz praktisch alle eineinhalb Tage ausrücken muss, ist man Ende einfach platt.“

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In solchen Situationen gebe es Tage, in denen die Feuerwehrleute nur wenig Schlaf finden, mit diesem Schlafmangel müsse dann jeder für sich umgehen. Mehr Bewegung, kurze Nickerchen in der Freizeit, so kommt man möglicherweise durch den Tag. Die Feuerwehrleute empfinden diese hohe Schlagzahl an Einsätzen über mehrere Tage verteilt als belastender als etwa bei Unwettern mit zahlreichen Einsätzen hintereinander weg. Das gab es etwa 2015, beim Frühjahrssturm „Niklas“.

Regentag bereitet wenig Probleme

Innerhalb eines Tages waren die Feuerwehrleute 14 Mal im Einsatz. 2018 gab es nach dem Starkregen Anfang August mehr als 30 Einsätze an einem Tag. Damit sei aber ganz gut zurechtzukommen, meinen die Feuerwehrleute. „Dies liegt vor allem daran, dass die Flächenlagen im Vorfeld durch Unwettermeldungen angekündigt werden. Man kann sich also darauf entsprechend einstellen“, erklärt Michael Voth.

Solche Extremwetterlagen habe es in diesem Umfang im Jahr 2020 nicht gegeben. Auch der Wolkenbruch im Juni habe wenig Alarmierungen mit sich gebracht. Das Jahr war geprägt von vielfältigen Einsätzen. Von klassischen Wald- und Vegetationsbränden im Sommer, über Türöffnungen bis hin zu umgestürzten Bäumen und Traghilfen für den Notarzt. Die Feuerwehr war erneut mit vielerlei Knowhow gefragt. Und manchmal wirken die Einsätze auch bei den Feuerwehrleuten nach.

Kellerbrand bleibt im Gedächtnis

„Mir ist besonders ein Wohnungsbrand im Juni im Gedächtnis geblieben“, sagt Michael Voth. Die Wohnung sei völlig ausgebrannt, das habe er in 15 Jahren bei der Feuerwehr noch nicht erlebt. Auch ein Kellerbrand im Juli, blieb den Feuerwehrleuten im Gedächtnis. Da das Treppenhaus völlig verraucht war, retteten die Einsatzkräfte fünf Menschen mittels Schiebeleiter aus der zweiten und dritten Etage, darunter auch ein Kleinkind. „Das war sehr stressig und aufreibend, weil man natürlich alle Menschen in Sicherheit bringen möchte.“

Aber es gab auch vermeintlich kuriose Einsätze. Etwa den, bei dem im Februar eine betrunkene Frau von der Feuerwehr aus einem Wildrosenbusch befreit werden musste, oder der im August, als Scherzbolde eine Fahrbahnabsperrung in 4,50 Meter Höhe auf ein Verkehrsschild gesteckt hatten, welche die Einsatzkräfte entfernten. „Im ersten Moment möchte man darüber lachen, aber im Falle der Frau steckt natürlich auch Schicksal hinter einer solchen Situation, das vielleicht nicht so lustig ist, und eine in der Höhe montierte Absperrung, kann zu einer erheblichen Gefahr werden, wenn sie herunterfällt“, gibt Tobias Dürpisch zu bedenken.

Corona verhindert regelmäßige Ausbildung

Für die Feuerwehrleute hatte aber auch die diesjährige Corona-Pandemie deutliche Auswirkungen. „Das, was man kameradschaftliches Leben nennt, fand in diesem Jahr so gut wie gar nicht statt, wir sehen uns eigentlich nur noch bei Einsätzen“, sagt Dürpisch. Bei diesen sei man dann mit Mundschutz unterwegs, da man im Einsatzfahrzeug keine andere Möglichkeit habe, sich zu schützen.

Die fehlende Ausbildung mache sich zwar nicht unmittelbar bemerkbar, sei aber dennoch misslich. „Dinge wie Wohnungs-, Container- oder Heckenbrände löschen verlernt man nicht, die Sicherheit der Bevölkerung ist nicht gefährdet“, sagt Michael Voth. Allerdings habe man rund ein Drittel der Ausbildungsstunden nicht durchführen können, das seien etwa 30 von 90 Ausbildungsstunden. Und das sei bei spezieller Technik etwa Trennschleifer, Motorsägen oder Abseilgeräten unschön.

Planung für neues Jahr läuft

„Diese Werkzeuge haben wir nicht alltäglich im Einsatz und es ist gut, wenn man immer wieder die Arbeit damit übt“, meint Voth. Wobei er auch verdeutlicht, dass die Feuerwehrleute mit allen Werkzeugen umgehen können, aber gewisse Feinheiten gingen ohne die beständige Auffrischung verloren. Die Hoffnung bleibt, dass es im kommenden Jahr wieder Zusammenkünfte geben kann.

„Wir haben bereits Schwerpunkte der Ausbildung geplant, allerdings noch nicht terminiert“, gibt sich Voth vorsichtig zuversichtlich. Denn schließlich sei noch einiges nachzuholen. „Wenn wir wieder zusammenkommen dürfen, werden wir auch umgehend wieder mit Übungsabenden beginnen“, blickt Voth voraus.