Genthin l Herbert Borys und Denny Bellin sichten im Keller des Genthiner Forstamtes riesige Mengen an Humus, der zuvor sogenannten Suchflächen entnommen und in Säcken abgefüllt worden ist.

Der Inhalt jedes einzelnen Sackes wird von ihnen auf einem Tisch ausgebreitet, zerkleinert und dann akribisch auf Larven von Kiefergroßschädlingen untersucht.

Gutes Auge und Durchhaltewillen gefragt

Es braucht ein geschultes Auge und Durchhaltevermögen, um die Puppen des Kiefernspanners, der Forleule, Raupen des Kiefernspinners und Kokons der Kiefernbuschhornblattwespen, allesamt von der Forstwirtschaft gefürchtete Kahlfresser, auszusortieren. Die gefundenen Puppen werden in viele kleine Schachteln einsortiert. Die Schachteln werden mit dem Fundort beschriftet und anschließend zur Auswertung in die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt Göttingen geschickt. Der „Blick in die Glaskugel“ wird dann zu einer wissenschaftlichen Angelegenheit. Sie ermöglicht exakte Vorhersagen zum Schädlingsbefall in den Sommermonaten und gibt den Forstleuten die Möglichkeit, präventiv einzugreifen.

Zwischen Havelberg und Hohenseeden sind 42 Kiefernbestände mit jeweils zehn Suchflächen in einer Größe von je einem halben Quadratmeter für die Winterbodensuche ausgewählt worden.

Schädlingspuppen ins Haus geholt

Mit der ausgehobenen Humusschicht holen sich dann die Mitarbeiter des Forstamtes die Winterschlafstätten der Schädlingspuppen, -kokons und -raupen, „ins Haus“.

Bis zum 15. Februar werden sich Herbert Borys und Denny Bellin durch die Proben gearbeitet und mit der Winterbodensuche im wahrsten Sinne des Wortes reinen Tisch gemacht haben.

Umfang des Schädlingsbefall vorhersehbar

In Göttingen wird das Sammelgut, das die beiden Genthiner Forstwirte in mühevoller Kleinarbeit zusammengetragen haben, auf den Befall von Parasiten, wie Bakterien und Pilze, untersucht. Sie können den Kieferngroßschädlingen in ihrer weiteren Entwicklung, der Metamorphose, erheblich zusetzen und zum Absterben bringen.

Von der Stärke des Parasitenbefalls können die Forstleute dann auch ableiten, in welchem Umfang ein Schädlingsbefall eintritt.

Mit Ergebnissen der diesjährigen Winterbodensuche rechnet Forstamtleiter Peter Sültmann Anfang März.

Nachricht aus Göttingen

Dabei hofft er, von bösen Überraschungen verschont zu bleiben. Sollten allerdings Warnschwellenwerte überschritten werden, empfiehlt die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt Göttingen erfahrungsgemäß, eine Nachsuche an den betroffenen Waldorten durchzuführen.

Die Kieferngroßschädlinge würden sich allerdings, so der Forstamtsleiter, auf den Flächen des Betreuungsforstamtes Elb-Havel-Winkel derzeitig in sogenannter Latenz befinden. Der Forstmann spricht damit fachmännisch aus, dass der Schädling auf den Flächen des Betreuungsforstamtes gegenwärtig nicht auffällig ist.

Bekämpfung nicht immer nötig

Im vergangenen Jahr hatte die Winterbodensuche erhöhte Werte bei der Buschhorblattwespe in Kiefernbeständen bei Mützel nachgewiesen, wobei in der Forstwirtschaft ein sogenannter geringer Schädlingsbefall toleriert wird – eine Bekämpfung ist somit nicht immer notwendig.