Genthin l Die Zeit wird knapp für die Zirkusfamilie Scholl. Im Laufe der nächsten Wochen soll die Familie ihr Lager am alten Toom-Baumarkt verlassen haben. Eine neue Bleibe ist noch nicht gefunden. Grund für die Aufforderung ist, dass das Gelände Ende Juli versteigert wurde und die neuen Besitzer die Fläche anderweitig nutzen wollen.

„Wir haben die Familie Scholl aber nicht einfach vom Gelände gewiesen, sondern ihnen ein Ersatzangebot gemacht“, erklärte Anja Ducho, Prokuristin der Wusterwitzer Firma Immo HVS, die seinerzeit als neuer Eigentümer aus der Versteigerung hervorging. „Wir wollen nicht, dass das Bild entsteht, als wollten wir die Familie verjagen, als Immobilienfirma ist uns an einer gütlichen Regelung gelegen“, fügt sie hinzu.

Ersatzangebot nicht angenommen

Konkret habe man ein Gelände in Küsel bei Möckern angeboten. Doch das kam für die Zirkusleute nicht infrage. „Die für das Gelände veranschlagte Miete können wir uns in der jetzigen Situation einfach nicht leisten“, erklärt Zirkuschef Alexander Scholl. Da derzeit keine Gastspiele anstehen, sieht es auf der Einnahmenseite des Traditionsbetriebes schlecht aus. „Wir würden dann in wenigen Monaten in Zahlunsgverzug sein und wieder vor Problemen stehen. Das Gelände in Küsel hat noch ein weiteres Problem, auf das der Möckera- ner Bürgermeister Frank von Holly (CDU) hingewiesen hat: „Für die Fläche besteht keine Baugenehmigung und auch keine Nutzungserlaubnis.“ Diese Information habe er auch an die Eigentümer weitergegeben.

Der Möckeraner Bürgermeister weiß um die Sorgen der Zirkusbranche, strandete während der Corona-Hochphase doch der „Circus Bravo“ in der Stadt. Auch diesem wurden alle Gastspiele (unter anderem in Genthin), abgesagt, die Kosten liefen aber weiter.

Gespräche mit der Genthiner Verwaltung

Familie Scholl in Genthin hat, um Geld zu sparen, sämtliche Fahrzeuge abgemeldet und diese unbetankt gelassen. Auch das ein Problem bei einem eventuellen Umzug. „Wir müssen auch Finanzen aufwenden, um die in Niedersachsen untergebrachten Tiere zu versorgen und haben uns daher selbst sehr eingeschränkt“, beschreibt Alexander Scholl.

„Es hat nach der Berichterstattung der Volksstimme einige Hinweise aus der Bevölkerung gegeben.“ Dort seien zwar Flächen dabei gewesen, die auf den ersten Blick attraktiv waren, aber: „Viele Menschen haben keine Vorstellung, wie groß unsere Zirkuswagen sind und wie viel Platz wir benötigen.“ Die Familie stand zudem im Kontakt mit der Genthiner Stadtverwaltung. „Der Bürgermeister hatte ein offenes Ohr für uns, nachdem wir vorgesprochen haben, aber auch er kann nicht ohne weiteres ein Gelände zur Verfügung stellen.“

Matthias Günther hatte versprochen, der Familie zu helfen und die Verwaltungsmitarbeiter darauf hingewiesen, mögliche Standorte ins Auge zu fassen. Obwohl die Zirkusleute eigentlich gern in Genthin bleiben möchten, haben sie auch im brandenburgischen Ziesar vorgesprochen, von wo es ebenfalls ein Angebot gab. Wo der Zirkus letztlich unterkommen wird, bleibt also noch ungewiss. Wer Hinweise für die Familie hat, kann sich über das Zirkustelefon melden: 01573/67 32 027.