Genthin/Güsen l Eine historische Ferkeltaxe könnte in Zukunft durch Genthin rollen und eine alte Strecke durch den Chemiepark wiederbeleben. Zumindest, wenn es nach Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) geht. Zusammen mit dem Förderverein Bürger-Bahnhof Güsen plant er, den Schienenbus als Attraktion für die 850-Jahr-Feier einzusetzen.

Dann soll er vom Bahnhof aus, am Sportplatz Berliner Chaussee vorbei, über eine Brücke bis in den Chemiepark fahren. In der Ziegeleistraße befindet sich dann der Endpunkt. „Früher führte die Strecke parallel zur Bundesstraße 107 weiter in Richtung Jerichow“, erläuterte Matthias Günter. Dieser Teil der Strecke ist nicht mehr vorhanden. Der Abschnitt vom Bahnhof bis zum Chemiepark jedoch, der sich im Besitz der Qualifizierungs- und Strukturförderungsgesellschaft (QSG) befindet, blieb erhalten. „Zuletzt wurde die Strecke von Henkel genutzt“, so Günther.

Strecke als Standortvorteil

An der langfristigen Reaktivierung der Strecke hätten auch ansässige Firmen ein Interesse. So habe unter anderem das Logistikunternehmen LTG Interesse geäußert, Güter über die Bahnstrecke schicken zu wollen, so Günther. Letztendlich könne sich die Strecke für die Firmen im Chemiepark auch zu einem Standortvorteil entwickeln.

Restaurierung stemmt der Verein alleine

Bis zu ihrer Fahrt durch Genthin wird die Ferkeltaxe des Fördervereins Bürger-Bahnhof Güsen im Waschmittelwerk unterkommen und dort in Eigenregie von den Güsenern restauriert. Der Steuerwagen wurde dem Verein von der Marie-Durand-Schule im hessischen Bad Karlshafen geschenkt. Der Transport per Lkw wurde vom ersten Vorsitzenden des Güsener Kleinbahnvereins Daniel Groener bereits in Auftrag gegeben. „Der Steuerwagen wird in etwa drei Wochen kommen“, kündigte er an. Im Waschmittelwerk soll das historische Gefährt möglichst unter einer Überdachung abgestellt werden. Dort sollen dann unter anderem die Technik des Wagens instand gesetzt und neue Sitze eingebaut werden. Denn im Einsatz war der Schienenbus schon lange nicht mehr.

Ursprünglich fuhr die Ferkeltaxe für die Usedomer Bäderbahn. Weil sich dort, wo die Marie-Durand-Schule heute steht, früher einmal ein Bahnhof befand, wurde der Schienenbus nach Bad Karlshafen geholt. Auf dem Schulgelände diente er lange als Pausenhoferweiterung und Aufenthaltsmöglichkeit für die Schüler. Nun soll die integrierte Gesamtschule erweitert werden, und für die Ferkeltaxe ist somit bald kein Platz mehr vorhanden.

Geschenk des Förderveins

Da der Verein Bürger-Bahnhof Güsen sich für den Erhalt des Streckennetzes der Kleinbahn einsetzt, entschied der Förderverein der Schule schließlich, den Güsenern das Fahrzeug zu schenken.

„Die Ferkeltaxe ist ein Teil der Genthiner Geschichte und hat für die Region eine große Bedeutung“, erzählte Matthias Günther. Daher befürwortet der Bürgermeister auch eine dauerhafte Unterstellung des Schienenbusses in Genthin sowie einen Einsatz im Rahmen der 850-Jahr-Feier. Auch darüber hinaus soll die Ferkeltaxe in Genthin bleiben und für historische Fahrten genutzt werden.

Triebwagen wird aus Neustrelitz geliehen

Ob der hessische Schienenbus wirklich zum Stadtjubiläum durch Genthin rollen wird, ist noch unklar. Da es sich um einen Steuerwagen handelt, kann dieser nicht alleine fahren, erklärte Daniel Groener. Daher organisiert der Verein einen Triebwagen vom Partnerverein Hafenbahn Neustrelitz, der ihn ziehen soll. Falls die Technik des Steuerwagens nicht mit der des Triebwagens harmoniert, kann auch der Neustrelitzer Triebwagen alleine über die alte Genthiner Kleinbahnstrecke rollen.