Genthin l Der Winter hatte bisher ein Einsehen mit Genthin. Er war in der Saison 2019/2020 sehr mild und hat auch in der aktuellen Saison bislang nicht richtig zugeschlagen. Nur am vergangenen Montagmorgen wäre es fast soweit gewesen: Die Nacht über hatte es geschneit, und Temperaturen um den Gefrierpunkt hätten dafür sorgen können, dass es auf Genthins Gehwegen und Fahrbahnen auch tagsüber hätte gefährlich glatt werden können.

Doch die Temperaturen stiegen schnell über den Gefrierpunkt hinaus, so dass der gefallene Neuschnee fast so schnell wieder weg taute, wie er gefallen war. Trotzdem liefen bei Fachbereichsleiterin Dagmar Turian am frühen Montagmorgen doch einige Telefonanrufe auf, in denen Genthiner fragten, wo denn der Winter- dienst in ihrer Straße geblieben sei.

Möglicherweise kommt dieser bei einigen der Anrufer gar nicht mehr. Denn auch wenn laut Straßengesetz für das Land Sachsen-Anhalt die Stadt Genthin als Straßenbaulastträger zum Winterdienst verpflichtet ist, bedeutet das nicht, dass der städtische Bauhof auf allen Kilometern Fahrbahn, um die sich der Dienst bis zur Neuordnung der Satzung im November 2019 gekümmert hat, weiter räumt, streut oder anderweitig abstumpft.

Auf Fahrbahn stark eingeschränkt

Mit dem Beschluss des Stadtrates vom November 2019 ist nämlich vor allem der Winterdiensteinsatz auf den Fahrbahnen stark zurückgefahren worden. Statt bis dato 104 Kilometer Fahrbahn sind es jetzt nur noch 34 Kilometer Straße, die in Genthin und den Ortsteilen winterdienstlich bearbeitet werden - um elf Kilometer kümmert sich der Bauhof, um 23 Kilometer ein Dienstleister. Das ist das erforderliche Mindestmaß, geht aus der damaligen Beschlussvorlage hervor. Statt elf kommen nun nur noch acht Fahrzeuge zum Einsatz, statt 20 werden nur noch 15 Arbeitskräfte eingesetzt. Nur bei den Gehwegen und Haltestellen werden keine Abstriche gemacht. Da kümmern sich der Bauhof und ein Dienstleister nach wie vor um 15 Kilometer Bürgersteig und den Bereich um 75 Haltestellen herum. Denn Gehwege und Haltestellen sind der Dringleichkeitsstufe I zugeordnet worden, stehen also ganz oben auf der Liste. Dringlichkeit II sind Fahrbahnen mit höherer Verkehrsbedeutung und der Dringlichkeitsstufe III sind alle übrigen Fahrbahnen zugeordnet.

Die Dringlichkeiten wurden nach der Verkehrsbedeutung ausgewählt, danach, ob es Fahrbahnen vor Schulen und Kitas sind, ob sie vor medizinischen Versorgungseinrichtungen liegen, vor Feuerwehrstützpunkten oder in ausgewiesenen Gewerbegebieten mit hohem gewerblichem Verkehr. Die 72 Kilometer Gemeindestraßen der Dringlichkeitstufe III werden nur bei allgemeiner Glätte (zum Beispiel durch Blitzeis und Eisregen) bedient beziehungsweise bei stärkerem Schneefall und auch erst dann, wenn die Wege und Straßen der beiden höheren Dringlichkeitsstufen abgearbeitet sind. Nur in Ausnahmesituationen, wie beim starken Schneefall im Winter 2010/2011, werde es unvermeidlich sein, zusätzliche Kapazitäten zu erschließen, heißt es in der Vorlage.

Stadt spart 70.000 Euro

Obwohl die Stadt durch die Neuorganisation des Winterdienstes rund 70.000 Euro einspart, ist nicht der Sparzwang Hauptgrund für die Neuorganisation gewesen. Vielmehr hätte sich auf die Ausschreibungen für den Winterdienst kein Dienstleister gemeldet beziehungsweise seien Gespräche mit Anbietern ergebnislos geblieben, heißt es weiter in der Vorlage.

Nach der Neuorganisation wurde im Winter 2019/2020 für 28 Tage Rufbereitschaft ausgerufen, geht aus einer Informationsvorlage hervor. 15 Tage waren die Mitarbeiter des Bauhofes und des Dienstleisters im Einsatz. Streumittel wurden in dem Winter so gut wie gar nicht gebraucht. Die beiden Silos blieben soweit gefüllt, dass für den jetzigen Winter keine neuen Streumittel angeschafft werden mussten.