Genthin l Alles ist für die Abiturienten in diesem Jahr so ganz anders, als sie es erwartet haben. Wahrhaftig bleiben jedoch die Ergebnisse ihrer schriftlichen Prüfungen, die gestern den Gymnasiasten von der Schulleitung, nicht wie üblich in der Aula, sondern in der Jahn-Turnhalle schwarz auf weiß ausgehändigt wurden. Überschäumende Freunde, Enttäuschung und vielleicht auch Tränen - in dieser Situation stand der Abiturjahrgang 2020 seinen Vorgängerjahrgängen vermutlich in nichts nach. Mit den mündlichen Prüfungen in den nächsten Tagen werden sie nun die letzte Hürde zum Abitur nehmen. Dieses Prozedere ist gesetzt und unverrückbar. Doch die Corana-Pandemie hat die Abiturienten um Vieles gebracht, was das Ende einer zwölfjährigen Schulzeit für sie sonst besonders unvergesslich hätte machen können.

„Irgendwie ist in diesem Jahr alles anders, nicht so, wie wir es erwartet haben. Darauf mussten wir uns einstellen“, fasst Schülersprecherin Viola Neumann die Stimmung unter den Abiturienten zusammen.

Kein Fahrradcorso in diesem Jahr

Opfer der Corona-Pandemie wurde unter anderem der bunte Auftritt des Jahrganges zum letzten Schultag. Dazu hätten ein verrückter Fahrradcorso, gesteuert von schrill gekleideten Gymnasiasten, gehört.

Längst ist er auch ein gesetzter Hingucker im Leben der Stadt Genthin. Auch das sich anschließende Programm auf dem Schulhof, bei dem Schule, Lehrer und Schulzeit noch mal richtig aufs Korn genommen werden, bevor der Prüfungsstress beginnt, fiel aus. Ersatzlos. „Einige von uns haben sich zwar etwas verkleidet“, erzählen Viola Neumann und Tessa Müller. Das sei aber schon alles gewesen, was die Corona-Auflagen hergaben. Stimmung kam da nicht auf. Es sei schon irgendwie komisch gewesen, schließlich habe man sich jahrelang darauf gefreut.

Keine Mottowoche

Auch die übliche Mottowoche, eine Verkleide-Aktion, sonst ein liebgewordenes Ritual am Bismarck-Gymnasium, fiel weg. „Wir haben lange überlegt, ob wir anstatt der Hobbywoche eine Statement-Woche veranstalten, sind dann aber doch davon abgerückt“, erzählen Viola Neumann und Tessa Müller. „Die Zeiten sind nicht lustig, deshalb erschien uns die Hobbywoche auch nicht angemessen“, wissen die beiden Abiturientinnen um die Sensibilität der Corona-Pandemie.

Novum in Geschichte des Gymnasiums

Corona wird die Abiturienten bis zum letzten Schultag begleiten, daran gibt es für die Abiturienten keinerlei Zweifel. In Jammerei wollen sie dennoch nicht verfallen. Viola Neumann geht das ganze Dilemma wie viele andere Mitschüler offensiv an. „Für mich beendet das Abitur mit Zeugnisübergabe und Abi-Ball einen wichtigen Abschnitt in meinem Leben. Die Freude daran werde ich mir, wie die anderen Abiturienten auch, nicht nehmen lassen.“ So sind die drei Abiturklassen übereingekommen, den Abi-Ball, der im Stadtkulturhaus stattfinden sollte, vielleicht in den September zu verlegen - das wäre ein Novum in der langen Geschichte des Gymnasiums.

„Durch die coronabedingten Auflagen fehlt uns ein „ganzheitlicher Abschluss unserer Schulzeit, der muss einfach nachgeholt werden. Darauf wollen wir nicht verzichten“, macht Viola Neumann klar.

So oder so, auch die feierliche Übergabe der Abitur-Zeugnisse wird in einer bisher nie dagewesenen Form über die Bühne gehen müssen.

Im einzelnen seien wichtige Details der Zeugnisübergabe noch nicht bekannt, wissen Viola Neumann und Tessa Müller. Fest steht zunächst einmal der Termin und der Ort der Zeugnisübergabe. Gesetzt ist der 15. Juli in der Trinitatiskirche.

Chor wird nicht singen

Der Chor werde mit Sicherheit bei dieser Zeugnisübergabe nicht singen. Den obligaten Glückwunsch mit einem Händedruck des Schulleiters und der Tutoren wird es auch nicht geben. Fest steht auch, dass der Personenkreis der geladenen Gäste deutlich kleiner als sonst sein wird. „Wir sind wirklich gespannt, wie die Feierstunde ablaufen wird und wie das geforderte Hygienekonzept umgesetzt wird“, sagen die beiden Abiturientinnen.

Trotzdem: auf neue, schicke Garderobe eigens für die Zeugnisübergabe verzichten Viola und Tessa nicht.