Ferchland l Dem Vorwurf von Griebens Ortsbürgermeisterin Rita Platte, dass die Kosten der Revision bei der Entscheidung zur Einstellung des Fährbetriebes eine Rolle gespielt haben, widerspricht Nicole Golz, Bürgermeisterin der Gemeinde Elbe-Parey, vehement.

Wenn der Gemeinderat die Einstellung nicht beschlossen hätte, so die Bürgermeisterin weiter, dann hätte man sich zum Umfang der Revision verständigen müssen. Bis dahin sei man aber nicht mehr gekommen. „Wenn man sich für eine Revision entscheidet, muss man das Risiko des Ausfalls und der Reparaturen für die Fähre so gering wie möglich halten. Vom Land bekommt man im Jahr der Durchführung der Revision die Förderung für die nächsten fünf Jahre.

Wenn also nichts gemacht wird und nur ein ,einfacher TÜV‘ erfolgt, die Fähre dann kaputt geht, zahlt man alle weiteren Reparaturkosten vollständig aus eigener Tasche. Das ist nicht planbar und schon gar nicht einzuschätzen“, so Nicole Golz. Und dann rede man über Steuergelder. Wenn man Fördergelder des Landes in Anspruch nimmt, muss man zudem den Betrieb der Fähre für weitere fünf Jahre aufrecht erhalten, sonst gibt es eine Rückzahlungsforderung, erklärte die Gemeindebürgermeisterin gegenüber der Volksstimme.

Drei Fährleute übernommen

Auch in Sachen Fährzeugnis widerspricht die Gemeindebürgermeisterin anderweitigen Darstellungen, zum Beispiel der Griebener Ortsbürgermeisterin Rita Platte. „Eine einfache Verlängerung gibt es nicht. Vielmehr muss man den Prüfungstermin beantragen und dann auf diesen abgezielt die Verlängerung des Zeugnisses beantragen. Wenn aber gar nicht beabsichtigt ist, die Revision durchzuführen, kann ich auch nicht das Fährzeugnis verlängern lassen. Wenn ich eine Prüfung beantrage, muss ich diese auch durchführen.“

Die drei unbefristet eingestellten Fährleute wurden in den Bauhof übernommen, da drei Hausmeisterstellen vakant waren. Nicole Golz: „Der bis zum 30. November 2020 befristet zur Ausbildung eingestellte Mitarbeiter hat sogar schon eine neue Arbeitsstelle gefunden. Wir haben ihn für den Antritt dieser Stelle die Freistellung erteilt.“

Nun wollen sich die Anrainer-Kommunen an der Elb-Fähre Ferchland-Grieben für eine zukünftige nachhaltige Querung der Elbe einsetzen. Dazu gibt es ein gemeinsames Bekenntnis von Bürgermeisterin Nicole Golz (Einheitsgemeinde Elbe-Parey), Andreas Brohm (Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte) und Harald Bothe (Einheitsgemeinde Stadt Jerichow) sowie der Landräte Patrick Puhlmann (Landkreis Stendal) und Steffen Burchhardt (Landkreis Jerichower Land). Man wolle nun nach anderen technischen Fährmöglichkeiten suchen. Dazu soll ein Gutachten erstellt werden. Darin soll auch die Wirtschaftlichkeit der einzelnen Modelle untersucht werden.

Nächste Fähre in Rogätz

Auf dem rund 60 Kilometer langen Elbe-Stück zwischen den beiden Städten Magdeburg und Tangermünde gibt es nach dem Wegfall der Verbindung Ferchland-Grieben nur noch eine Fähre in Rogätz. Jerichows Bürgermeister Harald Bothe sieht aber weiterhin das Land Sachsen-Anhalt in der Pflicht, „den Erhalt solcher wichtiger Infrastruktur finanziell zu unterstützen“.

Bürgermeister Andreas Brohm (Stadt Tangerhütte) informierte, dass die Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte schon im kommenden Stadtrat die Beteiligung am Gutachten beraten werde. Nicole Golz begrüßt die positiven Signale, die jetzt von den Nachbarkommunen kommen. „Bereits bei der Entscheidung zur Stilllegung der jetzigen Motorfähre haben wir uns im Gemeinderat darauf verständigt, weiterhin für eine Elbquerung hier in unserer Region zu arbeiten. Das Gutachten ist nun der erste Schritt.“

Laut Landrat Steffen Burchhardt (SPD) suche man gemeinsam nach einer dauerhaft tragfähigen Lösung, um den Fährbetrieb wieder aufnehmen zu können.